Selensky, Trump und Europa

Die gegenwärtigen Äußerungen von europäischen Politikern und Journalisten zum Eklat zwischen Trump und Selensky scheinen mir vor allem einen hohen Grad an Realitätsfremdheit zu bekunden. Sie haben mit Trumps Plänen und der Problematik der eigenen Lage wenig zu tun.

Mir scheint, als wolle Trump absichtlich die Genannten dazu provozieren, „Solidarität mit Selensky“ oder der Ukraine zu psalmodieren und weitere Aufrüstungen für deren Unterstützung zu verlangen oder gar bereits in die Wege zu leiten – Aufrüstungen, die erklärtermaßen ohne den letztlichen Schirm der USA ohnmächtig wären –  und weitere Feindschaftsbekundungen gegenüber „Putin“ abzugeben.

Ich hatte Trumps Design bisher so gesehen: Russland von China abkoppeln, die nicht-russische Ukraine aussaugen und die europäischen  Staaten in eine letztlich von den USA abhängige, d.h. von den USA steuerbare Position von halb Krieg halb Frieden gegenüber Russland zu bugsieren. Diese Konstellation würde den USA bei ihren großen Geschäften mit Russland und der Ukraine nicht wesentlich im Wege stehen, aber in Europa die Ökonomie, die Moral und den europäischen politischen Zusammenhalt dauerhaft ruinieren. Die bisherigen Reaktionen von Merz, Macron, Stamer (UK) scheinen das zu bestätigen.

Aber in diesem misstönigen Chor, dessen Stimmführung die genannten Herren beanspruchen, singen auch weitere Stimmen. Aus der Partei Die Linke meldete sich der parlamentarische Geschäftsführer Christian Görke im Interview mit der Berliner Zeitung v. 03.03. 25 (Die Zeitung titelt „Milliarden für die Rüstung: Wird die Linke einen Deal mit Merz eingehen?“) und ließ durchblicken, dass seine Partei einem von Merz einzubringenden Schuldenpaket für die Aufrüstung sich nicht völlig versperren würde vorausgesetzt, es enthielte gleichzeitig auch Zusagen für ‚nachhaltige Investitionen in die Zukunft unseres Landes“. Hier stellt sich mir die Frage, wie man von Nachhaltigkeit und Zukunft reden kann, wenn man die Politik der permanenten Kriegswilligkeit zur Grundlage macht.

In der Tageszeitung „TAZ“ erscheint eine ganzseitige Anzeige einer Firma, die Drohnen für das Militär verkaufen will (Berliner Zeitung v. 03.03.25).

Betreffs der AfD vermerkt die gleiche Ausgabe derselben Zeitung, diese Partei sei „seltsam still“.

Rein theoretisch sind andere, für die Bevölkerung Europas günstigere geostrategische Varianten denkbar. Nicht nur die Ukraine als ganzes Land, auch Russland zu großen Teilen sind bekanntlich ebenfalls europäisch. Aber ich bin nicht in der Stimmung, diesem von innen her zerfressenen und dem Untergang entgegengehenden korrupten und verlogenen System durch gute Ratschläge an europäische Politiker das Überleben zu verlängern zu versuchen. Ich schreibe das Obige, um das Ausmaß der Unfähigkeit dieser Politiker zu kennzeichnen, die jetzt von europäischer Aufrüstung, Solidarität mit Selensky und ähnlichen Schemata reden, die Öffentlichkeit an der Nase herumzuführen versuchen und damit genau die Trumpsche Variante von „Multipolarität“ unterstützen, die Europa maximal schwächt, von den USA noch abhängiger macht und an seiner inneren Zerstörung sich freut. Den  Phrasen a la ‚wir müssen von den USA uns unabhängiger machen‘, ‚wir halten zu Selensky‘, ‚wir wollen für Europa strategische Autonomie‘, ‚ein von der Bevormundung durch den schrecklichen Trump sich emanzipierendes Europa wird die Führungsmacht der freien Welt‘ usf. steht die Realität gegenüber: diese schimpfenden Politiker sind gerade dabei genau so zu handeln, wie Trumps Plan und der Propagandacoup mit Selensky im Weißen Haus sie haben wollen.

Ergänzung (06.6.25): siehe auch den Beitrag von Norbert Häring

 

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Überlegungen zur Weltlage anlässlich der deutschen Wahl und Trump/Musks Getöse. Was heißt „Europa ist schwach“? Gibt es auch eine Stärke Europas?

Die im Folgenden schriftlich gefassten Überlegungen enthalten wenig oder nichts an konkreten politischen Zielvorstellungen oder Aktionsempfehlungen. Ich versuche lediglich, etwas über die Rahmenbedingungen zu formulieren, die meiner Ansicht nach von  Menschen, die sich etwas Humanes und Progressives politisch zum Ziel setzen, nicht außeracht gelassen werden können.

Die Bundestagswahl vom 23.2.25 hat in der Bevölkerung ein hohes Maß an Beteiligung ausgelöst. Die Zahl der abgegebenen Wahlzettel war Rekord und es gab ein beachtliches Maß an bürgerlichen Aktivitäten wie z.B. Demonstrationen zur Migrationsfrage, meist zugunsten bestimmter Parteien oder gegen sie.

Ebensowenig wie durch die  Stimmabgaben wurde dabei der bisherige politische Rahmen, die existierenden Parteien und ihre Sicht der Welt, wesentlich in Frage gestellt. Offenbar machen sich allerdings zunehmend mehr Bürger Sorgen über die gesellschaftlichen Entwicklungen, über ihre persönliche Zukunft, und hoffen durch Wahlbeteiligung und andere Formen der politischen Aktivität den Dingen ein Momentum in eine Richtung zu geben, die sie für die richtige halten.

Das Ergebnis dieser Wahl verheißt allerdings mehr wirtschaftliche Misere und mehr außenpolitische Unsicherheit, weitere Aufrüstung, Kriegsvorbereitungen und auch innenpolitische Disziplinierung wie z.B. weiter Einschränkungen des Rechts auf freie Meinungsäußerung. Ich meinerseits hoffe, dass noch viel mehr Mitbürger aktiv werden und dabei nach und nach zu einem Stil der politischen Auseinandersetzung finden, in der auch tiefe grundsätzlichen Gegensätze in den Auffassungen und Interessen nicht zu weiteren Spaltungen führen, sondern zu Klärungen über die Realitätsbedingungen und darauf aufbauend zu mehr gemeinsamer demokratischer Aktion.

