Zeiten des Mangels und des menschlichen Reichtums

Vorbemerkung:

Dies ist eine durch Vorschläge eines Freundes und gemeinsame Überarbeitung deutlich bereicherte Fassung meines Beitrags “Zeiten des Mangels” v. 12.7.22. Ich nehme die erste Fassung vom Netz.

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Die Regierung Deutschlands kündigt Jahre der ökonomischen Einschränkungen und sozialen Härten an.

Viele verstehen das wohl bisher als Ankündigung von Bemühungen, den Kern der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und des sozialen Zusammenhalts zu retten, bis es wieder aufwärts gehe.

In unserer Sicht ist Anderes im Gang, nämlich der grundsätzliche Abschied von einer Gesellschaft, die soziale Sicherung, einen gewissen Wohlstand, die Enthebung von ständigen Existenzsorgen versprochen und dies teilweise auch realisiert hat – zumindest für eine relativ große Mehrheit der Mitbürger. Die im Entstehen befindliche Gesellschaft bringt Vielen ständige Mangelerscheinungen, direkte Not und Verfall der elementaren Existenzgrundlagen, bei noch extremerer Bereicherung kleiner Oberschichten.

Diese Entwicklung wird uns nicht von äußeren Mächten aufgezwungen wie etwa von Russland durch den Krieg in der Ukraine und weitere Zuspitzungen, mit denen zu rechnen ist. Sie ist vielmehr Teil radikaler gesellschaftlicher Umgestaltungen, die uns von dem eigenen System zugedacht sind, dem sog. „demokratischen Westen“ unter Führung der US-Eliten. Das Treiben der anderen, weltweit rivalisierenden Ausbeutergesellschaften wie China und Russland ist hier höchst willkommen zur Verdeckung oder Rechtfertigung der eigenen Strategie. Denn darin sind alle Herrschaftssysteme gleich: Der eigene Zerstörungswille wird geleugnet; stattdessen wird von der jeweiligen Bevölkerung verlangt, dass selbst die größten Härten von Krieg, Isolation und Massensterben akzeptiert werden müssten, weil sie letztlich doch nur Abwehrreaktion auf äußere Bedrohungen seien. Im Westen heißt es: Zur Bewahrung der Kerne von Demokratie und Wohlstand seien sie unumgänglich – diesen Blickwinkel versuchen sie mit Hilfe aller großen Medien in der Wahrnehmung durch die Bevölkerung zu verankern.

In der Strategie des „Great Reset“, wie sie in dem Buch „Covid19 – Der große Umbruch“ von Klaus Schwab und Thierry Malleret (2020) vorgestellt wird, wird die wirtschaftliche Enteignung der großen Mehrheit angekündigt. Sie erscheint dort unumgänglich zur vermeintlichen Rettung der Menschheit vor Pandemien, Klima- und Umweltkrise.

Das Hindrängen der westlichen großkapitalistischen Kräfte unter der Führung der USA zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem globalen Rivalen China, der Macht hinter Russland, wird in der Vorgeschichte des Ukrainekriegs seit dem „Maidan“ (2014) deutlich. Jede Regung europäischer Selbständigkeit, wie sie teilweise von Schröder und Merkel vertreten wurde, wurde behindert und wird jetzt vollständig blockiert. Diplomatische Lösungen waren und sind unerwünscht.

Man muss die Bestrebungen der westlichen und östlichen Eliten ernst nehmen, uns, der Bevölkerung, ein System der digitalen Kontrollen, Entmündigungen, Belohnungen und Strafen Schritt für Schritt überzustülpen, wie es das chinesischen „social credit system“ als Vorreiter praktiziert.

Die Macht des „Westens“ zeigt sich in der US-Finanzaristokratie a la Blackrock, politisch-geheimdienstlich in den digitalen Datensammelwut- und Lenkungskonzernen a la Google. Sie wird einen erheblichen Teil nicht nur der amerikanischen, sondern auch der europäischen Bevölkerung in existentielle Not bringen. Erwünscht sind der Wegfall vieler Millionen „unnützer Esser” und die Abhängigkeit derer, die noch leben dürfen, von staatlichen Zuwendungen, die nur bei Unterwerfung unter permanenten digitalen Gehorsamsdrill noch gewährt werden. Die Prinzipien „Teile und Herrsche“ sowie „Zuckerbrot und Peitsche“ waren, seit es Eliten gibt, ihr Mittel zur Sicherung der Herrschaft. Jetzt leben die Akteure des Weltwirtschaftsforums und analog auch die chinesische Führung in der Wunschvorstellung, dass sie mit den neuen technologischen Möglichkeiten die totale Kontrolle über die Menschheit herstellen können.

