Nach einem Besuch von „Leben und Schicksal“ nach Wassili Grossman am Bochumer Schauspiel

 

Am Bochumer Schauspiel hat Intendant Johan Simons das Buch „Leben und Schicksal“  von Wassili Grossman für die Bühne bearbeiten lassen (Dramaturg: Koen Tachelet) und zeichnet selber für die Regie. In dem dreieinhalbstündigen Theaterstück entstehen neu die russische Seite der Schlacht um Stalingrad (1942) und politisch-persönliche Auseinandersetzungen in der Sowjetunion, vor allem in der Nachkriegszeit 1945-53, auch nazifaschistisches Lager und der Weg in die Gaskammer.

In einer Reihe von Dialogen konkreter Individuen lassen Grossman/Tachelet die Widersprüche, die diese erfahren und selber als Handelnde repräsentieren – als Soldaten, Bolschewiken, Geheimdienstler, Wissenschaftler, Opfer und Täter des Naziterrors – zur Sprache kommen. Wie das sprachlich-dramatisch gestaltet ist, scharf, miterlebbar und ohne Beschönigungen, macht dieses Stück ergreifend.

Dieser starken Seite der Inszenierung, getragen von einem hervorragenden Ensemble, stehen in meinen Augen gegenüber schwache moralische, polit-theoretische Konsequenzen, auf die die Bochumer Präsentation zielt und die wahrscheinlich im Buch von Grossman intendiert sind (ich habe es allerdings nicht gelesen).

Freiheit und Menschlichkeit, die Schlagworte der Inszenierung, lassen sich ihr zufolge nur in der Abkehr von Konzepten praktizieren, die, wie der Sozialismus, die Verbesserung der Lebensbedingungen für die Menschenmassen unter Zuhilfenahme staatlicher Macht anstreben. Menschlich ist für Grossman nur die individuelle Hilfeleistung, die mitfühlende Geste Einzelner; Freiheit ist die des Individuums gegenüber der Tyrannei Stalins und seines Apparats.

Hier wird die „kleine Güte“, die mitmenschliche Geste angesichts der Not des Individuums, gegen die „große“ ausgespielt, bspw. das sozialistische Denken – die „große Güte“ -, welche die allgemeinen Bedingungen zu verbessern beanspruche, sich jedoch in den Terror verwandele und von der man sich besser fernhalte

„Freiheit“ wird hier umrissen lediglich als das, was der Stalinsche Apparat den Menschen nehme – und was, der Totalitarismus-Theorie zufolge, im kapitalistischen Westen verwirklicht werde? Hier verwandelt sich für mein Gefühl die Kritik an dem, was den Menschen in der Sowjetunion   zugemutet wurde, in westlich-kapitalistisches Freiheitsgedöns, obwohl es nicht direkt ausgesprochen wird.

Das westlich-kapitalistische Freiheitsgedöns ist wiederum allerdings nicht nur Gedöns. Die bürgerliche, mit der Aufklärung verbundene Revolution des 18./19. Jahrhunderts hat in meinen Augen menschheitsemanzipativen Wert, auch wenn sie mit Kolonialismus, Rassismus, Patriarchat verknotet ist. Aber Gedöns wird es zunehmend im Zeitalter des US-Imperialismus nach dem II. Weltkrieg und aus Grossman tönt für mich diese degenerierte Propaganda gleichfalls.

Mein Einwand lautet etwa so:

was die Personen, z.B. der Kernphysiker Strum, erleben und wie sie sich entscheiden, in dem Spannungsfeld zwischen

–  persönlicher Leistung, z.B. neuen physikalischen Theorien,

– den Anforderungen des sowjetischen Staates – eines wechselhaft agierenden Staatsapparats, eines Diktators: einmal durchaus rational, einmal unverständlich, widersprüchlich, brutal, verständnislos,

– dem persönlichen Gefühl der Verbundenheit, der Loyalität zum Staat oder aber dem Volk, im Spannungsfeld mit der kollektiven Anstrengung des Aufbaus von Zivilisation und vielleicht auch Sozialismus;

was also die Personen empfinden und wie sie handeln, sollte man mE nicht vereinfacht in einen Roman oder auf die Bühne bringen unter dem Schema ‚persönliche Freiheit des Individuums gegenüber staatlichem Zwang‘.

