Meldungen zu einigen aktuellen politischen Auseinandersetzungen

1. Datenschutz in Deutschland

Im Bereich der Patientendaten der gesetzlich Versicherten – 73 von ca. 82 Millionen Einwohnern – versucht die Bundesregierung in Person des Gesundheitsministers Spahn anscheinend massiv den Schutz dieser individuellen Daten auszuhebeln. „Telepolis“ hat dazu eine Reihe von Artikeln veröffentlicht, die heute (05.08.2020) in der Aufdeckung gipfeln, dass dem Bundesdatenschutzbeauftragten (Ulrich Kelber) ein anderer, prinzipiell harmloserer Text einer Gesetzesänderung zur Kontrolle vorgelegt wurde als dem Gesundheitsausschuss des Bundestages. Dieser Ausschuss konnte mittlerweile also unter gezielter Umgehung des Bundesdatenschutz-Beauftragten beschließen, dass die gesetzlichen Krankenkassen die ihnen vorliegenden Daten sehr weitgehend zur Erstellung individueller Profile auswerten dürfen, ohne dass der Versicherte davon erfährt und dies ablehnen könnte.

 

Im Zusammenhang mit der Corona-Krise,  genauer gesagt: im Zusammenhang mit politischen Vorstößen zur viel genaueren Erfassung des Verhaltens der Bürger und ihrer Steuerung – Vorstöße, die angeblich von Corona-Gefahren erzwungen werden – hatte es bereits Auseinandersetzungen um den Datenschutz gegeben. Spahn zeigt hier, dass er unbedingt in dieser Richtung weitermachen will.

 

2. Zu internationalen Stellung der Türkei

Die geopolitischen Auseinandersetzungen fördern täglich Neues zu Tage; sie fokussieren sich insbesondere um das Hegemonialstreben Chinas, das nicht nur im Südchinesischen Meer, sondern auch an den Grenzen zu Indien und im Nahen Osten (Iran, Syrien) und in Europa selbst zunehmend zu spüren ist. In diesem Zusammenhang verdient ein Artikel  von Francesco Sisci Beachtung, der die außerordentliche Stellung der Türkei, bedingt durch Geografie und Kultur, beleuchtet. Er beschreibt die geostrategische Unentbehrlichkeit der Türkei für China, die EU und die USA und skizziert die entsprechenden reichlichen politischen Möglichkeiten für die Regierung dieses Staates.

Der Artikel erschien ursprünglich in einem italienischsprachigen und anscheinend dem Vatikan nahestehenden Magazin, „La Settimana“ und wurde von der „Asia Times“ (einem USA-Interessen verpflichteten Organ)  übernommen. Man muss gegenüber beiden kritische Distanz wahren, was jedoch nicht ausschließt, wichtige Aspekte zur Kenntnis zu nehmen, die sie zur Sprache bringen.

 

3. Der Wirecard-Skanda

hat wahrscheinlich eine viel größere internationale politische und vor allem geheimdienstliche Dimension, als bisher in den deutschen Medien spürbar werden darf. Ein Artikel der „Telepolis“ weist in diese Richtung. Selbstverständlich kann ich nicht beurteilen, ob die dort behaupteten Vorgänge korrekt wiedergegeben werden, es kann aber sicher nützlich sein, den dort behaupteten Verbindungen und Zielen der Akteure mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

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Versuch einer Zwischenbilanz der bisherigen politischen Auseinandersetzungen im Zeichen von Corona

In Deutschland liegen nun vier Monate intensiver politischer Auseinandersetzungen  um den Kampf gegen die Infektionswellen des Virus SARS-CoV2 hinter uns. Es ging und geht dabei auch um Fragen, die das Medizinische weit übersteigen – Richtungsfragen des Bildungswesens, der öffentlichen Finanzen, der digitalen Überwachung, des internationalen Bevölkerungs-Managements. Solche Fragen werden weiter für Unruhe sorgen. Sie sind allerdings nicht erst durch „Corona“ entstanden; man muss sich vielmehr darüber Rechenschaft ablegen,

  • dass diese Fragen bereits sich vor der Epidemie massiv aufdrängen mussten und teilweise auch schon intensiv debattiert wurden, bspw. die untragbare Verschuldung von Staaten und Unternehmen und „unkonventionelle“ Methoden ihrer Bewältigung,

