Die geopolitische Bedeutung des Brexit

Der Brexit hat eine geopolitische Dimension, die von den Politikern und Medien dies- und jenseits des Kanals anscheinend ungern behandelt wird. Stattdessen schiebt man alle möglichen anderen Widersprüche hin und her, ob es der undemokratisch-bürokratische Charakter des EU-Regimes oder die Arroganz der Briten, die Erschütterungen der Finanzmärkte oder das Aufkommen von Populisten oder was auch immer ist.

Geopolitisch bedeutet der Brexit, dass die bisherige politische und militärische Verklammerung Europas  mit den USA sich mit großen Schritten der Auflösung nähert. Großbritannien  als Mitglied der EU war über Jahrzehnte ein wesentliches Element dieser Verklammerung. Die britischen Regierungen hatten in den Augen der USA vor allem die Aufgabe, die Entwicklung der EU im Sinne der USA zu beeinflussen, und sie haben viel auf diesem Gebiet geleistet. Für die kontinentaleuropäischen Staaten bedeutete das Bündnis mit den USA aber auch das Bündnis mit einer militärischen Potenz, die man aus eigenem nicht annähernd zu erbringen in der Lage war, oder wollte. Man nahm die politische Unterordnung unter die USA und den Dauerärger mit den Briten in Kauf, solange man via NATO im Bunde mit der stärksten Militärmacht der Welt sich wähnen konnte.

Wenn jetzt im ziemlich brüsker Weise erklärt wird: Schluss mit der britischen Klammerfunktion, dann bedeutet das auch, dass nicht nur wesentliche Teile des britischen Establishments, sondern wesentliche US-Strömungen volle Pulle dabei sind, sich aus dem Bündnis mit Europa zu verabschieden. Ohne das backing aus den USA wären diejenigen Teile des britischen Establishments, die jetzt den Brexit zuwege gebracht haben, ziemlich matte Figuren.

 

Wenn die politisch-militärische Verklammerung der USA mit Europa, mit Großbritannien  als einem wichtigen Bindeglied, jetzt zur Disposition gestellt wird, kann man vermuten, dass die verantwortlichen Kreise dabei sind, sich auf neue globale Konstellationen einzustellen, in denen Bündnisverpflichtungen ggü. Kontinentaleuropa  ihnen im Wege sind. Wenn man aber die kontinentale EU als ein Gebilde sieht, für das es sich nicht lohnt Bündnisgarantien abzugeben und ggf. zu kämpfen, ist auch der nächste Schritt nicht mehr weit, sie unter die potentiellen Gegner einzureihen.

Der Brexit ist als Vorandeutung einer möglichen, wenn auch nicht zwangsläufigen Kriegserklärung der USA an Kontinentaleuropa zu verstehen.

Dieser Aspekt ist hundertmal wichtiger als alle ökonomischen Kümmernisse.

Zweifellos hat Großbritannien  nie wirklich zu Europa gehört. Historisch hat sich das Vereinigte Königreich über Jahrhunderte hinweg damit beschäftigt, auf dem Kontinent Spaltungen, Konflikte und Kriege zu fördern, die ihm die Möglichkeiten geben sollten, die europäischen Staaten gegeneinander sich schwächen zu lassen, um dann als der Schiedsrichter und letztliche Entscheider wirken zu können. Während das Vereinigte Königreich sich das größte Kolonialreich der Geschichte schuf und daraus überlegene Reichtümer zog, war seine Haltung gegenüber dem Kontinent vorwiegend destruktiv. Eines der späten Details dieser traditionellen Politik war die massive Unterstützung, die das Hitlerregime durch das britische Establishment erfahren durfte, mit dem bekannten, aber keineswegs exzentrischen Höhepunkt der sog. Appeasement-Politik der dreißiger Jahre.