Was die meistfrequentierten Medien wie z.B. der Öffentlich Rechtliche Rundfunk und die meisten Vertreter der zu Wahlen stehenden Parteien praktizieren: für Missstände die jeweils anderen Parteien bzw. andere Regierungen und Länder verantwortlich machen und von den großen  wirtschaftlichen und politischen Entwicklungstendenzen der Welt möglichst nur eine Auswahl vordergründiger  Erscheinungen zur Sprache kommen zu lassen, soweit sie in die momentane Selbstreklame hineinpassen – davon möchte ich in den folgenden Absätzen mich möglichst freihalten.

Also zum global Fundamentalen zuerst:  der  ‚sozialen Frage‘:

…. der globalen Entwicklung der Beziehungen zwischen Armut und Reichtum. Sie ist der letzte und maßgeblichste Bezugsrahmen des gesamten politischen Geschehens, auch eines eher nur momentan und lokal wichtigen Ereignisses wie einer Bundestagswahl in einem Land wie Deutschland , und sie bestimmt in hohem Maße, oft ziemlich direkt, was hier politisch gesagt und getan wird.

Nicht nur im „Westen“ sehen wir in den letzten Jahren und schon Jahrzehnten eine anscheinend unaufhaltsame Bewegung, die einer schmalen obersten Schicht von Milliardären obszöne Zuwächse ihrer persönlichen Vermögen (und ihres öffentlichen Einflusses) garantiert, während es mit der wirtschaftlichen Auskömmlichkeit des Lebens nicht nur für Milliarden Menschen in den großen Armutszonen der Welt zumeist nicht besser, oft noch schlechter wird. Auch  in großen, bisher relativ abgesicherten Bevölkerungskreisen in entwickelten Ländern machen sich Kaufkraftverluste, Jobunsicherheit und Ängste vor Altersarmut bemerkbar.

Nicht nur die menschliche Arbeitskraft wird gegenüber der Ausbeutung weiter entmachtet, sondern die gesamte Natur wird einer gnadenlosen Vernutzung unterworfen, für die es kein Morgen geben kann und wird.

Auch China, das erst seit einigen Jahrzehnten dem modernen Kapitalismus eingegliedert wird, macht  im Prinzip eine ähnliche Entwicklung durch: nachdem es seit den neunziger Jahren in raschen Schritten zur ‚Werkbank der Welt‘ geworden war und die Führung sich bei einem größeren Teil der Bevölkerung durch Lohnerhöhungen, durch Teilhabe an städtischem Leben und modernen Zivilisationsgütern anscheinend einen gewissen Bonus gesichert hatte, wackelt dieses Modell mittlerweile schon deutlich.

Russland an dieser Stelle zu nennen ist eigentlich unangebracht, weil es aufgrund seiner geringen Bevölkerung und seiner schwachen ökonomischen Basis in einer niedrigeren Liga spielt; nur  seine geostrategische Position und seine militärischen Potenzen machen es für fast jede politische Konzeption zur „Großmacht“. Russland ist wegen seiner geografischen Lage, seiner Rolle als flächengrößtes Land und seiner militärischen Fähigkeiten, deren Grundlagen aus der Zeit des sogenannten Kalten Kriegs stammen, ein umworbener Partner sowohl der USA wie auch China; es ist, je nachdem zu welcher Allianz es mehr neigt, eine Art Joker in globalen Machtspielen. Russland hat nur etwa 150 Mio. Einwohner, wenig mehr als ein Zehntel der 1,4 Mrd. Chinas oder auch der 1, 4 Mrd. Indiens, und auch im Vergleich mit Europa (über 500 Mio. Einwohner – ohne den europäischen Teil Russlands) und den USA (340 Mio.) kann es weder an ökonomischer noch letztlich an militärischer Kraft mithalten; ich führe es hier vor allem deswegen trotzdem an, weil es derzeit fast wie eine Großmacht zwischen dem Westen und dem Osten (China) wahrgenommen bzw. öffentlich so darstellt wird. Vieles weist darauf hin, dass Russland in ähnlicher Weise wie der Westen oder China von superreichen Oligarchen dominiert wird und der Regierungsapparat gleichfalls versucht, den Bürgern  umfassende digitale Kontrollen aufzuerlegen. Ich komme weiter unten beim Thema Multipolarität auf Russlands reale globale Stellung zurück.

Konkret hat sich der Kampf zwischen Arm und Reich in allen wichtigen Zentren, in den USA, in China, in Europa, in vielen  weiteren Ländern in den letzten Jahrzehnten so entwickelt, dass das Kapital sich enorm zentralisiert hat und die ökonomische Masse und Macht weniger zentraler Finanz -, Digital – und Industriekonglomerate ständig weiter wächst, sodass unvermeidlich auch die Kluften zwischen oben und unten sich weiter vertiefen.

Die Oligarchen-Netzwerke rüsten sich für die Konfrontationen, die sie selber kommen sehen, einige von ihnen wahrscheinlich viel klarer als die Masse der Bevölkerung selber. Es werden mit enormem Aufwand Systeme der digitalen Überwachung der Bevölkerung weiterentwickelt. Dabei geht es nicht nur um die Erfassung selbst der kleinsten Lebensregung des Bürgers, vordergründig zu Zwecken der Werbung und der Konsumanreize, sondern in Wirklichkeit um die Steuerung der Meinungen, der politischen Parteinahmen und Aktivitäten jedes einzelnen Individuums wie auch der politischen und sozialen Massenbewegungen.

Wie im negativen Spiegel gegenüber diesem enormen Wissen der Herrschaftsapparate sinkt generell das Niveau von Wissen und Bildung in großen Teilen der Bevölkerung und damit die Möglichkeiten, sich zu artikulieren und gegenüber der Macht des Reichtums sich zu ermächtigen. Die Repressionsapparate werden gestärkt, Polizeien und Geheimdiensten mehr Waffen und Rechte eingeräumt und die Verfassungen weiter ausgehöhlt. Für die oligarchischen Regime ist schon der Durchschnittsbürger eigentlich ein Feind, weil er von seinen demokratischen Rechten Gebrauch machen könnte. Es erscheinen Bücher und politische Programme, welche die Demokratie massiv denunzieren, weil der Bürger angeblich zu dumm ist, im eigenen Interesse davon den richtigen Gebrauch zu machen; nur seine Unterwerfung unter zentrale digitale Steuerungen, die den Bürger zum Cyborg machen, bis hin zu Implantationen, kann ihn  vor seiner eigenen Unfähigkeit retten und die Staaten stabilisieren. Etwas Anderes als einige riesige private Konten soll von den Gemeinwesen nicht übrig bleiben.

Diese Entwicklungen erfassen den Westen im Prinzip ebenso wie etwa China, das bspw. mit seinem ‚social credit system‘ schon praktisch zeigt, wie das gehen kann.