Doch dabei wird ihnen eine grundlegende Eigenschaft des Menschen im Wege stehen: Das Empfinden der Würde, das in jedem Menschen tief verankert ist und das Bedürfnis nach Selbstschutz und Verbundenheit beinhaltet. Auch in den Herrschenden selbst ist ihre unersättliche Gier nach Macht und Geld, der totale Egoismus, nur der Reflex auf den unerträglichen Mangel an Liebe und Gemeinschaft, aus dem diese Rücksichtslosigkeiten überhaupt erklärbar sind. Diese tiefe Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben wird beispielsweise bei den sexuellen Eskapaden als Ersatzbefriedigung deutlich. Nicht zufällig hatte Epstein sog. Persönlichkeiten aus den obersten Schichten immer wieder junge Mädchen zugeführt. Er musste sterben, als dieses Netzwerk aufflog.

Die historische Steigerung von Ausbeutung, Mord und „Transhumanismus“, mit der wir aktuell konfrontiert sind, beinhaltet das intensive Bemühen der Elite, die Verbundenheit unter den Menschen zu unterbinden. Aber es bringt zugleich die Entwicklung hervor, dass die lebensnotwendige Verbundenheit immer mehr Menschen bewusst wird. Dass alles miteinander verbunden ist und Mensch, Erde und Natur nur in guter Verbindung gemeinsam lebensfähig sind, das können diese extremen Egoisten nicht unterdrücken. Immer mehr Menschen distanzieren sich von den bedrohlichen Strukturen der unbedingten Bereicherung der Milliardäre, von den Strukturen der Spaltung der Gesellschaft durch individuelle Konkurrenz und durch globale Rivalitäten und von den Strategien der gewaltsamen Ausmerzung der Widersprechenden.

Das Bewusstwerden der Verbundenheit in Zeiten des Mangels bringt neue Formen des Zusammenhalts und der selbständigen Existenzsicherung hervor. Menschen, zunächst nur in kleinen Gruppen, versuchen sich unabhängiger zu machen und die Fähigkeiten zur Kooperation zu entfalten. Wir besinnen uns immer mehr auf die elementare Kraft der menschlichen Verbundenheit, die unsere eigentliche Existenzgrundlage ist und die uns unbegrenzte Energie zur Verfügung stellt. Wir entwickeln entsprechende praktische Formen der Existenzsicherung auf der Grundlage des persönlichen, des lokalen, des nationalen, des globalen humanen Miteinanders. Glückauf!

 

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Warum ist derzeit auf diesem blog so wenig los?

Den Lesern meines blogs, die gelegentlich nach neuen Kommentaren schauen, bin ich eine Erklärung schuldig für die starke Abnahme aktueller Beiträge in der letzten Zeit und auch für die Prognose, dass es so bald sich wahrscheinlich nicht ändern wird.

Der Hauptgrund liegt in der umfangreichen Teilnahme meiner Person an kollektiven politischen Aktivitäten, wie sie sich seit Anfang 2021 entwickelt hat, zunächst an Aktivitäten der „Freien Linken“, dann der Partei „dieBasis“ und nun zunehmend am „Offenen Roten Kreis“.

Diese Namen bezeichnen recht unterschiedliche Grundvorstellungen über Politik; man muss fragen, wie sie überhaupt kompatibel sein sollen und können. Wer sich für diese Frage interessiert, findet in den öffentlichen Selbstdarstellungen der Genannten Einiges. Ich möchte aufgrund meiner Erfahrungen hier nur so viel sagen:

a) die „Freie Linke“ hat es bisher nicht geschafft, sich als aktive politische Organisation mit einem modernen linken Programm zusammenzufinden und den Widerstreit der sehr diversen politischen Traditionen, die den meisten Teilnehmern dieses Projekts anhaften – wie Anarchismus, Friedensbewegung, „Traditions-Marxismus“ (was ist das überhaupt?) u.v.a.m. – produktiv zu überwinden. Das Projekt stagniert.