Es abstrahiert von vielen wichtigen realen Bedingungen und wird den geschichtlichen Akteuren nicht gerecht, weder Stalin noch Persönlichkeiten wie Strum oder den Soldaten oder den ‚alten Bolschewiken‘. Das ist primitive US-Runtermacherei des historischen Gegners.

Literaturkritisch: die persönlichen Dramen werden auf diese Weise eher entpersonalisiert.

Personen wie Strum und auch die anderen sind doch – so müsste man das mE eher gestalten – in den großen Konfrontationen und Konflikten der Zeit etwa von 1936 bis 1953 nicht allein Individuen mit individuellen Interessen, sondern immer auch politische Akteure und der Gesamtheit verantwortlich. Für die sowjetische Scharfschützin vor Stalingrad ist das ganz einfach, für Strum etwas  komplizierter. Über allem und allen stand der Kampf gegen den nazifaschistischen Überfall und später gegen die Erpressung des ganzen sowjetischen Gebildes durch das zeitweilige Atombomben-Monopol der USA 1945 – 1949. Hiroshima und Nagasaki waren im Krieg der USA gegen Japan, der im August 1945 bereits entschieden war, funktionslos, aber als Drohung gegenüber der Sowjetunion   höchst markant.

(Ab 1943 wurde in der Sowjetunion nach dem Bekanntwerden der im Westen erkannten Möglichkeit von Atomwaffen ein eigenes Atomwaffenprojekt begonnen und 1949 mit der ersten Explosion zum Erfolg geführt, worauf Grossman anscheinend anspielt.)

Wie die Beteiligten diese gesellschaftliche Gesamtheit empfunden haben mögen oder wie man heute im geschichtlichen Rückblick sie verbegrifflichen mag: das Volk oder das Kollektiv oder der Staat oder die Partei – ist sekundär. Freiheit kann in solchen realen geschichtlichen Situationen durchaus in vielen Fällen bedeutet haben, persönliche Opfer zu bringen, auf persönliche Freiheiten zu verzichten, sogar sich fallweise staatlichem Unrecht zu beugen, weil einem das Gesamtsystem am Herzen liegt und man seine Weiterentwicklung zum gesellschaftlich Guten für möglich hält, auch wenn  man selber negativ betroffen ist.

Im Bochumer Programmzettel wird folgender Satz von Grossman stark herausgestellt:

„Ich habe erkannt, dass nicht der Mensch machtlos ist gegenüber dem Bösen, sondern das mächtige Böse ist machtlos gegenüber dem Menschen.“

Offenbar ist mit „das mächtige Böse“ hier der sowjetische Staat (unter Stalin) gemeint.

Aber er war nicht nur böse, sondern in einigen Aspekten durchaus auch „gut“ oder jedenfalls relativ besser als manches, was Menschen in anderen Staaten durchzumachen hatten, gerade auch in der „Freiheitsmacht“ USA. Für diese Macht war er allerdings das radikale „Böse“, weil er die kapitalistische, vermeintlich freiheitliche Grundlage in Frage stellte.

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Das Folgende soll einige Grundbedingungen für die extremen Spannungen zwischen persönlicher Freiheit und staatlichem Handeln, wie sie sich in der Sowjetunion seit ihrer Entstehung und bis zu ihrem Untergang konkret entwickelt haben, grob und in meiner sicher unvollständigen Sicht veranschaulichen:

Es geht von Anfang an um die Frage des humanen politischen Umgangs miteinander – ohne welchen der Sozialismus ein Versuch mit Verfallsdatum bleiben musste, wie alternativlos seine Gründung im Nov. 1917 auch gewesen sein mag – im Angesicht der Kulturlosigkeit und Barbarei der zugrundeliegenden russischen Gesellschaft.