Was bedeutet „Multipolarität“ im Zusammenhang der Frage Arm-Reich?

Die internationale Politik ist wesentlicher Bestandteil solcher Bemühungen der kapitalistischen Oligarchien in Ost und West, ihrem drohenden Untergang vorzubeugen und sich selber ewiges Leben zu sichern. Multipolarität, ein wichtiges Schlagwort seit einigen Jahren,  soll nun angeblich die Welt in Interessensphären derart aufteilen, dass die Rivalitäten, vor allem die zwischen den Oligarchen der USA und Chinas,  ausbalanciert und gedämpft werden. Neben und zwischen diesen beiden ‚Giganten‘ sollen mehrere Nebenzentren zugelassen werden wie bspw. Europa. Russland – wirst Du Dich wieder mehr den USA zuwenden? China: wirst Du mangels dieses Bundesgenossen in der Rivalität mit den USA zurückfallen? Wird Europa oder eine Allianz wichtiger europäischer Länder in der sog. multipolaren Weltordnung, die jetzt allenthalben gehypt wird, tatsächlich eigenständiger werden? Können die sozialen Beziehungen innerhalb der jeweiligen Zentren bzw. Nebenzentren verbessert werden, indem weniger in Rüstung und Krieg, mehr in die innere Verbesserung der Länder investiert wird?

Wahrscheinlich sehen beide Seiten, die Machthaber in den USA und in China, die Notwendigkeit, vorerst einige der großen Konfrontationen etwas aufzuschieben und die inneren Kräfte zu stärken, die eigenen ökonomischen und militärischen Potenzen auszubauen sowie die eigenen Bevölkerungen zu end-fügsamen Werkzeugen der Ausbeutung und der kommenden großen Kriege zu formieren. Die Multipolarität ist jedoch in meiner Sicht nur die aktuelle Form des Kampfes zwischen beiden um die Position der Nr. 1. Sie hat mit Stabilisierung der politischen Verhältnisse des Globus nichts zu tun.  Beide Supermächte verstehen sich im Grunde jeweils als die einzig mögliche und berechtigte Supermacht und können dieses Streben trotz aller Friedensversprechungen nicht aufgeben. Von tatsächlicher balancierter Teilung des Globus in feste Herrschaften und einer Respektierung der Rechte kleinerer, weniger mächtiger Länder und Ländergruppen, kann real nicht die Rede sein.

Symptomatisch an dieser Stelle der Trump-Musk-Komplex.

Er kombiniert, so weit bis jetzt erkennbar, einige Versuche zur zeitweiligen Entschärfung von bestimmten Großmachtkonfrontationen wie der in der Ukraine mit Versuchen, die innere ökonomische Basis zu stärken und gleichzeitig die Bevölkerung vermehrt unter digitale Erfassung und polizeistaatliche Disziplinierung zu stellen. Mit der Ernennung des Politikers R.F. Kennedy jr. zum Gesundheitsminister wird propagandistisch eine Aufarbeitung der unter dem label „Corona“ durchexerzierten Notstandspolitik unter Biden verbunden, aber hinsichtlich Polizeiaufrüstung und Bürgerkriegsvorbereitungen gibt es keine Lockerungen, keinerlei Re-demokratisierung. Im  Gegenteil. An anderen Stellen wie im Nahen Osten (Israel, Palästina, Gaza) ist gleichfalls keinerlei Friedfertigkeit zu erkennen. Genozid und Vertreibung finden in Trumps Deklarationen noch eine Steigerung.

Wie bereits während Trumps erster Amtszeit wird versucht, Russland aus der festen Anbindung an China herauszulösen, die die USA mit ihrer früheren Politik selber provoziert hatten. China, der Hauptrivale, soll militärisch und territorial isoliert werden. An dieser Front sind Entspannungssignale nicht zu erkennen. Die USA verzichten unter Trump keineswegs auf die Welthegemonie. Die derzeitigen Huldigungen gegenüber der Multipolarität sind taktisches Mittel in einer bedrängten Situation.  Trumps Gang versucht, einige Nebenschauplätze zu bereinigen und wieder mehr Bündnispartner zu gewinnen, um die Kräfte, die inneren wie die äußeren, für die Intensivierung des Kampfs mit China zu sammeln. Das Reich der Mitte seinerseits erringt überall auf dem Globus nach und nach die Positionen, mittels derer es die USA übertrumpfen will. Das traditionelle Selbstverständnis der chinesischen Eliten, das eigentliche Zentrum der Welt zu bilden, lebt wieder auf.

Trumps Konzept, das für Putin anscheinend tatsächlich einige Vorteile bringt, richtet sich gleichzeitig massiv gegen die europäischen Länder, auch gegen die Ukraine,  eigentlich ein Bestandteil Europas, und gegen die gesamte Bevölkerung Europas. Die Ukraine wird geteilt, der größere Teil – die Mitte und der Westen – fallen an US-Firmen, die künftig direkt die Bodenschätze und die Landwirtschaft in die Hand bekommen – auch wenn es tatsächlich eigentlich kaum Seltene Erden zu holen gibt: andere Schätze gibt es genug; der östliche Teil verbleibt bei Russland. Die europäischen Staaten sitzen bei derartigen Absprachen am Katzentisch, sollen aber ihre kränkelnde Ökonomie durch riesige Aufrüstungsprogramme weiter ruinieren dürfen und politisch eine permanente, militärisch aufgeladene Konfliktposition gegenüber Russland beziehen. Während Trumps USA den Russen großartige Geschäfte verspricht, ist von einer Reparatur von Northstream2 keine Rede. Die Energieversorgung namentlich Deutschlands wollen die USA in Händen behalten.

Die Verarmung großer Bevölkerungsteile auch in Europa wird massiv beschleunigt.

Die Spaltungstendenzen innerhalb der EU werden seitens Trump nicht weniger gefördert, symptomatisch scheint mir Musks medialer Kraftakt zur Stärkung der AfD wie auch die Turteleien mit der gleichfalls sehr fragwürdigen Regierung Italiens.

Ich möchte hier ein paar Absätze über die „Schwäche Europas“ versuchen.