b) die Partei „dieBasis-Basisdemokratische Partei Deutschland“ ist bis jetzt alles andere als eine Partei. Sie hat weder ein Programm noch eine Führung, welche politische Maßstäbe setzen würde. Ihre Stärke liegt bisher im großen Engagement vieler Mitglieder und lokaler/regionaler Strukturen, die namentlich durch die Kritik an der offiziellen Corona-Politik zusammengekommen und bisher vor allem damit an die Öffentlichkeit gegangen sind; auf welche gesellschaftlichen Veränderungen aber hingearbeitet werden soll, dazu gibt es die buntesten Vorstellungen und Emotionen und noch kaum Ansätze, diese Frage überhaupt zu klären. Diese Partei umfasst rechte und linke, esoterische, hippiemäßige und auch kooperative Stimmungen und alles Mögliche daneben auch noch; viele Mitglieder sind persönlich zuvor nicht politisch aktiv gewesen. Ein nicht unsympathischer Querschnitt unserer Gesellschaft, der in der nächsten Zeit allerdings erst Orientierung und engeren Zusammenhalt finden muss, um sich nicht aufzulösen.

c) Der Offene Rote Kreis. Diesen Ansatz möchte ich hier nicht kommentieren, denn man kann sich anhand seiner website selber ein authentisches Bild verschaffen. Die Verankerung allen gemeinschaftlichen und öffentlichen Tuns in der elementaren menschlichen Verbundenheit, im Aufeinander-Angewiesensein Aller ist mE grundsätzlich richtig und hat nach meiner Auffassung auch tiefe Beziehungen zum linken Verständnis von Gesellschaftlichkeit, Kooperation und Überwindung der Klassenspaltungen, weniger zum traditionellen Prinzip des Klassenkampfs zwischen Proletariat und Bourgeoisie.

 

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Die Ukraine und Europa

Der Krieg in der Ukraine empört und beunruhigt zahlreiche Menschen vor allem in Europa und auch in Russland selber. Der Angriff seitens der Putin-Clique ist durch nichts zu rechtfertigen. Niemandem darf freilich auch gestattet werden außeracht zu lassen, wie Krieg, Faschismus und Zerrüttung der Ukraine durch die USA und die Garden ihrer politischen Handlanger in Europa ständig angestachelt wurden, seit mindestens acht Jahren, dem „Maidan“ und der Annexion der Krim.

Die Ukraine ist ein europäisches Land. Es ist allein Sache der Bevölkerung der Ukraine zu entscheiden, welche Wege zu einer inneren Konsolidierung sie gehen will. Vor allem die USA haben dort absolut nichts verloren, aber ebenso wenig das russische Regime, das innerlich eine vergangsterte Diktatur von Milliardären ist, die zwar schwächer ist, sich aber im Prinzip wenig von den USA unterscheidet und gleichfalls zu räuberischen Expansionen neigt.

Die europäischen Staaten haben die Aufgabe, der Ukraine bei der Abschüttelung der Übergriffigkeiten dieser beiden Mächte massiv Hilfe anzubieten und vor allem die Aufgabe, dieses Land und damit sich selber als Europa dagegen zu schützen, dass es immer weiter zur Arena geopolitischer Machtkämpfe zwischen den USA und Russland wird. Diese Machtkämpfe sind letztlich Teil der Auseinandersetzung zwischen den USA und China, den beiden wirklichen Großmächten, die um die Kontrolle über den gesamten eurasischen Doppelkontinent ringen.

Gegenwärtig ziehen die Medien und die meisten Politiker in Deutschland und im Westen eine widerwärtige und gefährliche Propagandashow ab, als lasse die Putinsche Aggression der Ukraine und dem gesamten Europa keine Wahl, als sich unter einen vermeintlichen militärischen Schirm der USA zu flüchten und mit Waffenlieferungen deren Agenda in der Ukraine mitzuspielen. Das Gegenteil ist angebracht: klare Kante auch gegenüber den USA zeigen, jede Beteiligung an weiteren Kriegshandlungen in der Ukraine absagen und verurteilen und der Ukraine jede Hilfe bei einem zivilen Neuaufbau zusagen, auch und gerade dann, wenn sie zukünftig einen außenpolitisch neutralen Status ohne Mitgliedschaft in der EU anstreben würde. Nicht die Ukraine allein, ganz Europa droht in der gegenwärtigen Konstellation zerstört zu werden durch ein Machtspiel zwischen den USA und Russland. Es fungiert den Tatsachen nach gleichzeitig auch als perverses Zusammenspiel zum Ruin Europas.