Die russische Gesellschaft war im Jahre 1917 nicht nur von sieben Jahrhunderten der Mongolenherrschaft und des in vieler Hinsicht wesensgleichen Zarismus geprägt, sondern auch vom Fehlen der Erfahrungen der bürgerlichen Revolution (der Zarismus hatte alle Ansätze unterdrückt) und zusätzlich von den Verwüstungen des (verlorenen) Weltkriegs, schweren Verwüstungen in ökonomischer und kultureller Hinsicht.

Westlichere Staaten wie Frankreich und Deutschland hatten im 18. und 19. Jh. reiche Erfahrungen gemacht mit Versuchen, individuelle Freiheit ineins mit der Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen politisch zu verwirklichen. Weder diese Freiheit noch politisch-staatliche Organisationen, die die Gemeinwesen und die individuelle Freiheit in optimal produktive widersprüchliche Einheiten umsetzen sollten (im Sinne der Aufklärung und der progressiven sozialen Bewegungen des 19. Jahrhunderts), waren – in Frankreich oder Deutschland oder anderswo – besonders gut gelungen, sondern, um es einfach zu sagen, von den extremen sozialen Ungleichheiten deformiert. Man lese nach, bei den großen französischen Autoren des 19. Jahrhunderts, welche drückenden neuen Klassenwidersprüche die bürgerliche Revolution erst selber hervorgebracht hat.

Aber auch solche Stufen der historischen Entwicklung, die immerhin Einiges von dem gebracht hatten, was Grossman mit „Freiheit“ meint, waren Russland „erspart geblieben“.

Demensprechend konstatierte Lenin in seinen letzten Beiträgen (1921-3), dass es ‚seinem‘ Sozialismus vor allem an „Kultur“ fehle, dass der neue Sowjetapparat kaum besser sei als der alte zaristische, der nur mit „ein wenig Sowjetöl gesalbt“ worden sei und die alten gesellschaftlichen Beziehungen im Wesentlichen reproduziere, Unterdrückung, Günstlingswirtschaft, Korruption…. Er verlangte, dass zunächst einmal Inseln kultivierter verantwortlicher Politik aufgebaut würden, z.B. die „Arbeiter- und Bauern-Inspektion“, in denen die Beteiligten und die Inspizierten das für Sozialismus Erforderliche überhaupt kennenlernen und erproben könnten.

Gleichzeitig stand dieser neue Staat, in dem immerhin solche Ansätze möglich waren und, vermute ich, auch fallweise weiterentwickelt wurden, unter der ständigen Drohung des westlichen Kapitalismus, erneut durch Interventionskriege wie 1918-1920 gestürzt zu werden, wie es Hitler dann tatsächlich im größtmöglichen Maß 1941 versuchte.

Die Industrialisierung, Modernisierung und die Rüstung mussten unter allen Umständen vorangetrieben werden, um für solche zu erwartenden neuen Versuche, das Land zu überfallen und den Sozialismus auszurotten, sich vorzubereiten. Unter diesem Zwang stand die gesamte Politik. Man sollte sich fragen, ob der Zwang, der bspw. in der Kollektivierung ab 1929 eine so große und folgenschwere Rolle spielt, der in den politischen Auseinandersetzung in der Partei und mit den politischen Strömungen in der Gesellschaft immer eine systematische Rolle spielt, doch auch als die Weitergabe dieser internationalen Zwangslage nach innen zu sehen ist; jedenfalls wäre es viel zu einfach und völlig einseitig, ihn vorwiegend auf persönliche Defizite wie einen diktatorialen Hang Stalins (der mit Sicherheit vorhanden und wirksam war) zurückzuführen. Derselbe Stalin hat letztlich – 1941-45 – historisch in bedeutendem Umfang Recht bekommen, weil seine (es war in der Tat seine) Politik der Industrialisierung und militärischen Vorbereitung die Grundlage für den – extrem hart und nur knapp errungenen – Sieg über Nazideutschland geschaffen hatte. Dieser Sieg und gleichzeitige Siege der chinesischen Revolution und einiger weiterer antikolonialer Bewegungen in der Zeit 1945 ff. haben den westlichen Imperialismus schwer zurückgeworfen und ihm zumindest in Europa längere Zeit eine „freiheitlichere“, „humanere“ Attitüde abgezwungen.