 

  • dass sie in den kommenden Jahren weiter hochkochen müssen und werden, wie auch immer das Medizinische sich entwickeln wird, ob nun bei weitgehender Überwindung von CoViD19 oder aber ständig neuer Unruhe von dieser Seite, oder auch mit neuen Erregern, auf die man sich kaum vorbereiten kann,

 

  • dass man weiterhin mit den Masken große Probleme haben wird: grundlegende gesellschaftspolitische Agenden wie die digitale Überwachung der Bevölkerung und die digitale Umgestaltung des Bildungswesens werden nicht als solche propagiert und vorangetrieben, sondern verkleidet als angeblich unvermeidliche Zwangsfolgen – „leider, trän!“ – von Epidemien, Pandemien oder anderen Notlagen. Man wird mehr Klarheit nicht anders erarbeiten können als mit der ständigen kritischen Frage, welche politische/ökonomische Agenda möglicherweise mit der nächsten bedrohlichen Meldung verbunden ist.

 

Ein kurzes Resumé der verschiedenen einzelnen Problemfelder, ihrer Entwicklung in den vergangenen Monaten ist nützlich, weil hier eben weitere und schärfere Auseinandersetzungen zu erwarten sind –  ob mit oder ohne Corona-Hintergrundrauschen.

1. Die lockdowns von Schulen, Kitas und anderen Einrichtungen haben Millionen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, teilweise auch ganze Familien schwersten Belastungen ausgesetzt und teilweise irreparable Verluste erzeugt. Die Vorstellung, man könne durch digitale Kommunikation das reale Bildungs- und Betreuungsgeschehen im Zusammenleben von Lehrern, Schülern und Mitschülern weitgehend ersetzen, ist völlig inhuman und fällt in den Kreis der absurden Entkörperlichungs-, Denaturierungs- und Beherrschungsprojekte, wie sie exemplarisch von Konzernen des Silicon Valley vertreten werden, aber keineswegs nur von diesen.

Die Praxis hat außerdem weiteres Auseinanderdriften der Leistungen je nach sozialem Hintergrund ergeben. Schüler, die sich zurechtfinden mussten ohne ein digital gut ausgestattetes Heim, mit störenden Geschwistern, ohne Eltern, die zur pädagogischen Hilfe bereit und fähig sind, wurden weiter abgehängt.

Es ist unstrittig, dass es mit der digitalen Ausstattung und Kompetenz vieler Schulen, Lehrer und auch Schüler nicht zum Besten steht und dass diese Bereiche gefördert werden müssen. Aber es handelt sich um Hilfsmittel, die das Wichtigste, nämlich die pädagogische Kompetenz der Schulen und das lebendige soziale Miteinander, nicht ersetzen, nur ergänzen  können. Digital vermittelter Unterricht kann Aushilfe und fallweise sogar eine Verbesserung bedeuten; als generelle Perspektive muss er scharf abgelehnt werden.

 

2. In der Wirtschaft hatten sich bereits in den letzten Jahren massive Brüche gegenüber der zuletzt gerade noch eben gut laufenden Konjunktur angekündigt. Es war bereits vor Corona deutlich geworden, dass bspw. die deutsche Autoindustrie verschiedene anstehende Disruptionen (z.B. wegen des Zwangs weg vom Verbrennungsmotor, oder auch wegen der Unsicherheiten des Chinageschäfts) nicht ohne Massenentlassungen würde überstehen können, wenn überhaupt. Im Einzelhandel, um ein weiteres Beispiel zu nennen, waren entsprechende Umbrüche ebenfalls bereits im Gang; dass Kaufhauskonzerne ebenso wie zahllose kleine Händler das Handtuch werfen müssten, wenn auch nicht so rasch und in so großer Zahl wie durch die lockdowns dann vorzeitig erzwungen, war schon lange abzusehen.