Die politische Schwäche Europas bzw. der europäischen Länder und auch ihrer Zusammenschlüsse wie der EU wird in den aktuellen Konzepten Trumps unter den Vorzeichen des Ringens zwischen den USA und China noch deutlicher als bisher. Trump spricht nur das provokativ aus, was die US-Oligarchen schon immer betrieben und gewünscht haben. Dass die EU oder eine andere denkbare bedeutende Allianz europäischer Staaten sich militärisch von der Dominanz der USA in den europäischen militärischen Verhältnissen befreien würde, haben die USA nie gewünscht und auch nie wünschen können und jederzeit mit allen Mitteln untergraben. Das wird sich auch unter Trumps Gedöns nicht ändern, die Europäer seien schwach, weil sie sich nicht selber verteidigen könnten, und jetzt müssten sie aufrüsten, aufrüsten, aufrüsten und sich selber gegen die Russen verteidigen. Aufrüstungswillige wie Macron oder Stamer oder Merz können sich offenbar eine Welt ohne den letztlichen militärischen Anker USA auch weiterhin nicht vorstellen und betteln regelrecht darum.

Es gibt aber auch eine Stärke Europas. Sie wird allerdings von denjenigen, die derzeit die europäischen Länder beherrschen und gerade auch von einer Institution wie der EU, nicht repräsentiert, sondern eher weiter ruiniert, gleichwohl ist sie eine Grundgegebenheit der globalen Situation und kann auch politisch umgesetzt werden. Sie ist übrigens nicht identisch mit der Einwohnerzahl und den ökonomischen Kräften. Zwar dürfen diese nicht unterschätzt werden: je nachdem ob und wie Russland und die Türkei (die jedenfalls großenteils nicht zum europäischen Kontinent gehören) hinzugerechnet werden sowie einige noch bestehende Kolonien, kommt man auf ca. 500 bis 750 Mio. Einwohner.

Was mich vorrangig interessiert, sind die Fragen der kulturellen Stärke und der Fähigkeiten zu gedeihlicher Weiterentwicklung.

Die Frage der „Stärke Europas“ ist mit der historischen Entwicklung der Beziehungen zwischen Arm und Reich in dieser Region der Welt zutiefst verbunden, man könnte sogar sagen, dass die politische und kulturelle Identität Europas darin besteht, wie diese Beziehungen über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg ausgestaltet und vielfach ausgefochten wurden und in welchen heutigen Institutionen, in welcher Kultur und welchen Ansätzen für die Zukunft sich das niedergeschlagen hat.

In der europäischen Geschichte sind seit wenigstens 2500 Jahren die sozialen Gegensätze in einer enormen Vielfalt von Ansätzen und auch in historischen Lösungen (d.h. in zeitweiligen und in sich weiter widersprüchlichen Lösungen), in den unterschiedlichsten Gesellschaftsmodellen durchgekämpft und durchgedacht worden.

Durch alle Epochen haben sich außerhalb und unterhalb von Ausbeutungsformen wie der Sklaverei, dem Feudalismus und den bürgerlich-kapitalistischen Systemen immer auch andersartige Komplexe von Gemeineigentum und Basisdemokratie erhalten können. Offenkundigste Beispiele sind die mittelalterliche Dorfgemeinschaft und das Prinzip der Allmende, damit verwandt sind die demokratischen oder halbwegs demokratischen Prinzipien der Stadtrepubliken, die vom alten Griechenland über die römischen Verhältnisse, die mittelalterlichen Stadtfreiheiten bis heute sich nicht haben völlig  ausrotten lassen. Das ist ein wichtiges Merkmal (und wahrscheinlich zeigen sich in anderen Kulturen und Regionen Parallelen).

Auf der anderen Seite sind die Herrschafts- und Ausbeutungssysteme wie die Sklaverei, der Feudalismus und die kapitalistische Ordnung immer wieder durch politische Denker und Inspiratoren, durch Massenbewegungen und Revolutionen erschüttert worden und, wenn die Zeit reif war, ist es zur Überwindung von Verhältnissen gekommen, die nicht mehr haltbar waren, der moderne Kapitalismus harrt allerdings noch der Umwälzung.

Die antike Sklaverei wurde zwar nicht direkt durch die Sklavenaufstände, bspw. des Spartakus im Römerreich, besiegt, aber im Zuge des späteren Verfalls und Zusammenbruchs  des römischen Systems durch die Völkerwanderung und später durch Reformen innerhalb des christlich-feudalen „Mittelalters“ nach und nach überwunden. Die feudal-aristokratische Ordnung bildete sich nach der Völkerwanderungsepoche, in den Jahrhunderten vor der Zeit um 1000 heraus und war mehr als tausend Jahre in Europa die dominante, konnte aber seit dem 18. Jahrhundert, insbesondere seit der französischen Revolution, den Forderungen nach politischer Gleichheit der Bürger und nach Entfaltung der Produktivkräfte – wenngleich unter oft extrem brutalen kapitalistischen Ausbeutungsverhältnissen – nicht standhalten.

Zwar war diese letztere Entwicklung so nur  möglich durch die gleichzeitige Expansion des europäischen Kolonialismus und durch den Reichtum, der europäischen Ländern wie  Spanien, England, den Niederlanden und Frankreich aus der brutalen Ausbeutung der halben Welt zufloss; und es gehört zu den ermutigenden kulturellen Strömungen der letzten Jahrzehnte in Europa und den USA, dass insbesondere unter jungen Menschen diese Vergangenheit aufgearbeitet und  die heutige Fortsetzung kolonialer und rassistischer Praktiken abgelehnt wird.

Gleichzeitig muss man zu Ehren der europäischen Kultur festhalten, dass Kapitalismus und Kolonialismus auch von innen her in der modernen Epoche seit der Industrialisierung immer wieder radikal in Frage  gestellt worden sind. Die Arbeiterbewegung in Europa hat größte Anstrengungen unternommen, seit den Aufständen in Frankreich ab 1830, den damaligen Bewegungen auf den britischen Inseln und insbesondere der deutschen Bewegung seit den 1860er Jahren, mit dem Kapitalismus fertig zu werden. Millionen haben ihre Leben für diese Sache eingesetzt und verloren. Das halte ich für einen ganz wesentlichen Bestandteil des europäischen Erbes und auch der kulturellen Stärke Europas, und die Stärke dieser Momente wird sich auch in der heutigen Situation – wo sie fast vergessen scheinen, aber die Probleme, mit denen sie sich auseinandergesetzt hat, noch nicht gelöst sind – wieder in neuen Formen Geltung verschaffen.

Die Fülle der bisherigen praktischen und der denkerischen Auslotung der unterschiedlichsten Formen von menschlicher gesellschaftlicher Existenz in der europäischen Geschichte wird meines Wissens von keiner anderen Kultur übertroffen, vielleicht nicht einmal erreicht. Mit dieser Ansicht ist keine Abwertung anderer Kulturen gemeint, denn dass es dazu gekommen ist, ist ein konkretes Produkt realer Entwicklungen, nicht einer Überlegenheit, die schon früh gegeben gewesen wäre oder sich geschichtlich halten würde.

