Vieles wird meines Erachtens bald ganz anders aussehen als die angeblichen Ziele, die jetzt von den Verantwortlichen in USA, Israel und Iran herumposaunt werden.
Die USA und Israel werden keinen Erfolg damit haben, in Iran einem Regime, das ihnen vielleicht genehmer wäre, dauerhaft zur Macht zu verhelfen. Wie blöd ist es denn zu unterstellen, relevante Massenbewegungen im Iran könnten sich hinter etwas Derartiges stellen oder gar es verteidigen. Im Gegenteil: die islamische Theokratie oder genauer gesagt: das korrupte und massenfeindliche Regime, das dort seit bald 50 Jahren an der Macht und längst reif für seinen Abtritt ist, bekommt durch die Angriffe der USA und Israels eher noch einmal Anschub für seine verlogene Propaganda, es stehe für den Kampf gegen die imperialistische Drangsal. Es wird aber auch keine etwaige andere dauerhafte Regierung in Iran geben, die die vom Westen geforderte Entwaffnung und den Verzicht auf eigene Urannutzung – welche auch immer – umsetzen würde.
Das klerikale Regime war von Anfang an nicht nur ein Werkzeug der inneren Reaktion im Iran, sondern auch der Knebelung von Demokratie und anti-imperialistischer Selbständigkeit, die die Bevölkerung Irans so dringend braucht und die seit dem Sturz Mossadeghs durch die USA und die Briten 1953 immer wieder und immer weiter untergraben werden.
Dass der Anti-Schah-Revolution der Iraner 1979 ein theokratisches und antidemokratisches Regime aufgepfropft wurde, verkörpert durch einen gewissen Khomeini, war wesentlich vom Westen mit arrangiert worden. Man transportierte ihn aus seinem Exil in Paris nach Iran und zeichnete zunächst eher ein positives Porträt von ihm und seiner Richtung.
Viele weitere Episoden können die fortgesetzte hintergründige Stützung des theokratischen Regimes durch USA und Israel bezeugen, auch nachdem es den USA und Israel vorgeblich den Krieg erklärt hatte und im Westen seine unschönen Seiten zur Sprache kommen durften.
Man denke nur einmal an die relativ bekannte Iran-Kontra-Affäre unter dem US-Präsidenten Reagan, als im Krieg des Irak gegen den Iran (angeblich ging es um irgendwelche Grenzkorrekturen) nicht nur das Saddam-Hussein-Regime im Irak, sondern gleichzeitig auch das Khomeini-Regime im Iran von den USA und Israel mit Waffen (und wer weiß womit sonst noch) versorgt wurden. Dieser grausame langandauernde Krieg zwischen Iran und Irak 1980-88 sollte unbedingt am Laufen gehalten werden, mit der Folge, dass die Regime sich nach innen stabilisieren konnten. Auf beiden Seiten wurde millionenfach die Jugend zum Opfer gemacht, die natürliche Hauptkraft des Fortschritts in jeder Gesellschaft.
Warum bin ich der Meinung, dass sich in dem jetzigen Durcheinander Vieles anders entwickeln wird, als seine Initiatoren verlauten? Nicht nur, weil Trump und Netanjahu von den Völkern abgelehnt werden, sondern auch weil die global übergeordnete Rivalität zwischen den USA und China ihnen einige Striche durch einige Rechnungen macht.
Das Eindringen der chinesischen kapitalistischen Macht in Zonen, deren Oberhoheit die USA seit langem und noch immer beanspruchen, wie in Lateinamerika und Afrika, lässt sich durch militärische Coups und Kriege nicht wesentlich verhindern. Es wird eher beschleunigt werden.
China, derzeit industriell und finanziell bereits stärker als die USA (und in der Tendenz selber imperialistisch), hat gegenüber den USA in den Augen der halbkolonialen Oberschichten dieser Länder manche Vorzüge, zumindest derzeit noch: es bietet enorme Mittel für industrielle, agrarische und infrastrukturelle Entwicklungsprojekte und stärkeren wirtschaftlichen Austausch. Demgegenüber haben die USA und „der Westen“, bspw. auch die frühere Teilkolonialmacht Frankreich in Afrika, immer bloß auf billigste Rohstoffausplünderung und Hemmung der eigenen ökonomischen Entwicklung der Länder gesetzt und setzen noch immer darauf.
Wie auch immer der jetzige Schlagabtausch ausgeht, er wird der stillen Expansion Chinas in den arabisch-iranischen Raum weiter Vorschub leisten.
Die globale Energiediktatur und der Dollarimperialismus, die den USA über viele Jahrzehnte hinweg Superprofite in das Finanzsystem gespült haben, lassen sich nicht halten. Nebenbei: sie haben auch politisch-ideologischen Nebel in die Köpfe eines Teils ihrer Bürger und auch mancher anderer Bürger „des Westens“ wie z.B. in Deutschland gespült.
Zusatz 18.3.26: interessanter Beitrag zu den energiepolitischen Absichten Trumps
Wenn die USA selber mit diesem dämlichen Krieg vielen Teilen der Welt vor Augen führen, dass diese sich energiepolitisch unabhängiger machen müssen, wird die ökonomische Profitabilität der bisherigen Zugehörigkeiten zum Öl- und Dollarimperialismus weiter erodieren.