Die gegenwärtige Entwicklung demütigt die europäischen Länder und gefährdet direkt Europa als ein geschichtliches, politisches, kulturelles und eigentlich zukunftsfähiges Gebilde. Es gab immerhin eine Zeitlang politische Ansätze, die Spannungen in der Ukrainefrage durch Verständigung zwischen den Regierungen der Ukraine, Russlands, Frankreichs und Deutschlands zu mildern und gemeinsam nach Lösungen für die zukünftige Entwicklung zu suchen. So war z.B. die Rede von einem Minsk-Abkommen, von einem Normandie-Format. Das alles wird heute von denjenigen verspottet, die es vorziehen, an der Seite der USA durch Krieg und Aufhetzung der verschiedenen Bevölkerungen gegeneinander ihre verbrecherischen Profite zu vergrößern, aber sie triumphieren zu früh.

Der Krieg in der Ukraine wird in den Völkern Europas das Gespür vermehren, dass sie zusammengehören, sich gegenseitig unterstützen und alle Übergriffe von außen zurückweisen sollten.

Zu einer derartigen Entwicklung gehört unbedingt auch die Loslösung von der militärischen Vormacht der USA in Europa. Solange diese noch besteht, bleibt Europa erpressbar durch äußere Mächte, die USA selber natürlich an erster Stelle, aber auch durch andere wie Russland, durch ein Bündnis Russland/China oder durch andere Konstellationen, die Europa der verbrecherischen Anbindung an die USA anklagen und es haftbar machen können. Solange Europa sich selber nicht verteidigen kann und, namentlich durch die NATO, mit den USA, ihrer weltweiten Ausbeutung und ihren Aggressionen verkoppelt ist, wird es erpressbar bleiben und werden seine politischen Führungen weiter degenerieren.

Eine Loslösung aus dieser Abhängigkeit wird die globalen Ausbeutungsstrukturen zwar nicht beseitigen, von denen die Eliten, die Europa regieren, nicht anders profitieren als die der USA, Russlands und tendenziell auch Chinas, aber sie würde günstigere Voraussetzungen schaffen, diese Strukturen von innen her und auch von der Seite der ausgebeuteten Mehrheit der Weltbevölkerung her in Frage zu stellen.
Ermahnungen zur Einhaltung eines sog. Völkerrechts gehen an der Realität vollkommen vorbei, schon einmal weil die Paragrafen des Völkerrechts niemals eine reale Macht hinter sich hatten, die es gegenüber den militärisch und ökonomisch wirklich Mächtigen hätte durchsetzen können.

Anmerkung: die hier ansgesprochenen Aspekte des Ukraine-Krieges ergänzen, was ich zuvor über dessen Zusammenhang mit dem “Great Reset”, der Restrukturierung des westlichen, insbesondere des europäischen und vor allem des deutschen, durch die zentralen player der USA  wie die Datenkraken, die Finanzkonglomerate und Big Pharma gechrieben hatte.


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Der russische Einmarsch in die Ukraine – unmittelbare und längerfristige Perspektiven

Offenbar versucht Russland die Ukraine unter Kontrolle zu bringen; die militärischen Positionen des ukrainischen Regimes im Lande werden angegriffen und fallen anscheinend rasch, unfähig zu effektivem Widerstand. Die NATO will militärisch nicht eingreifen und beschränkt sich auf Verstärkungen in ihren östlichen Mitgliedstaaten wie Polen und dem Baltikum.

Russland wird dank seiner militärischen Überlegenheit und wahrscheinlich auch dank der Unpopularität des Selensky-Regimes in großen Teilen der Ukraine selbst die militärische Kontrolle über das Territorium erlangen. Möglicherweise gelingt das im Westen der Ukraine nicht so leicht, aber das ist politisch zunächst einmal sekundär.

Was aber sind die globalen politischen Folgen der Invasion?

Putin hat wesentliche Wünsche der USA befriedigt: er hat deren Kontrolle über ihre Verbündeten namentlich in Europa verstärkt und in der Ukraine dem US- Einfluss faktisch noch mehr Grundlagen verschafft als der bisher hatte. Politisch und kulturell wird der Einfluss der USA in einer prorussisch regierten Ukraine – jedenfalls untergründig – wachsen und nicht abnehmen und eine Grundlage für ein späteres rollback sein.