Die von Stalin geführte Partei hat sich seit seiner Machtübernahme Mitte der zwanziger Jahre enormer Verbrechen nach innen und auch nach außen schuldig gemacht, bspw. der gewollten oder ungewollten Auslieferung Deutschlands an die Nazis 1932-33 (entgegen der Politik Thälmanns), der Massenmorde an eigenen und an internationalen Kommunisten etwa in der Periode der „großen Säuberungen“ 1936-8, und hat damit den eigenen positiven Entwicklungsmöglichkeiten, die in den dreißiger Jahren und dann wieder ab 1945 gegeben waren, Fäulnis in die Fundamente eingeschrieben.

Das sozialistische System der Sowjetunion hat allerdings den Angriff der Nazis, hinter dem entscheidende Kräfte des westlichen Kapitalismus und gerade der ‚Freiheitsmacht‘ USA standen, in deren Untergang verwandelt, sich selbst aber behauptet. Das war so nicht beabsichtigt im Westen, geostrategisch wünschte man in den USA wohl eher  eine gegenseitige Zerfleischung beider bis zur völligen Erschöpfung, die den USA die dominante Stellung in ganz Eurasien gebracht hätte.

Auch im Innern hat der Sozialismus in der Sowjetunion  Enormes geleistet, z.B. die Elementarbildung großer Teile der bis dato analfabetischen Bevölkerungsmasse, Einführung moderner industrieller und agrarischer Produktionsmethoden, wissenschaftlich-technische Bildung erheblicher Teile der Bevölkerung, die Schaffung bedeutender und fast gänzlich neuer sozíaler Schichten und Milieus (Stichwort „Sowjetintelligenz“). Diese Erfolge stehen durchaus unter den Schatten von diktatorischem System, Verfolgungen und Verbrechen, Parteiopportunismus und Unfreiheit, aber man kann sie nicht darunter verschwinden lassen. Hier wurden zumindest Grundlagen von Freiheit, humanerer Sozialstruktut und aufgeklärtem Handeln geschaffen, die unter dem Zarismus nicht vorhanden waren und nur besonderen Individuen, oft im Exil, zur Verfügung standen.

Politik ist das schwierigste Feld von allen; sich gegenüber politisch Handelnden, historischen Ergebnissen und aktuellen Problemen eigener Fragestellungen und Handlungen zu enthalten, aber „gut“ und „freiheitlich“ aufzutreten, ganz einfach (?), scheint mir derzeit der angesagte Stil unter Menschen zu sein, die diese Schwierigkeiten sich ersparen wollen – und sich anscheinend das noch immer leisten können.

 

 

 

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Deutschland wird abgewickelt – so sehen es auch andere

Ein Artikel der „Berliner Zeitung“ beschreibt Details und Verantwortliche.

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Appendix to „A Few Remarks…“: strange personalities in responsible positions, Trump and Hegseth

published in German by Walter Grobe on 26 03 09, translation done by Google, correchtions by the author

The American empire, or to put it another way: the global power of US finance, US oil economy, US military, US intelligence agencies, and cultural influence („soft power“), is not yet over.

But the empire is also showing symptoms of political weakness and intellectual decay in its leading circles.

That Trump has now been elected president for the second time is, in my opinion, one such symptom. This individual has a long history as a television entertainer („The Apprentice“), and this, if you will, ploy seems to be continuing in the erratic and arbitrary way in which he tries to survive politically: he relies on ever-new surprises for a—rather forgetful—audience that wants cheap entertainment and is expected to keep the television channel switched on.

There would have been plenty of reasons for the public to shut down the „Trump as President“ channel by now (though it has not the power): the US economy is dire for most citizens; Trump’s involvement with Epstein’s abuse and espionage networks can no longer be denied; the brutal actions of the anti-immigrant police and – in my view, particularly blatant and serious – the failure to reach almost any international deal – all symptoms of incompetence and unreliability.