In Anbetracht solcher langjähriger für Kontinentaleuropa vorwiegend unerfreulicher britischer Traditionen könnte man durchaus zur Stimmung neigen: gut, dass die endlich draußen sind, noch besser, dass sie es aus eigener Überheblichkeit geschafft haben. Aber das wäre nur eine Seite der neuen Situation. Diese Stimmung darf nicht davon ablenken, dass mit dem Brexit existentielle Herausforderungen für die EU deutlich und bedrohlich werden. Wie hält man es mit dem Aufbau eigener militärischer Stärke, mit einer eventuellen Verteidigung auch in Richtung Westen, mit künftigen internationalen Bündnissen; wie wird man damit umgehen, wenn in den USA Strömungen an die Regierung kommen, die erklärtermaßen von der NATO nichts halten, für die Europa nur ein dekadenter Haufen von Stänkerern ist, die einer neuen Größe der USA und ihrer ganz großen historischen Auseinandersetzung mit China ständig im Wege stehen? Diese Widersprüche schälen sich schon seit längerem heraus, der Brexit allerdings beschleunigt ihre Entwicklung. Davon sind nicht wenige Politiker überfordert. Er zwingt, die Fragen anzugehen, um die man in der bisherigen Situation immer weiter meinte sich herumdrücken zu können.

Ich spreche keineswegs  einer künftigen  Orientierung der EU auf ein Bündnis mit Russland bzw. mit China plus Russland das Wort. Man wird versuchen müssen, aufgrund eigener militärischer und politischer Stärken (die dringend zu erarbeiten sind) zu neuen, gleichberechtigteren Beziehungen zu den USA zu kommen, schon einmal um einer Vereinnahmung durch China etwas entgegensetzen zu können. Es bleibt den europäischen Staaten, die in der EU zusammengeschlossen sind, nichts anderes übrig als eine solidere und stärkere Einheit zu schaffen, denn als einzelnen droht ihnen in der heutigen Welt seitens solcher Supermächte wie den USA und China die Vernutzung, der Ruin und das Ausscheiden aus der Weltentwicklung.

 

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China and the Rest of the World – Facts, Questions and Opinions from Four Relevant Books

 

Originally published in German by Walter Grobe 2016 May 16

English translation by the author, published 2016 June 1. Some improvements of the translation: 2016 June 16.

 

 

Will there be war between the US and China?

What is at stake in the confrontation in the South China Sea ?

How significant for Europe are opportunities of an Eurasian combination with China, Russia and Central Asia?

What kind of social relations are developing inside China?

What is the character of the new Chinese bourgeoisie, which are the social models, moral ideas and methods of rule developing there, how do they impact other societies internationally?

Is Africa being colonized by China?

How strong is already the Chinese influence in the chaotic regions of North Africa, Near East (Syria, Arabic peninsula etc.), Middle East (Iraq, Afghanistan), Iran?

How will the rivalry with India develop?

 

This is only a small collection of questions imposing themselves constantly on a reasonably considerate observer of the politics of the day. Regrettably, they are being dealt with much too little, if at all, in the German media, in the mass media as well as in the so-called quality newspapers, and if, then with too little interest in sound analyses. One hasn’t to be a deep thinker, though, for to guess or already feel how the questions connected to  China are contributing strongly to the formation of our own German or European future. The traditional international alignment with the US can no more be taken for granted; the European economy is increasingly characterized by the exchange with China, the investments in China and, reversely, China’s investments in Europe are increasing, there are forerunners of a Chinese migration to Europe – especially in Italy and countries of the south-eastern periphery, etc. pp.

 

Such a view on the question „China“, concentrated on Europe and the interests of the European population, is of course not the only possible starting point for considerations and analyses, although it might seem obvious initially. The question for the development of the whole of the globe’s population and the globe itself must always be the superior one, no matter from which part of the world one might be starting.

 

During the past months, I‘ve read some books that deal directly with China.