Derzeit gibt sich die US-dominierte Propaganda in Europa, schäum-wut-röchel, eher als Eingeständnis einer Niederlage angesichts eines ‚noch böser als erwartet‘ agierenden Putin. Doch manches weist darauf hin, dass US-Strategen ihn jetzt eher da haben, wo sie ihn haben wollen.

Man vergegenwärtige sich Folgendes:

Die politische und mediale Polarisierung innerhalb Europas zwischen einem „freien“ europäischen Westen und einem “diktatorisch regierten“ Osten tobt und wird ausgebaut. Belarus, die Ukraine, Russland selbst, das wesentlich ebenfalls Teil Europas ist, werden ausgegrenzt. Staaten wie Deutschland, deren Wirtschaft hochgradig abhängig ist von den Lieferungen von und nach Russland, überhaupt von normalen Beziehungen zu Russland, kommen unter weiteren Druck, sich den USA unterzuordnen. Ihre Wirtschaft droht teilweise regelrecht abzustürzen, was sie zu weiteren Unterwürfigkeitsmanövern zwingt; sie müssen den US-imperialistischen Great Reset nun noch konsequenter befolgen, d.h. sich dem US- Datenfaschismus und der Liquidierung ihrer eigenständigen, hauptsächlich mittelständischen Unternehmen fügen.

Und was bedeutet der russische Vorstoß für Russland selbst? Vielleicht einen augenblicklichen Erfolg, längerfristig jedoch eine erhebliche Schwächung der eigenen Positionen, in Russland selber und international.

Dazu ein paar Hinweise:

Der russische Angriff steht unter Parolen wie „Entnazifizierung der Ukraine“ „Sturz der Banderisten“ u.ä. Was soll das bedeuten?

Hier ist ein historischer Rückblick erforderlich.

Die derzeitige russische Propaganda bezieht sich hier auf Konflikte, die die frühere Sowjetunion vor allem in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts und während des Zweiten Weltkriegs mit politischen Kräften und erheblichen Teilen der Bevölkerung des als Ukraine bezeichneten Bereichs hatte. Einen Staat „Ukraine“ hatte es zuvor nicht gegeben, sondern es handelte sich um ein Gebiet, das seit Jahrhunderten noch immer innerlich keine übergreifenden Sozialstrukturen, kein gesamtstaatliches Bewusstsein entwickelt und verschiedene wechselnde äußere Mächte als Oberherren von Teilen des Territoriums gesehen hatte, das osmanische Reich, das vereinigte Königreich Polen-Litauen, den russischen Zaren, die Habsburgermonarchie.

Die Eingliederung des Territoriums als „Staat Ukraine“ in die in den 20er Jahren entstehende Sowjetunion war keineswegs überall populär. Die Zwangsmethoden der ab etwa 1929 einsetzenden landwirtschaftlichen Kollektivierung mit ihren Konsequenzen wie Hungersnot und Massensterben haben dann die Abneigungen gegenüber einer russischen Dominanz enorm verstärkt. Es kam zu organisiertem Widerstand, der zumindest teilweise, bspw. unter der Führung eines gewissen Stefan Bandera, extrem antidemokratisch, auch antisemitisch, und antisozialistisch operierte und sich in die Nazistrategie der Niederwerfung der Sowjetunion einfügte. Der Nazieinmarsch 1941 soll dann in der Ukraine von Teilen der Bevölkerung tatsächlich als Befreiung begrüßt worden sein – eine Selbsttäuschung, die Nazideutschland allerdings sehr bald selber mit seinem extrem brutalen Besatzerregime beendete.

Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg muss sich die Sowjetunion dann in der Ukraine zumindest teilweise eine positive Reputation erworben haben durch die rasche Entwicklung von moderner Industrie, Bildung und Wissenschaft, doch scheint sie im Osten der Ukraine damit erfolgreicher gewesen zu sein als im Westen, auch aufgrund kultureller und sprachlicher Unterschiede.

Im industriell sich entwickelnden Osten, wo die russische Sprache und Kirche dominierten, ist man bis heute anscheinend eher Russland-affin, während viele im Nordwesten, der lange zu Polen bzw. später dem Habsburgerreich gehört hatte und stärker römisch-katholisch geprägt ist, eine russische Dominanz wohl bis heute stärker ablehnen als in der Mitte und erst recht im Osten der Ukraine .