Jedenfalls gibt es nicht nur eine Schwäche Europas, in den Augen macht- und kriegsgeiler Oligarchen, sondern auch Stärken, von denen Gebrauch gemacht werden kann.

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A look ahead from Germany to 2025 – my „look ahead“ to 2025 and beyond

Published in German on January 6, 2025 by Walter Grobe

English translation by Google translator, with several corrections by the author, February 03, 2025

The New Year’s Eve fireworks in my city were lavish and lasted a long time, well past 1 a.m. The numerous people who took part, watched them and toasted each other – what moved them? Did they set them off to put themselves in a good mood for the transition into the new year or to express that they were expecting a good time? Did they want to drive away the demons that are already peeking out from behind the scenes in many places and looking like they are going to tear people apart?

The fact that ball bombs were thrown in Berlin and can already be bought more or less easily on the Internet is perhaps a sign.

Germany is being wound up, this has been evident for several years and, if one follows the blatantly pessimistic economic portrayals of the official media, this will accelerate considerably in the new year.

If so many companies, large and small, reduce their activities or stop them altogether, millions more people will become unemployed or will have to accept even lower incomes than before. It is doubtful whether the social systems will be able to cope with the new waves of poverty. It is well known that the German state has long since become unable to finance the total of pensions and other social benefits from the performance of the domestic economy and has to borrow from the international financial markets; it is estimated that the revenues from taxes and contributions required to finance the public budgets last only till June and so more than 50% of the money have to be borrowed.

However, if taxes and contributions continue to fall due to the waves of bankruptcies and rising unemployment, the state will have to pay significantly higher interest rates on its bonds than before and the debt spiral will accelerate.
Germany is being wound up in many ways and many people, some of whom will be named later, are working on this. War on its own territory is also being announced, even by ‚our own‘ politicians, as if this were normal and did not even particularly worry them. What concerns them seems to be more the question of how to reallocate budgets in order to buy lots of weapons. Even more taxes, even worse conditions in the education system and more social neglect…

Reason enough to expect bad, if not catastrophic, things from the new year or the next few years. But I also expect some different developments, something new and more socially promising.

To put it in a nutshell: the entire social model of the previous Federal Republic no longer applies.

For around 75 years, it promised citizens security, many of them a certain level of prosperity, and actually delivered on that. People were able to accept or forget a lot of things that were not among the good sides of the system: for example, many stressful, unsatisfactory working conditions, bureaucracy squared, corruption, environmental destruction, social, educational and moral decline…. – up to now, all of this has only ever worried minorities, small minorities, and prompted them to take political action, sometimes even to concepts that are difficult to understand and even outlandish and cannot reach the majority.

But now, larger parts of this majority are being affected by changes in the real conditions that had previously hardly been worried. Thoughts are becoming more agile and will put the previous assumptions to the test – and the consciousness industry is working at full speed to direct them in destructive directions. Divisions, fear and incitement are increasing. By having the population tear itself apart politically and socially as far as possible, the rule and enrichment of the billionaire classes – or so they calculate – can be maintained.

This can only accelerate the collapse. Why am I saying this?

Because every system of exploitation depends on cohesion, cooperation, mutual support, tolerance and a „we“ mentality prevailing in the productive population. When all social cohesion is ruined, when the neoliberal capitalist model has finally reduced all human relationships to monetary relationships, when every action is only measured by what I get in my account for it, the productivity of the social base collapses and with it ultimately the basis of exploitation itself. The medical system is a clear example, despite the enormous human commitment of many of those employed in it.

You can pack up.

The destruction will take many and sometimes extremely terrible forms, possibly even civil wars and military interventions from abroad, for example when nuclear powers carry out their rivalries on the territory of Germany and other European countries. Then parts could become uninhabitable and for many survivors, the basic economic basis of existence will disappear. The previous cases of energy supply and communication facilities being blown up can certainly be understood as ’subtle hints‘ of what is possible.

In other words: other forms of coexistence, social production, cohesion and peace will emerge. They will have to emerge because survival will no longer be possible in any other way.

In an earlier post, I gave examples of how some people in today’s society are already working on the foundations for something new: 1. they are better understanding the relationships between human societies and nature and are converting food production and agriculture to real sustainability and control by society at the grassroots level. 2.they are gradually better understanding how exploitation has developed in human society, starting with the patriarchal oppression of the female sex, and are working to overcome it; 3. they are gradually gaining a better understanding of certain one-sidednesses in modern European philosophical development, for example the one-sided, strong focus on the „individual“ as a supposedly autonomous source of knowledge, and on the „individual“ as the supposedly ultimate source of economic activity, views that have contributed significantly to unlimited individual profit-seeking, exploitation, colonialism, imperialism and racism. This understanding could help considerably in the practice of new – and in some cases old – forms of more collective and social economics.

Germany and the new „multipolarity“

If one tries to understand the internal contradictions that are now asserting themselves so blatantly and quite destructively in contemporary German society, the global shifts in the balance of power cannot be ignored. Germany has had a relatively secure place and function in these up to now; if everything is in flux globally, this aspect of German „security“ is also likely to be over.

From this highly complex and so far only partially recognizable processes, I would like to address here only the question of the development of the capitalist-imperialist rivalry between the traditional „western“ power center of capitalism, the USA, and its rising competitor China.

The key word is multipolarity.

Multipolarity could mean a new, different distribution of global power, of military, financial and political centers. The USA’s claim to global dominance, which has become untenable, is now being replaced, according to the positive interpretation, by a „fairer“ distribution between the two main centers, the USA and China, and one or two secondary centers (what currently seems to refer primarily to the EU). As a result, large global zones such as the so-called BRICS countries would now have more freedom of movement and better development opportunities. Brazil, South Africa, Central Asian countries, etc. would also benefit from the rise of China and the reduction of global controls by the USA and Western capitalism.

In addition to this relatively positive interpretation of the new multipolarity, which at first glance seems plausible, there are also darker aspects which, however, I must leave out for now.

These lines primarily deal with the narrow question: how could things continue with Germany, and this question takes on various concrete forms under the conditions of the new multipolarity. Under the previous global distribution of power, for example under the long-defunct „system competition“ between the USA and the so-called socialist bloc and later under the USA’s claim to sole superpower status, Germany was an indispensable building block, especially for the USA, but also for Russia in the post-socialist phase and for China in its first stages of development as the new industrial focus of world production – but Germany is now becoming increasingly dispensable.

This pleases some people.

At this point, I have to avail myself of an extremely condensed and simplified look at Germany’s global position since the 19th century. This glance is intended to draw attention to factors that continue to have an impact.