 

“China’s Coming War With Asia” by Jonathan Holslag

„Chinas Kapitalismus. Entstehung, Verlauf, Paradoxien“ by Tobias ten  Brink

„Age of Ambition. Chasing Fortune, Truth, and Faith in the New China“ by Evan Osnos

„When China Rules the World“  by  Martin Jacques

I should like to add “China’s Second Continent. How a Million Migrants Are Building a New Empire in Africa“, a book by Howard French that has already been commented at length in a  posting of mine of 2014/June/8.

 

The books display a great variety of starting questions, interests of the authors and methods of research and presentation. At first I’ll introduce them very concisely, then present some excerpts and comment them; further on, I’ll attempt to verbalize my own look at some problems.

 

1. Jonathan Holslag is, according to the blurb of the German edition (which I used), professor of international politics at Vrije Universiteit Brussels and an advisor on questions of military and international politics to diverse European and Atlantic political institutions. Among other publications, he issued the contribution „How Europe Will Survive the Asian Century“  in 2014.

 

There are some divergencies between the – original and less reluctant – English title „China’s Coming War with Asia“ and  the German one: „Frieden auf Chinesisch. Warum in Asien Krieg droht“. The book was published by Polity Press, Cambridge in 2015, the German translation by edition Körber-Stiftung, Hamburg, 2015.

 

Holslag derives his presentation from the assumption of “four great aspirations” on which the Chinese nation-building rests:

“First of all, it implied securing control over frontier lands, Yunnan, Tibet, Xinjiang, Inner Mongolia, and so forth. Second, it meant that the Party had to be recognized as the legitimate political structure. It was clear for its leadership that this required bringing back stability, feeding the people, and enabling sustained economic growth. Third, China had to be able to get its sovereignty respected: on paper through diplomatic recognition and in practice by resisting great power interference. Fourth, a strong Chinese nation had to recover its lost territory.” (p.21)

Detailing these problem areas, Holslag analyses China’s boundary problems with its neighbors; the character and the problematic perspectives of its economic boom, e.g. the dependence on the exploitation of extremely cheap wage labor, but also on the economic linkages with Asian neighbors; and above all the struggle with the US for military and political dominance in the East and South China Sea, that is to say along China’s entire maritime border,

 

 

2. „Chinas Kapitalismus. Entstehung, Verlauf, Paradoxien“ by Tobias ten Brink is a scientific contribution (professoral dissertation) at the „Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung Köln“ and was published by Campus edition, Frankfurt/M., already in 2013.

 

The main strength of this book lies, in my opinion, in the analysis of the interactions between Chinese domestic capitalist drives and those of international capitalism, beginning with the so-called reforms under Deng Xiao-Ping since 1978 and the first investments by Overseas Chinese capitalists, then highlighting the linkages with international, mainly Western companies and global finance capitalism, that characterized the following decades increasingly. Ten Brink deals extensively, too, with the domestic social contradictions, in the first place the so-called migrant workers, that is to say the Chinese proletariat of today which has made the Chinese bourgeoisie and parts of global capitalism richer than exploiters of any former era could have hoped to be.

 

 

3. „Age of Ambition. Chasing Fortune, Truth, and Faith in the New China“ (Farrar, Straus and Giroux, NY, 2014, „National Book Award“) by Evan Osnos. This the work of an US journalist who has been working for the “Chicago Tribune” and the “New Yorker”. The German edition bears the title „Grosse Ambitionen. Chinas grenzenloser Traum“ and was published by Suhrkamp Berlin in 2015. (Again the English original title is more direct and fuller of content than the German one. I used the German translation)

 

The book uses, partly, some of the author’s previous reports. It portrays a collection of single personalities of today’s China and from that angle of view throws light on social problems, the ruling party’s methods, questions of liberty for the media, characters of enrichment, corruption etc. China’s relations to “Western” capitalism are, in some instances, illuminated, but do not undergo systematic reflection. China’s relations with its Asian neighbors, the rivalry with the US are hardly touched upon.