Beide Branchen sind nur Beispiele, denn die technisch und von den globalen Verhältnissen  vorangetriebene Umwälzung der Ökonomie betrifft alle, manche auch positiv. Jedenfalls aber: statt von der Fortsetzung der Nachfrage nach Arbeitskräften ausgehen zu können, wie es die deutsche Konjunktur der letzten Jahre manchen vielleicht noch vorgetäuscht haben mochte,  muss man sich nun erst recht solchen Fragen stellen wie, was aus einigen neuen Millionen von nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt „benötigten“ Mitbürgern allein in Deutschland werden soll, und in der Perspektive wahrscheinlich mit wachsenden solchen Zahlen.  Europaweit herrscht ohnehin seit langem strukturelle Arbeitslosigkeit, insbesondere für erhebliche Teile der Jugend.

 

3. Europaweit sind zahlreiche Schwachstellen des Gesundheitswesens durch Corona ins Licht gerückt worden. Es kam zu Brennpunkten von untragbarer Inhumanität, und überall, wo schreckliche Dinge vorgefallen sind, musste dann im weiteren auch von primitiv-kapitalistischer Gewinnsucht und Inkompetenz in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen berichtet werden, die es unmöglich gemacht haben, den Erkrankungen adäquat gegenüberzutreten. Hoffentlich sind solche Erfahrungen Anlass für Politik und Behörden, künftig nicht jedes Profitschema gewähren zu lassen. Kapitalismus und Gesundheitswesen stehen in höchst problematischen Wechselwirkungen.

 

4. Der obersten Ebene des EU-weiten und des internationalen Kapitalismus – dazu gehört die Welt der Staatsverschuldungen, der finanzkapitalistischen Spekulation, der Geldpolitik der Notenbanken usf. – waren bereits Jahre vor Corona neue schwere Krisen, schlimmer als die von 2008, vorausgesagt worden. Die damals zutage getretenen un-nachhaltigen Praktiken sind seitdem bekanntlich noch potenziert, nicht etwa eingeschränkt worden und neue Probleme wie die Gefahren für die Globalisierung durch die Konfrontation zwischen China und den USA sind hinzugekommen.

Aber siehe da:  schon nach wenigen Wochen medialer Pandemiepanik konnte die Europäische Zentralbank Billionen neuer Euros versprechen (und dem deutschen Sparmichel letzte Hoffnungen zerschlagen). Wirtschaftsexperten (wie D. Stelter im Campus-Verlag) konnten locker mit Vorschlägen in die Öffentlichkeit gehen, dass man in der durch Corona beflügelten Umbruchsstimmung doch besser gleich mal 8,7 Billionen statt bloß 2 kreieren solle, z.B. um endlich einmal auch die Altlasten der Staaten kreativ umzuschichten, bspw. um die bisher ungedeckten Pensions- und Rentenverpflichtungen der BRD in Billionenhöhe besser zu managen, und auch um endlich Geld für öffentliche Infrastrukturen in die Hände zu bekommen, die seit 20 und mehr Jahren vor sich hin faulen.

 

Es zeichnet sich hier das Eingeständnis ab, dass man mit der bisherigen Politik gigantischen ständigen Schuldenwachstums die Probleme nur vermehrt hat und anscheinend schon voll dabei ist, Geld nun grundlegend anders zu definieren als bisher: statt als Gegenstück realer ökonomischer Leistung (und Schulden als Gegenstücken zukünftiger Leistungen) wird es nun anscheinend eher als eine Art Schmiermittel gesehen, das überall, wo es hakt, reichlich fließen kann. Es kann fließen, weil eine Zentralbank souverän politisch darüber entscheidet, wieviel Geld in der Gesellschaft, weitgehend unabhängig von deren Leistungsfähigkeit, zu einem gegebenen Zeitpunkt zur Verfügung stehen muss. Welche gesellschaftlichen Auswirkungen wird derlei neues Denken haben? Jedenfalls keine geringen.

 

5. Die intensiven Debatten über den Datenschutz anlässlich der im Zeichen von Corona vorgeschlagenen durchgängigen Erhebung persönlicher Gesundheitsdaten, ihrer zentralen Speicherung und der resultierenden Möglichkeiten, sie für politische Zwecke zu nutzen, haben verdeutlicht, wie sehr zahlreiche Kräfte die individuellen Freiheiten – und in der Konsequenz die politischen Mitwirkungsmöglichkeiten der Bürger – gefährden und einschränken wollen zugunsten quasi-totalitärer IT-gestützter Überwachung, Steuerung und Bestrafung.