Until its relatively late turn to colonialism and imperialism, around the turn of the millennium in 1900, Germany had experienced a strong development of internal forces that distinguished it positively from the colonial powers of the modern era such as Great Britain and France and also the newly emerging neo-colonial power USA.

For example, the level of education of the entire population was significantly higher than that of the aforementioned, and accordingly the sciences, especially the natural sciences and their technical and industrial applications in the phase following German unification after 1871 developed to a relatively greater extent and strength than in the other powers. The so-called humanities, such as history and philosophy, i.e. the search for understanding the social and cultural development of humanity, also developed relatively strongly and in a relatively enlightened manner. In addition, there was an upswing in the modern workers‘ movement, which had begun in Germany soon after the start of modern industrialization and led to politically and morally strong organizations such as the old Social Democratic Party and trade unions that had no equal in other countries; before the start of the First World War in 1914, it seemed a real possibility that they the workers’ movement could gain political leadership in a relatively peaceful way. The war and the transition of the workers‘ leaders to the war party put a stop to this. The country was never to recover from this political and moral defeat; the Nazi dictatorship was one of the more direct consequences.

With its economic strength, which was still based on education, science, technology and a social peace – albeit forced – Germany was indispensable for both sides in the period after WWII and the period of system competition between the USA and the bloc led by the Soviet Union. The USA developed the Federal Republic of Germany, the Western part of the country, into a positive showcase of its capitalism towards the East; and the Soviet Union, for its part, urgently needed economic exchange with the FRG. One thinks, for example, of the so-called gas pipeline deal, which incidentally also included the German Democratic Republic (DDR) as an essential part.

After the collapse of the „Eastern Bloc“, little changed in this regard, as the remaining Russia continued to compete with the USA for political influence in Europe and for the use of economic relations with Germany.

If China now emerges as a power that becomes a world leader in almost every technical and industrial respect and, in the spirit of the new multipolarity, the structurally weak Russia virtually joins in; on the other hand, if industry in Germany collapses, partly due to the long-term ruin of its own energy supply, and loses its former capitalist importance for international capital, be it in the USA, China or other parts of the world, then the country becomes increasingly shaky as a force that had so far always been able to maneuver between the blocs and maintain itself.

I assume – on my own responsibility, because no one dares to talk about it here – that there is a tendency in the USA that wants to finally put an end to this eternally unreliable candidate who has so far prevented the USA from clearly dominating the European continent and has always been a source of fundamental criticism of the criminal basic structures of the USA.

In my view, multipolarity does not primarily mean an attempt at order that tends more or less towards stability and diplomatically negotiated non-war conditions, but on the contrary a permanent conflict over the spheres of influence of the two hegemons, the USA and China, i.e. also a permanent state of war or semi-war, at least between so-called representatives.

The further wars announced in Europe, including in Germany, are likely to be of this kind, the precursors of which, such as the Balkan War of 1999 and the Ukraine War, have already shown similar traits. They were wars about whether the USA or the Russian-Chinese coalition, which had been emerging since around 1995, would be in charge. I would like to stress here that the internal conditions of this coalition do not seem to me to have any better qualities than the Western ones.

After attempting to outline as briefly as possible some developments that can and probably will have destructive, even fundamentally destructive effects on our country, I would like to stress in summary that there are internal strengths in our history and culture that continue to have an impact; that the upheavals will force many people to reorient themselves; and that, in my opinion, there are also many people among us who are beginning to recognize the challenges and are not giving in.
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Zur Migrationsdebatte

Migration, ein wesentlicher Teil der Gesamtentwicklung unseres Landes, ist abhängig von den großen globalen Umwandlungen, die es längst ergriffen haben. Nicht nur das unsere.

Wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft? Welche Entwicklung wird von ihrer Mehrheit tatsächlich gewollt, von ihren Minderheiten, von den unterschiedlichen Interessengruppen? Können die zunehmende Spaltung, das vielfältige Gegeneinander, das anscheinend um sich greift, eingehegt werden?  Geht Deutschland ökonomisch den Bach hinunter? Müssen wir mit weiteren europäischen Kriegen rechnen, die auch unser Land zu zerstören drohen ähnlich der Ukraine? Welche internationale Stellung soll es einnehmen inmitten der Rivalität von Großmächten wie den USA und China, inmitten zunehmenden Elends in großen Teilen der Welt?

In den letzten Monaten wurde von Parteien und Medien die Migrationsfrage in den Mittelpunkt gestellt, aus den übergeordneten Zusammenhänge gerissen und sachlich nach Kräften verdreht.  Anscheinend versuchen CDU/CSU und AfD, mit ihren Versionen der Migrationsfrage die anstehende Wahl zu gewinnen.

In den Bundestags-Anträgen der CDU/CSU, in den Forderungen der AfD kann ich keinen gesellschaftlich verantwortlichen Standpunkt erkennen, in den abwehrenden Stellungnahmen anderer Parteien auch kaum etwas Anderes als Panik vor dem drohenden eigenen Machtverlust.

Die Migrationsfrage wird nicht sachlich behandelt, sondern für Parteitaktiken instrumentalisiert. Als Beispiel: Merz‘ „neue Dimension der Gewalt“

Der sog. 5-Punkte-Antrag der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, der am 29. Januar 2025 mit knapper Mehrheit angenommen wurde, behauptet allen Ernstes, mit den jüngsten Mordattacken von Aschaffenburg und Magdeburg sei „eine neue Dimension  der Gewalt“ entstanden. Der Haupttreiber der Migration sei Russland mit seinen Schleusertätigkeiten.

Der Haupttreiber der Migration  nach Deutschland ist seit Jahrzehnten auf der einen Seite das Elend in vielen armen Ländern und andererseits das Begehren von Wirtschaft und Staat in Deutschland nach massiver Einwanderung.

„Eine neue Dimension der Gewalt“ ist eine realitätsfremde Parole. In den letzten Jahrzehnten hat es  immer wieder Mordattacken gegeben, mit denen die Öffentlichkeit beunruhigt wurde. Teilweise war der Zusammenhang der früheren Taten mit der Migration dubios, teilweise trugen sie migrantenfeindlichen Charakter. Sind der LKW-Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin oder die Attacke von Hanau vergessen? Als deren Täter wurden sowohl Menschen mit wie auch ohne  Migrationshintergrund benannt. In Merz‘ Anträgen wird gar nicht erst versucht zu belegen, in welcher Weise schärfere Einreisekontrollen und ein Mehr an Abschiebungen die gesellschaftlichen Quellen solcher Taten eindämmen und zu mehr Sicherheit führen sollen.