The war in Ukraine, which Trump announced would end „within weeks of taking office,“ has now dragged on for more than a year; there’s little sign of a major deal with Russia – otherwise, Russia would hardly be reporting the positions of US warships to Iran; Gaza remains at the mercy of Israel’s arbitrary actions… And currently, a war is being orchestrated that, according to some observers, could very well lead to the US and Israel having, almost literally, exhausted their resources without achieving any significant political results.

Perhaps these results aren’t even the real goal; rather, the true intention is to disrupt the economic structures of other countries in the interests of the disruptors in the US.

US Secretary of  War Hegseth seems to be developing a particular knack for interpreting his duties in his own idiosyncratic way. According to various reports, Hegseth has instructed officers to understand the war against Iran as a major step toward bringing about „Armageddon“ and to act accordingly. 

For evangelicals in the US and elsewhere, the word „Armageddon“ evokes the idea that (participating in) bringing about the „Last Judgment“ is a religious duty. Only when „Israel“ has triumphed over all its enemies will Jesus return and finally judge everyone; therefore, supporting „Israel“ and destroying its enemies is an absolute commandment. (See also)

In my view, it is a clear symptom of a disconnect from reality in the leadership circles of the US empire when a person like Hegseth, who apparently genuinely believes in such a peculiar myth as that of Armageddon, is given a not insignificant position like the Department of War.

I deliberately use the relatively mild term „disconnect from reality“ here because I would not like to face police action, for example, for calling an important political official an „idiot,“ a „dangerous religious fanatic,“ or something similar. No, I won’t do that.

But when figures like Trump or Hegseth are entrusted with leadership positions by the US „deep state,“ it seems to me that this state is furthering its own dysfunction—a dysfunction that is not only detrimental to the majority of the population, whose lives are becoming increasingly bleak, but also to US imperialism itself, which is increasingly on the losing end in its rivalry with China.

These lines are not to be understood as a prediction of imminent heavy losses and embarrassments for the US. These could also be postponed or masked by tactical successes in global politics and by replacing particularly incompetent officials with better ones. Last but not least, it seems to me that the rival China does not currently (yet) appear intent on inflicting too much embarrassment on the US—for a whole range of reasons that I cannot address here.

The Chinese system is also not crisis-proof.

And: the global system is almost as unpredictable as the weather, or even more so as the climate.

We shall see.

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Anhang zu „Ein paar Bemerkungen..“: merkwürdige Persönlichkeiten auf exponierten Positionen, Trump und Hegseth

Das US-amerikanische Imperium, oder anders ausgedrückt: die globale Macht von US-Finanz, US-Erdölökonomie, US-Militär, US-Geheimdiensten und kulturellen Einflüssen („soft power“)  ist noch nicht am Ende.

Aber das Imperium  zeigt auch Symptome von politischer Schwäche und intellektuellem Verfall in führenden Kreisen.

Dass ein Trump nun schon zum zweiten Mal zum Präsidenten gemacht wurde, ist mE ein derartiges Symptom.

Diese Person hat eine lange Vorvergangenheit als Fernsehunterhalter („The Apprentice“) und diese, wenn man so will, Mache scheint sich nun in der unstetigen und willkürlichen Art fortzusetzen, in der sie politisch zu überleben versucht: sie setzt auf immer neue Überraschungen eines – ziemlich vergesslichen – Publikums, das billig unterhalten werden will und den Fernsehkanal möglichst nicht abschalten soll.

Den Kanal ‚Trump als Präsident‘ abzuschalten hätte es mittlerweile reichlich Gründe gehabt (allerdings nicht die Macht): die Ökonomie in den USA ist für die meisten Bürger mies, die Verwicklungen Trumps mit den Missbrauchs- und Spionage-Netzwerken eines Epstein lassen sich nicht mehr abstreiten; die brutalen Aktionen der Anti-Immigranten-Polizei und – in meinen Augen besonders eklatant und gravierend – das Nichtzustandekommen fast jeglichen internationalen „deals“ – alles Symptome von Unfähigkeit und Unzuverlässigkeit.