 

Das Beispiel Chinas zeigt, wie weitgehend das heute bereits möglich und wie begehrenswert das Alles für manche heutige Kräfte des Kapitalismus und der autoritären Regierungsweisen ist. Die Auseinandersetzungen darum sind mE für die gesamte gesellschaftliche, kulturelle und daher letztlich auch die ökonomische Entwicklung zentral. Sie waren vor Corona bereits im Gang und werden sich mit oder ohne Seuchen weiter zuspitzen. Man darf sich durch noch so große medizinische Probleme, die es zweifellos noch geben wird und die auch von bestimmten politischen Absichten her möglicherweise erst geschaffen oder intensiviert werden, nicht zu Entmündigungen erpressen lassen.

 

6. Es wurde auch die Aufmerksamkeit auf bestimmte pandemiepolitische Tendenzen auf der internationalen Ebene gelenkt. Bestimmten Akteuren des US-Kapitalismus und der politischen Vorherrschaft der USA wurde nachgesagt, sie wollten mithilfe von Test- und Impfprogrammen möglichst große Teile der Weltbevölkerung erfassen und mittels der so gewonnenen Daten neue Systeme zur Austricksung der nationalen Regierungen oder auch zur Kontrolle über die internationale Mobilität der Weltbevölkerung entwickeln, Systeme unter Kontrolle der Pharmariesen und der Silicon Valley-Kontrollmaschinerie, d.h. der USA, vielleicht auch unter Indienststellung von Organisationen wie der WHO.

Jedenfalls wären solche Bestrebungen logisch und naheliegend, wenn man die Interessen der Angesprochenen kennt und weiter verfolgt. Es geht offensichtlich um riesige neue Profitquellen, aber mehr noch um politische Herrschaft.

 

 

Die unter 1-5 angesprochenen Felder der politischen Auseinandersetzung existieren so oder so ähnlich natürlich nicht nur in unserem nationalen oder europaweiten Rahmen, und der globale Zusammenhang wird die weitere Entwicklung weiter stark mit prägen. Ich habe mich bei meinen Bemerkungen allerdings im Wesentlichen nur auf das beziehen können, was mir im nationalen Umfeld und teilweise im europaweiten Umfeld aufgefallen ist – das ist schon brisant genug. Es ist aber notwendig, die Dinge auch in solche Spannungsfelder wie die internationalen kapitalistischen Konkurrenzen und Rivalitäten (China-USA-EU) oder die extremen Spannungen zwischen der relativ reichen entwickelten Welt und den vielen Armen einzuordnen und zu analysieren. Vielleicht hat „Corona“ auch dafür einige – wohl ungewollte –  Anstöße gegeben.

Die relativ lebendige öffentliche Auseinandersetzung um Corona in Deutschland und möglicherweise auch in anderen europäischen Ländern ist in meinen Augen ein Positivum. Sie hat manche Fehlentwicklungen bisher anscheinend gebremst. Die Auseinandersetzungen werden in den nächsten Monate und Jahren allerdings weitergehen und an Schärfe möglicherweise erheblich zunehmen; dabei gilt es, mehr Verständnis für die übergeordneten politischen und gesellschaftlichen Fragen zu entwickeln. Glückauf!

 

 


 

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Ich verspreche jede sachlich irgendwie relevante Zuschrift dann im Anhang zu dem betr. Beitrag zu veröffentlichen, auch wenn sie mit meinen Ansichten garnicht übereinstimmen kann.

 

 

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„Chemnitz – Chrystal-Meth-Hauptstadt Europas“

 

Ein Auszug aus einem geplanten Buch der Soziologin Yana Milev beleuchtet am Beispiel schwerer sozialer Verfallserscheinungen in der Stadt Chemnitz und generell in den Neuen Bundesländern bestimmte katastrophale Folgen der Politik der Bundesrepublik Deutschland gegenüber der seit 1990 angegliederten früheren DDR. Insbesondere der räuberkapitalistische Kahlschlag durch die Treuhand, der die industrielle Basis fast völlig zerstört hat und bis heute für mangelndes Angebot an halbwegs anständigen Arbeitsplätzen in großen Teilen des Ostens  verantwortlich ist, wird in Milevs Beitrag mit deutlichen Worten „gewürdigt“.