Und die Gegenseite, namentlich SPD und Grüne, gibt sich, als erkenne sie ihre eigenen Irrwege nicht, bspw. auf ökonomischen Gebiet oder in der Coronaphase, die ihr von der AfD um die Ohren gehauen werden, und könne der Bevölkerung ernsthaft ein Weiter so anbieten. Populismus pur auf allen Seiten.

Meine Überlegungen gehen in mehrere Richtungen:

  1. Deutschlands Bevölkerung besteht im Jahre 2025 zu ca. einem Viertel aus Menschen, die entweder selbst direkt eingewandert sind oder deren beide Eltern Migranten waren. So die Mitteilung des Statistischen Bundesamtes. Zudem werden in der nächsten Zeit weitere Millionen an unsere Grenzen pochen bzw. diese trickreich überwinden.

 

Die bisherige Einwanderung, die legale wie auch die weniger legale, wurde seit Jahrzehnten von der Wirtschaft und den überwiegenden Stimmen in der Politik befürwortet, ja regelrecht gefordert und, wenn illegal, doch in großem Maße geduldet. Ohne sie hätte das Land mittlerweile einen dramatischen Verlust an Einwohnern und Arbeitskräften verzeichnen müssen, was sowohl von der Wirtschaft wie den Bevölkerungsforschern als große Gefahr gesehen wurde.

 

Wie soll diese Situation in Zukunft  positiv weiterentwickelt werden, im Sinne von mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt und gemeinschaftlicher Sicherung der Existenzgrundlagen?

 

  1. Die deutsche Gesellschaft ist – noch – eine der reichsten der Welt. Ihr Reichtum, freilich recht ungleich verteilt, speist sich zu erheblichen Teilen aus einer internationalen Wirtschaftsstruktur, in der Länder wie die USA und fast alle europäischen Länder die dominierende Stellung einnehmen und durchaus als die Hauptprofiteure benannt werden können; mittlerweile ist mit China ein mächtiger Konkurrent und Rivale entstanden, der auf internationale Ausbeutung ähnlichen Zuschnitts hinsteuert.

 

Jedenfalls ist der Gesamtkomplex „unserer westlichen Länder“ Haupt- oder Mitverantwortlicher, Nutznießer von globalen Austauschverhältnissen, in denen große Teile der Weltbevölkerung aus der Armut nicht herauskommen können und die Ressourcen des Planeten rücksichtslos verschleudert werden.

 

Freilich sind die eigenen Strukturen vieler armer Länder durchaus mit zu kritisieren, bspw. in dem Sinne, dass sie von korrupten Oligarchien beherrscht werden, die an der Armut, der mangelnden Kultur und der politischen Ohnmacht ihrer Bevölkerungen mitverdienen und sie mit aufrechterhalten.

 

Wenn unter diesen Bedingungen in vielen dieser benachteiligten Zonen der Welt Migrantenströme entstehen und viele Menschen keine andere Lösung finden als selbst unter den größten Schwierigkeiten und Gefahren den Eingang in Gesellschaften zu suchen, in denen sie und ihre Familien sich vielleicht besser entwickeln können als im Elend Afrikas, des Nahen Ostens usf., dann ist dagegen kein Kraut gewachsen. Es wird auf die Dauer keine Grenze geben, die völlig dicht gemacht werden kann, auch wenn drei Meter hohe Zäune, Kriegsschiffe und Heere von Grenzsoldaten aufgeboten würden.

 

Wichtiger noch: unter diesen globalen Bedingungen entsteht eine moralische Verpflichtung für die Menschen der reichen Länder, an der Linderung des Elends mitzuarbeiten, sei es, indem sie für möglichst große Zahlen von Migranten Zuflucht und Existenzmöglichkeiten schaffen, sei es indem sie an der Entwicklung einer gerechteren internationalen Ordnung mitarbeiten.

 

  1. In Deutschland leben mittlerweile viele Millionen von Menschen, die noch immer nicht völlig oder kaum „integriert“ sind, wie es so schön heißt.

Millionen haben – noch – keine Einbürgerung, und ihre Verfahren dauern teilweise endlos, das Statistische Bundesamt führt nicht weniger als „13,9 Millionen ausländische Bevölkerung“ an. Millionen sind schon lange als „Asylsuchende“ hier oder wurden bspw. als die Flüchtlinge von 2015 hier aufgenommen. Sie fungieren zu erheblichen Teilen als billige Arbeitskräfte, die Vieles akzeptieren müssen; über einem Teil von ihnen hängt ständig die Drohung, eines Tages wieder abgeschoben werden zu können. Das Interesse aus der Wirtschaft an solchen ‚Reservearmeen‘ möglichst billiger und rechtloser Arbeitskräfte, aber auch an gut Ausgebildeten liegt auf der Hand und ist mE einer der Hauptgründe dafür, dass in den vergangenen Jahrzehnten dieser millionenfache Zustrom, der schon lange im Gange  ist, von der Politik nicht wesentlich eingeschränkt worden ist.

 

Viele von ihnen arbeiten sich beruflich und bildungsmäßig hoch und besetzen mittlerweile bessere Positionen, in denen sie auch dringend benötigt werden – weil aus der „Stammbevölkerung“ der Nachwuchs zu schmal ist.

Mit der Integration in der Arbeitswelt ist allerdings noch keineswegs eine volle gesellschaftliche Integration verbunden. Zu dieser gehören u.a. Sprachbeherrschung, Bildung und Kultur, die Bereitschaft, sich als mitgestaltende Bürger einer demokratischen Gesellschaft zu verstehen, sich zu engagieren und entsprechende Fähigkeiten zu entwickeln.

Die Förderung solcher positiven Entwicklungen kann nicht allein Aufgabe der Bürokratie sein.

Viel mehr Menschen könnten sich für die gesellschaftliche Integration engagieren. Sie  könnten zum Beispiel in der sprachlichen, der kulturellen Bildung von Migranten mitarbeiten, sie könnten bei der Bewältigung der Probleme im Arbeitsleben, im Umgang mit der Bürokratie und vielen anderen Problemen  den Betroffenen helfen. So werden gegenseitiges Unverständnis, kulturelle und religiöse Gegensätzlichkeiten, Missgunst und Spaltungen nicht die Oberhand gewinnen.[i]

Damit möglichst viele positive gemeinschaftliche Entwicklungsgeschichten sich ereignen können, braucht es nicht wenig Engagement, konkrete Arbeit, finanzielle Mittel usf. auf allen Seiten, und die Leistungsfähigkeit jeder Gesellschaft auch auf diesen Gebieten hat ihre Grenzen. Man wird keine Migrationspolitik erfolgreich machen können, die die Gefühle der Bürger dafür missachtet, wieviel sie selber zu leisten imstande und willens sind. Parolen wie: ‚alle Grenzen einreißen‘ oder ‚Kein Mensch ist illegal‘ sind vielleicht moralisch-kategorisch reines Gold, stoßen aber viele Bürger vor den Kopf, auf deren guten Willen und deren Kooperationsbereitschaft es letztlich doch ankommt, wenn es möglichst vielen Migranten hier einigermaßen gut gehen soll. Sie bewirken das Gegenteil dessen, was angeblich angestrebt wird.