Der Ukrainekrieg, dessen Beendigung Trump ‚innerhalb von Wochen nach Amtsantritt‘ angekündigt hatte, geht nun schon mehr als ein Jahr darüber hinaus, von einem großen deal mit Russland ist wenig zu spüren – sonst würde Russland wohl kaum dem Iran die Positionen von US-Kriegsschiffen melden; Gaza ist weiterhin der Willkür Israels ausgesetzt…. und aktuell wird ein Krieg in Szene gesetzt, der nach Ansicht mancher Beobachter durchaus dazu führen kann, dass die USA und Israel in fast wörtlichem Sinne ihr Pulver verschossen haben werden ohne relevante politische Ergebnisse erzielt zu haben. Vielleicht sollen diese sogar nicht einmal wirklich angestrebt werden, sondern die Durchschüttelung der ökonomischen Strukturen anderer Länder im Interesse der Disruptoren in den USA ist die eigentliche Absicht.

Der US-Kriegsminister Hegseth scheint besondere Fähigkeiten zu entwickeln, seine Aufgaben eigenwillig zu interpretieren. Verschiedenen Berichten zufolge (s. z.B. oder) hat Hegseth Offiziere angewiesen, den Krieg gegen den Iran als großen Schritt zur Herbeiführung des „Armageddon“ zu verstehen und entsprechend zu handeln.

Mit dem Wort „Armageddon“ verbinden Evangelikale in den USA und anderswo eine Vorstellung, dass das „Jüngste Gericht“ (mit-) herbeizuführen religiöse Pflicht sei. Erst wenn „Israel“ sich gegen alle seine Feinde durchgesetzt haben würde, komme Jesus zurück und richte endlich alle, daher sei die Unterstützung „Israels“ und die Vernichtung seiner Feinde unbedingtes Gebot.

In meinen Augen ist es ein deutliches Symptom von Realitätsverlust in Führungskreisen des US-Imperiums, wenn eine Person wie Hegseth, der einen solchen doch sehr speziellen Mythos wie den von Armageddon anscheinend wirklich glaubt, ein nicht ganz unwichtiges Amt wie das Kriegsministerium übertragen bekommt. Den relativ milden Ausdruck „Realitätsverlust“ gebrauche ich hier bewusst, weil ich mir ungern polizeiliche Maßnahmen einhandeln würde etwa der Art, ich hätte eine wichtige politische Amtsperson als „Idioten“, „gefährlichen religiösen Fanatiker“ o.ä. bezeichnet. Nein, das tu ich nicht.

Aber wenn solche Persönlichkeiten wie Trump oder Hegseth vom „tiefen Staat“ der USA mit Führungspositionen betraut werden, dann scheint mir dieser Staat seine eigene Dysfunktionalität voranzutreiben, eine Dysfunktionalität, die nicht nur im Sinne der Mehrheit der Bevölkerung zu konstatieren ist, deren Leben sich weiter verdunkelt, sondern auch im Sinne des US-Imperialismus selber, der sich anschickt, in der Rivalität mit China immer öfter den Kürzeren zu ziehen.

Diese Zeilen sind nicht als Vorhersage zu verstehen etwa der Art, dass den USA demnächst schwere Verluste und Blamagen bevorstehen. Diese können auch durch taktische Erfolge in der globalen Politik und durch den Austausch besonders unfähiger Amtspersonen durch bessere verschoben oder überdeckt werden. Nicht zuletzt spielt es mE eine Rolle, dass der Rivale China derzeit (noch) nicht darauf aus zu sein scheint, den USA allzu große Blamagen zuzumuten – aus einer ganzen Reihe von Gründen, die ich hier nicht behandeln kann.

Das chinesische System ist ebenfalls nicht krisenfest. Und: das globale System ist fast so unberechenbar wie das Wetter oder erst recht das Klima.

Wir werden sehen.

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