Die hier angesprochene tiefe Enttäuschung der früheren DDR-Bürger durch das bundesrepublikanische System ist  in den letzten Jahren bereits hin und wieder öffentlich behandelt worden-  bei weitem aber nicht ausreichend. Man sorgte sich vor allem um die zerbröckelnde Bereitschaft der Wähler, ihre Stimmen noch immer den Parteien (CDU, SPD usf.) zu geben, die für die Misere verantwortlich sind, und stattdessen  irgendwelchen populistischen Bauernfängern Mandate zu verschaffen. Weder aber sind mittlerweile genügend Initiativen zur Verbesserung des ökonomischem und sozialpolitischen Feldes feststellbar noch ausreichende Vermittlung des gesamten Problemkomplexes an die allgemeine deutsche Öffentlichkeit durch die Medien.

Die „Berliner Zeitung“ ist ein – relativ neues – Zeitungsunternehmen, das, soweit ich das bisher verfolgt habe, gelegentlich aus dem mainstream von Selbstgerechtigkeit und Seichtheit der führenden Blätter ausschert und insofern, z.B. indem es solche Artikel bringt, beachtet, gelesen und unterstützt werden sollte.

Gegenwärtig werden die sozialen Verfallserscheinungen in den USA medial ausgiebig beleuchtet. Das ist berechtigt und in gewissem Sinn aufklärend, indem nun auch am Beispiel der Führungsmacht selbst deutlich wird, welcher gesellschaftlicher Zerstörungen ein Kapitalismus fähig ist, der sich seit dem Ende der Sowjetunion und dem Kapitalistisch-Werden Chinas, etwa seit 1990, für den  unanfechtbaren Chef hielt. Das hat sich inzwischen allerdings geändert, bspw. wird die Chefposition mittlerweile von einer anderen, gleichfalls kapitalistischen Macht beansprucht, die allerdings in ganz andersartigen geschichtlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen am Entstehen ist. Auch Europa ist nun gezwungen, sich von den USA in vieler Hinsicht abzusetzen und zwischen den beiden Hegemonie-Aspiranten einen eigenen Weg zu suchen.

In diesem Ablösungsprozess kommt es nun zwangsläufig zu einer Flut kritischer  Beleuchtungen der  inneren Verhältnisse der USA und ihrer internationalen Politik.

Wenn es dabei um massenweisen Drogenkonsum, soziale Abgehängtheit vieler Bürger, hohe Selbstmordraten und sinkende Lebenserwartung geht, muss man den Medien allerdings dringend empfehlen, auch einmal in die deutsche Gesellschaft von heute hineinzuleuchten, insbesondere auch in die spezifische Problematik des Ostens. Dabei dürften erschreckende Parallelen sichtbar werden.

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Stuttgart

Ich habe nur wenige journalistische Produkte zu den Ereignissen bisher zur Kenntnis genommen, aber sie reichen aus, Fragen nach allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen anzuregen.

Man muss wohl über die vordergründigen Hintergründe etwas hinausgehen, die medial behandelt werden – etwa Fragen nach der anscheinend ziemlich „toleranten“ Haltung der Stuttgarter Verwaltung und des Landes Baden-Württemberg zur langjährigen Entwicklung einer drogen- und alkoholgetränkten, schon seit längerem ständig ins Kriminelle hinüberspielenden sog. Partyszene in der Hauptstadt. Die Tatsache, dass dergleichen sich unter den Augen und der Verantwortung von Politikern der „Grünen“ (Stadt Stuttgart und Land) so massiv hat entwickeln können, gibt natürlich bestimmten Kritikern einen Schub, die die eigenartige Offenheit dieser Partei gegenüber Rauschmitteln schon länger beobachten – einer Partei, die gleichzeitig dem württembergischen behäbigen, relativ reichen Spießer anscheinend so lieb ist.

Aber es würde ablenken, jetzt diese spezielle Verbindung zu betonen.