Besonders gekniffen ist ein Staat wie Deutschland, der unter dem jahrzehntelangen offenen und geheimen Druck der USA nicht nur auf diejenige Energieform Verzicht hat leisten müssen, die als einzige im großen Stil ihm mehr Unabhängigkeit hätte verschaffen können: die Kernenergie. Noch mehr Schande: er durfte nicht einmal mehr sagen, wer ihm den kleinen temporären Ausweg, den Bezug relativ billiger fossiler Energierohstoffe aus Russland, durch Aktionen wie die Sprengung von Northstream 2 abgeschnitten hat.
Die Ohnmacht, die Blamage, die die Regierungen des Gebildes Bundesrepublik Deutschland seit Jahrzehnten verkörpern – seit Schröder-Fischers Atomausstieg im Jahre 2000, seit Merkel, der Architektin des fortschreitenden Ruins Deutschlands und jetzt erst recht seit dem heutigen direkten Blackrock-Kanzler, suchen ihresgleichen in der deutschen Geschichte.
Die Kernenergie war durch Wissenschaftler und Ingenieure im West- und übrigens auch im Ostteil Deutschlands bis in die 70er Jahre zur Weltspitze entwickelt worden. Dem fossilen Energiemonopol der Exxon, Shell etc. drohte von dieser Seite eine deutliche Einschränkung, insbesondere auch durch die Ansätze, Kerntechnik auch an Länder wie Brasilien, Argentinien (und interessanterweise auch dem Iran) weiterzugeben, die traditionell von den USA energiepolitisch völlig abhängig gehalten waren. Diese Ansätze waren politisch höchst riskant und wurden bald von der internationalen energiepolitischen Diktatur (der USA und auch unter Mitwirkung der damals noch existierenden Sowjetunion) beendet, natürlich unter Vorwänden wie dem Atomwaffensperrvertrag, mit dem USA und Sowjetunion zeitweilig gemeinsam internationale Macht auszuüben gewohnt waren.
Heute befindet sich Deutschland in der singulär lächerlichen Lage, anders als zahlreiche andere Länder auf eigene Kernenergie verzichten zu müssen und nicht einmal mehr seine eingekaufte Basisversorgung mit Öl und Gas diversifizieren zu dürfen. Frankreich, China, Korea, die USA selber und nun auch Japan wieder entwickeln die Kernenergie weiter. Selbst Länder, die ökonomisch und politisch viel weniger Gewicht haben als Deutschland, Länder wie Tschechien oder Slowenien und und und … tun das. Und Deutschland muss jegliche Leitung aus dem Osten, die noch nicht gesprengt wurde, auch noch „freiwillig“ kappen, um „der Ukraine“ zu einem Sieg zu verhelfen, an den niemand mehr glaubt, und unter den abstrusen Bedingungen, dass diese Ukraine selber noch allerlei an Russland liefert und geliefert bekommt. Vielleicht wird Northstream 2 nun repariert unter einem US-Konsortium, um der Blamage noch eins draufzusetzen.
Die gegenwärtigen Kriege Israels und der USA werden durch die weitere Verteuerung von Öl und Gas in vielen Ländern, gerade auch in Deutschland, einen weiteren Schub der relativen Verarmung breiter Schichten auslösen. Schon seit Jahrzehnten ist die Energiepolitik gerade unseres Landes so etwas wie ein großer Sauger, der ökonomische Substanz und Spielraum von unten weg nach oben saugt.
Die Frage wurde bereits von mehreren Seiten gestellt: ist auch der jetzige Krieg ein Teil des Great Reset, der Politik des World Economic Forum, des Cluba der Superreichen und Supermächtigen? Der Politik der Enteignungen des kleinen und mittleren Besitzes, der Entmachtung der nationalen Regierungen (außer denen der USA und Israels) und der weiteren Konzentration von Geld und Macht bei den großen globalen finanziellen, digitalen und energiepolitischen Konzernen, die hauptsächlich direkt mit der militärischen und geheimdienstlichen Macht der USA verbunden sind?
(Zusatz 09.3.26: Zu dieser Hypothese – dass es bei diesem Krieg wesentlich um Anderes geht als um substantielle Änderungen im Iran und dass im Grunde erneut Kollusion zwischen den USA und dem Mullah-Regime am Werk ist – passen recht gut die Meldungen, dass das Mullah-Regime Anlagen der Öl-und Gaswirtschaft in Nachbarländern beschießt und die USA ihrerseits solche in Iran. Von militärischer Wichtigkeit dürften solche Anlagen höchstens indirekt sein. Aber wenn es in Wirklichkeit den USA es darum geht, die Ökonomie bspw. Europas oder Chinas oder Japans schwer zu schädigen, die Inflation hochzutreiben, massenhaft Konkurse auszulösen, die die kapitalistische Konzentration vorantreiben und damit vor allem auch die US-Finanzkonzerne etc. begünstigen, und wenn dem Mullah-Regime hierbei erneut nützliche Funktionen zukommen, dann würden derartige Angriffe derartigen strategischen Zwecken dienen.)
Ich bin nicht sehr zuversichtlich, dass in Europa nun wirksame politische Gegenbewegungen gegen den fortschreitenden Ruin zustande kommen. Weder seitens der politischen Führungsschichten und Parteien noch seitens möglicher Massenbewegungen. Es wird wohl noch Zeit und mehr Erfahrungen brauchen, bis wirkliche größere Bürgerbewegungen entstehen, wenn überhaupt. Ich frage mich, ob überhaupt in diesen korrupten politischen Milieus Europas genügend Substanz dafür vorhanden wäre, und ob nicht auch die meisten Mitbürger es einstweilen weiter vorziehen werden, sich den Grips aus dem Gehirn und das Mark aus den Knochen ziehen zu lassen von denen, die immer reicher und arroganter und selber ebenfalls immer unfähiger werden.