Anhang zu „Ein paar Bemerkungen..“: merkwürdige Persönlichkeiten auf exponierten Positionen, Trump und Hegseth

Das US-amerikanische Imperium, oder anders ausgedrückt: die globale Macht von US-Finanz, US-Erdölökonomie, US-Militär, US-Geheimdiensten und kulturellen Einflüssen („soft power“)  ist noch nicht am Ende.

Aber das Imperium  zeigt auch Symptome von politischer Schwäche und intellektuellem Verfall in führenden Kreisen.

Dass ein Trump nun schon zum zweiten Mal zum Präsidenten gemacht wurde, ist mE ein derartiges Symptom.

Diese Person hat eine lange Vorvergangenheit als Fernsehunterhalter („The Apprentice“) und diese, wenn man so will, Mache scheint sich nun in der unstetigen und willkürlichen Art fortzusetzen, in der sie politisch zu überleben versucht: sie setzt auf immer neue Überraschungen eines – ziemlich vergesslichen – Publikums, das billig unterhalten werden will und den Fernsehkanal möglichst nicht abschalten soll.

Den Kanal ‚Trump als Präsident‘ abzuschalten hätte es mittlerweile reichlich Gründe gehabt (allerdings nicht die Macht): die Ökonomie in den USA ist für die meisten Bürger mies, die Verwicklungen Trumps mit den Missbrauchs- und Spionage-Netzwerken eines Epstein lassen sich nicht mehr abstreiten; die brutalen Aktionen der Anti-Immigranten-Polizei und – in meinen Augen besonders eklatant und gravierend – das Nichtzustandekommen fast jeglichen internationalen „deals“ – alles Symptome von Unfähigkeit und Unzuverlässigkeit.

Der Ukrainekrieg, dessen Beendigung Trump ‚innerhalb von Wochen nach Amtsantritt‘ angekündigt hatte, geht nun schon mehr als ein Jahr darüber hinaus, von einem großen deal mit Russland ist wenig zu spüren – sonst würde Russland wohl kaum dem Iran die Positionen von US-Kriegsschiffen melden; Gaza ist weiterhin der Willkür Israels ausgesetzt…. und aktuell wird ein Krieg in Szene gesetzt, der nach Ansicht mancher Beobachter durchaus dazu führen kann, dass die USA und Israel in fast wörtlichem Sinne ihr Pulver verschossen haben werden ohne relevante politische Ergebnisse erzielt zu haben. Vielleicht sollen diese sogar nicht einmal wirklich angestrebt werden, sondern die Durchschüttelung der ökonomischen Strukturen anderer Länder im Interesse der Disruptoren in den USA ist die eigentliche Absicht.

Der US-Kriegsminister Hegseth scheint besondere Fähigkeiten zu entwickeln, seine Aufgaben eigenwillig zu interpretieren. Verschiedenen Berichten zufolge (s. z.B. oder) hat Hegseth Offiziere angewiesen, den Krieg gegen den Iran als großen Schritt zur Herbeiführung des „Armageddon“ zu verstehen und entsprechend zu handeln.

Mit dem Wort „Armageddon“ verbinden Evangelikale in den USA und anderswo eine Vorstellung, dass das „Jüngste Gericht“ (mit-) herbeizuführen religiöse Pflicht sei. Erst wenn „Israel“ sich gegen alle seine Feinde durchgesetzt haben würde, komme Jesus zurück und richte endlich alle, daher sei die Unterstützung „Israels“ und die Vernichtung seiner Feinde unbedingtes Gebot.

In meinen Augen ist es ein deutliches Symptom von Realitätsverlust in Führungskreisen des US-Imperiums, wenn eine Person wie Hegseth, der einen solchen doch sehr speziellen Mythos wie den von Armageddon anscheinend wirklich glaubt, ein nicht ganz unwichtiges Amt wie das Kriegsministerium übertragen bekommt. Den relativ milden Ausdruck „Realitätsverlust“ gebrauche ich hier bewusst, weil ich mir ungern polizeiliche Maßnahmen einhandeln würde etwa der Art, ich hätte eine wichtige politische Amtsperson als „Idioten“, „gefährlichen religiösen Fanatiker“ o.ä. bezeichnet. Nein, das tu ich nicht.

Aber wenn solche Persönlichkeiten wie Trump oder Hegseth vom „tiefen Staat“ der USA mit Führungspositionen betraut werden, dann scheint mir dieser Staat seine eigene Dysfunktionalität voranzutreiben, eine Dysfunktionalität, die nicht nur im Sinne der Mehrheit der Bevölkerung zu konstatieren ist, deren Leben sich weiter verdunkelt, sondern auch im Sinne des US-Imperialismus selber, der sich anschickt, in der Rivalität mit China immer öfter den Kürzeren zu ziehen.

Diese Zeilen sind nicht als Vorhersage zu verstehen etwa der Art, dass den USA demnächst schwere Verluste und Blamagen bevorstehen. Diese können auch durch taktische Erfolge in der globalen Politik und durch den Austausch besonders unfähiger Amtspersonen durch bessere verschoben oder überdeckt werden. Nicht zuletzt spielt es mE eine Rolle, dass der Rivale China derzeit (noch) nicht darauf aus zu sein scheint, den USA allzu große Blamagen zuzumuten – aus einer ganzen Reihe von Gründen, die ich hier nicht behandeln kann.

Das chinesische System ist ebenfalls nicht krisenfest. Und: das globale System ist fast so unberechenbar wie das Wetter oder erst recht das Klima.

Wir werden sehen.

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