Die Spaltungen werden denjenigen, die an der Aufrechterhaltung der ungerechten Verhältnisse interessiert sind, die Verlängerung ihrer Herrschaft sichern helfen.

Keineswegs nur in der Migrationsfrage wird es viel bürgerliches Engagement brauchen.

Viele Menschen, die den deutschen Pass in die Wiege gelegt bekamen, darunter auch manche Kinder und Enkelkinder von Migranten, haben sich mental von gesellschaftlicher Mitverantwortlichkeit entfernt bzw.  hatten noch nie viel Sinn dafür. In der Migrationsfrage trifft man nicht selten auf Muffigkeit, Abwertung, Missgunst, Unverständnis bis hin zu rassistischen Vorurteilen. Es gibt antideutschen Rassismus auch unter manchen Migranten  und der deutsche Staat hat seinerseits in der Vergangenheit immer wieder einmal eine merkwürdige Toleranz bspw. gegenüber islamistischer Hasspropaganda an den Tag gelegt.

Eine Gesellschaft, deren Bürger vor allem darum kämpfen – individuell oder als gesellschaftliche Interessengruppen –  vom herrschenden System für sich selber den maximalen Vorteil zu sichern, ohne die Gesamtentwicklung positiv beeinflussen zu wollen, ist zum Untergang verurteilt.

Ich habe nicht vor, Demokratie und Sozialstaat Deutschlands zu positiv zu zeichnen. Sie haben ihre Vorzüge; aber von wirklicher Demokratie und wirklicher Sicherung Aller zu sprechen wäre irreal.

„Die Deutschen“ bieten im Hinblick auf gesellschaftliches Engagement ein recht gemischtes Bild. Gesellschaftliches Engagement in vielen Fällen und Spielarten steht neben krassem Individualismus, Neid und Konsumismus.

Viele Bürger engagieren sich nach wie vor z.B. im ‚Ehrenamt‘, in sozialen und politischen Initiativen.

Als 2015 auf Einladung der Kanzlerin Merkel eine Welle von – nach offiziellen Angaben – 1.5 Millionen Menschen nach Deutschland kam, entstand auch eine Welle millionenfacher Hilfsbereitschaft für die Ankommenden. Das ist eine Seite.

Aber auch das Paar, das keine Kinder bekommen möchte, weil die Geld und Verantwortung kosten, sich aber teure Urlaubsreisen gönnt und vielleicht Hunde oder Pferde hält, gehört zum Bild.

Auch die Menschen, deren Löhne zu knapp und zu unsicher sind, um die Frage nach Nachwuchs positiv beantworten zu können, gehören dazu, und auch diejenigen, denen suggeriert wurde, dass sie als Deutsche, unter der historischen Last der Naziverbrechen, besser handeln würden, wenn sie auf Kinder verzichten und zum Aussterben dieser Nation beitragen.

Die negative demografische Entwicklung, die seit 1975 bereits vorausgesehen wurde und ein wesentliches Motiv für die Einwanderungspolitik der Bundesrepublik Deutschland war und ist, ist ein Produkt solcher mentaler, propagandistischer, ökonomischer und politischer Faktoren.

Zu sagen, dass ‚die Deutschen’ (in ihrer Masse) die Migration (in der Masse) selbst mit zu verantworten haben, wäre nicht völlig falsch; es müsste dann aber auch gesagt werden, unter welchen Umständen die Defizite an gesellschaftlich bewusstem, politisch verantwortlichem und zukunftsorientiertem Leben zustande gekommen sind. Die Existenz von „antideutschen“ Formationen und ‚antideutscher‘ Propaganda unter uns wäre eines der Symptome, die zu genauerem Nachdenken beitragen könnten. Davon ausgehend wäre es nicht weit zu fragen, woher das scheinbare Gegenbild kommt, eine AfD beispielsweise, deren Führung mittlerweile die Wolfszähne von „nationalem“ Egoismus, von noch mehr Bereicherung der Superreichen und der entsprechenden Ankopplung an den Digitalfaschismus in der Version Trump/Musk entblößt.

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Ich hoffe, mit dieser Aufzählung von Entwicklungen, die in meinen Augen die Landschaft der Migrationsfrage fundamental prägen, ein wenig dazu beizutragen:

  • dass dem faktenfremden und moralisch höchst fragwürdigen Treiben, Migranten und „Deutsche“ gegeneinander auszuspielen und mit Verdrehungen dieser ernsten Frage sich parteitaktische Vorteile zu ergattern, etwas entgegengesetzt werden kann.

Was heute taktischer Vorteil bestimmter Parteien sein mag, wird der Gesellschaft insgesamt zu schweren Nachteilen gereichen. Man muss die Entwicklung nüchtern, aufs Ganze und auf Jahrzehnte blickend ins Auge fassen und politisch mehrheitsfähige, tragfähige Lösungen über viele gegenwärtige Spaltungen hinweg erarbeiten.

 

  • dass mehr Menschen sich den reichen Möglichkeiten gesellschaftlicher und politischer Aktivitäten zuwenden, mit denen Spaltungen überwunden und Kooperationen angebahnt werden.

 

  • dass der Blick sich weitet auf die globalen Zusammenhänge und die Defizite der gegenwärtigen Weltordnung, zu der auch unvermeidlich die wüsten kriegsträchtigen Rivalitäten reicher Oligarchien in Ost und West, Nord und Süd gehören.

 

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[i] Eine Bemerkung zur Kriminalstatistik: wenn Menschengruppen – nicht immer zu Unrecht – sich dauernd als benachteiligt oder ausgegrenzt fühlen, werden sie stärker als der Durchschnitt zur Kriminalität neigen, bspw. zum Drogenmilieu oder zu Gewalttaten. Dass Migranten als solche eine stärkere Quelle von Kriminalität seien als Nichtmigranten, halte ich für eine wacklige These. Wer sich aber von der Gesellschaft nicht akzeptiert fühlt, wird sich auch nicht verpflichtet fühlen, deren Regeln einzuhalten.

Dieser Beitrag wurde am 05.02. 25 leicht verbessert.

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