Unter dem jetzt gerade zusammenbrechenden, seit etwa 2014 und dem sog. Maidan etablierten ukrainischen Regime war es in der Ukraine unter maßgeblichem US-Einfluss zur Wiederbelebung von Tendenzen gekommen, die an die frühere, mit Namen wie Bandera gekennzeichnete reaktionäre und tatsächlich wohl faschistoide Opposition gegen Russland anknüpfen und die Ukraine nach US-Wünschen zum militärischen Aufmarschgebiet gegen Russland ausbauen wollen.

Es existiert in dieser Frage allerdings ein sehr deutlicher Dissens zwischen den europäischen Staaten Deutschland und Frankreich einer-, den USA andererseits. Er hat sich u.a. in dem sog. Minsk-Format ausgedrückt, einer diplomatischen Formel für eine mit Russland gemeinsame Suche nach einem Kompromiss in der Ukrainefrage. Triumphierend tönen nun diejenigen Medien, die die EU noch stärker in die US-imperialistischen Zusammenhänge zwingen wollen, dass mit dem russischen Einmarsch „Minsk“ ja wohl nun endgültig gestorben sei.

Doch alle bisherigen Widersprüche bleiben.

Weder wird Russland mit dem Sturz des Regimes in der Ukraine und der Errichtung eines eigenen Marionettenregimes die Ukraine befrieden können, noch können die westlichen Europäer mit der demütigenden Verstärkung ihrer Abhängigkeit vom US-Imperialismus und der Abschneidung ihrer Ostverbindungen sich arrangieren.

Russland wird, wenn es tatsächlich nun darangeht, die Ukraine zu „entnazifizieren“, d.h. die „Banderisten“ und andere Kräfte auszuschalten, die gegen eine russische Oberhoheit sind, auf große Schwierigkeiten stoßen. Afghanistan lässt grüßen. Zur Erinnerung: Die bereits im Abstieg begriffene Sowjetunion hat sich mit dem Einmarsch in Afghanistan 1979 und der schließlichen Niederlage (1989) gegen die Mudjaheddin und deren US-Sponsoren selber die finale Delegitimation und die bald (1991) erfolgte Auflösung wesentlich selber eingehandelt.

Die heutigen inneren russischen Verhältnisse werden sich ebenfalls noch weniger konsolidieren, denn dort sind viele Menschen sowohl gegen russische imperiale Ansprüche wie auch gegen die Oligarchenherrschaft im Innern, welche letztlich von Putin repräsentiert wird. Schließlich muss die Aktion in der Ukraine Russland noch stärker in Abhängigkeit von China bringen, welches selber langfristig die eigene Oberherrschaft über den eurasischen Raum anstrebt und dabei eine russische Eigenständigkeit nicht prinzipiell akzeptieren wird.

Kleine Nachbemerkung: Russen und Amerikaner (genauer gesagt, die jeweiligen Machthaber) haben bereits eine lange gemeinsame Tradition der Aufteilung von Ländern, Staaten und Territorien, die ihnen nicht gehören, in ihre jeweiligen Machtbereiche. Deutschland, Korea, das frühere Jugoslawien, Syrien etc. sind Beispiele. Möglicherweise kommt dieses Schema nun erneut zur Anwendung. Es vermag aber die Widersprüche zwischen diesen „Großmächten“ nicht aus der Welt zu schaffen – nur phasenweise kann es sie einfrieren – und es erzeugt neue Widersprüche.

 

Ergänzung: lesenswerte Stellungnahme des Diplomaten Michael v.d. Schulenburg v.11.02.22

Ergänzung Nr. 2: Kai Ehlers schreibt am 24.2. u.a.;

“Anders gesagt, die Ukraine wird immer noch gebraucht, um die Russen klein- und die Europäer botmäßig zu halten. Die Ukraine spielt dabei keine Rolle, schon gar nicht ihre ohnehin darbende Bevölkerung, wie laut auch gegenwärtig ins Horn einer Solidarität mit der Ukraine gestoßen werden mag.

Für die Europäer stellt sich die Frage, wie lange sie sich entgegen ihrer fundamentalen eigenen Interessen weiter vor den Wagen einer um Aufrechterhaltung ihrer Vormacht kämpfenden Weltmacht spannen lassen wollen. Die Zeit wird es zeigen.

 

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