Eine viel wichtigere Frage könnte etwa so formuliert werden: was ist das für eine Gesellschaft, die seit langem immer mehr mob hervorbringt? Mob, dem es nicht mehr genügt, bloß  bekifft und besoffen herumzuhängen, was längst schon Massen zu tun pflegen, sondern der besonderes Vergnügen und eine Steigerung seines Lebensgefühls an solchen Akten zu finden scheint, wie sie jetzt aus Stuttgart berichtet werden, an Aggressionen gegen alles Mögliche, gegen seinesgleichen eingeschlossen? Mob, wie er sich im Umfeld der Fußballspektakel zusammenfindet und zu Schlägereien organisiert? Mob, der sich – in kleineren Teilen – einen Spaß daraus macht, den Nazi zu spielen und mit politisch provokanter Kriminalität die beflissene Aufmerksamkeit des Medienapparats zu erwirken?

Man kann derartige Fragen nicht angehen, indem man bloß nach der Verantwortung dieser oder jener Partei, dieser oder jener Regierung, dieses oder jenes Polizeipräsidenten fragt. Die Frage geht nach dem Gesellschaftssystem, das sich dergleichen leistet. Man muss auch fragen, ob es sich das bloß leistet, etwa weil man eben nicht jede negative marginale Entwicklung kontrollieren könne, oder ob es nicht durch seine eigenen Strukturen in solche Richtungen tendiert. Ein Gesellschaftssystem, in dem viel zu viel an dümmstem kapitalistischem Egoismus sich durchsetzen kann und medial regelrecht propagiert wird, in dem billigstes asoziales „Vergnügen“ a la Ballermann als Krönung vitaler Aktivität verkauft wird, in dem die Information, die Bildung und die soziale Erziehung der Jugend zur lästigen Nebensache verkommt.

Sind solche Charakterisierungen etwa weit hergeholt oder übertrieben?

In der Geschichte finden sich längst mehrere Beispiele dafür, wie reiche Oberschichten ihre Herrschaft zeitweise – und zeitweise durchaus erfolgreich – auf die Existenz eines umfangreichen mobs gegründet haben, den sie gegen demokratische und reformerische oder revolutionäre Bestrebungen ausspielen konnten. Frankreich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde von 1851 bis 1870 von einem Abenteurer und Schwindler namens Napoleon III. regiert, der sich einerseits auf militärische Gewalt und alle möglichen etablierten Reaktionäre, andererseits auf politisch und moralisch orientierungslose Unterschichten, eben einen mob stützte, den er mit kleinen Sozialbonbons und gigantischen shows an sich binden konnte. Die deutschen Nazifaschisten verfuhren ähnlich gegenüber Demokratie und sozialem Fortschritt in Deutschland. Beide waren fundamental orientiert auf koloniale Eroberungen.

Verschiedene Erscheinungen des sozialen und politischen Verfalls in den heutigen USA lassen sich ähnlich deuten. Wenn ein Trump nach oben kommen kann, dann ist das nicht nur der Unterstützung aus Teilen der Milliardärsschichten zu verdanken, sondern auch der Tatsache, dass erhebliche Teile der Bevölkerung politisch völlig unterbelichtet und/oder aus sozialer Bedrängnis heraus durch billige shows verführbar geworden sind. [i]

Solche gesellschaftlichen Verrottungstendenzen sind auch in  unserem Land anscheinend mächtiger als bisher eingestanden. „Stuttgart“ ist mittlerweile weder besonders einzigartig noch besonders überraschend. Entsetzt und überrascht zeigen sich jetzt gerade solche Politiker und medialen Größen, die die negativen sozialen Entwicklungen bisher haben laufen lassen, in Kauf genommen oder sogar direkt mit angespitzt haben, wie die Vertreter des „Rechts auf Rausch“ – aber keinesfalls nur diese, sondern die vielen, die kapitalistischer Asozialität keinen oder zu wenig Widerstand entgegensetzen bzw. sich selbst munter darin betätigen.

[i] Damit will ich, wohlgemerkt, nicht sagen, dass die politischen Rivalen Trumps mehr demokratische Qualitäten hätten, und auch nicht, dass Trumps bisherige Abneigung gegen neue Kriege schlecht wäre.


 

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