On the other hand, the reader is being directly confronted with sayings, goals and views of active Chinese contemporaries – Osnos’ journalistic reliability presumed. Even if Osnos is focusing on personalities who could be interesting for the typical US-mainstream narrow human rights point of view, many of their utterances as well as the depiction of their biographies seem to me to bear marks of authenticity.

 

 

4. Finally , “When China Rules the World“ by Martin Jacques.

 

The British journalist, contributor to many academic institutions in the UK, in China and other East-Asian countries as well as in the US, has produced a curiosity. Sharply contrasting the author’s own past as editor of a London-based magazine “Marxism Today” until 1991, Jacques  displays the least interest, as compared to the other three authors,  in the Chinese working class and the crass contradictions of modern capitalism, Chinese as well as international capitalism, which the Chinese working class personifies. Jacques prefers to write on the heritage of Confucianism in modern Chinese culture, depicting it in positive terms, on the “humane authority” possibly characterizing China’s present ascendancy, an ascendancy that “would indeed represent a now kind of global leadership.” (p. 595)

 

Jacques ’book seems to borrow central elements from the positive self-manifestation of the new Chinese rulers, but not only that: could it seem imaginable that in Western capitalism, above all in its global finance capitalist peaks, some hopes are being kindled as to some kind of commonness with China in the fight for survival of capitalism? Could that yield better results than going alone and stubbornly insisting on “Western values” vs. “Chinese dictatorialism”? Do such hopes already finding unobtrusive expression with authors like Jacques ?

 

Jacques  clearly writes about perspectives for the “West” becoming more like China, more confucianist, warming up to a coming global Chinese dominance that could gradually replace the American one. He propagates old Chinese ideas like “Middle Kingdom” quite openly, which he sees as the potential future centre of the world. That it is about unfettered capitalist enrichment drives much more than about Confucianism and “harmonious” imperial bureaucratic government, he assiduously keeps out of the picture.

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Now I’m going to describe some essential elements of the individual books, at first Holslag’s „China’s Coming War With Asia”.

 

Apparently, Holslag is so confident in his analysis that there will be war between China and other Asian nations that he has chosen an English title for his book which asserts exactly this.

On the other hand, he also gives expression to hope that things won’t take that turn:

“War in Asia has become more likely. Recognizing this should be the first serious step in any effort to prevent it.”(Preface, p. VIII)

The term of the English title, „war with Asia“, is different from the term chosen for the German edition. Here we read “Frieden auf Chinesisch. Warum in Asien Krieg droht.” In English, this would read approximately as „Peace the Chinese way. Why there is war impending in Asia”.  “War…in Asia” could as well be a war with the US, perhaps but not necessarily with Asian nations taking part on the side of the US, others on the side of China.

On the other hand, the German title contains something like a pointed remark at China. Such a tendency, though, is not being upheld in the extensive text about the tensions between the US (and Japan) and China over the military control of the South China Sea, see chapter 8 “The Contest for the Pacific”.

Her we read that China’s sorrows are indeed justified.

The shifts of tendency that can be observed between the miscellaneous terms in German and English are, in my opinion, a reflection of the uncertainties which necessarily arise in dealing with these questions.

 

“From the Sea of Japan to the Great Australian Bight, China watches itself being surrounded by an intimidating shield of plate steel, sensors, and missiles. Chinese experts are unanimous: China can have no coastal defense, no chance to recover its lost territory, and no security for its economic heartland without deterrence in the Western Pacific.” (154)

(„Lost territories”:  this expression refers to Taiwan and those of the islands in the South China Sea which are possibly claimed rightfully by China. An international arbitration procedure concerning islands is underway, initiated by the Philippines but not acknowledged by China.)

Holslag  shows understanding, too, for Chinese considerations to become capable of “ “offshore defence through blue water deterrence” (157),  i.e.  to build a blue water navy for the Western Pacific in order to be able to confront the US’ claim for military supremacy over the coastal regions of China.

Holslag’s presentation makes it clear, too, that the tensions in and around the South China Sea   do not result in the first place from conflicts between China and neighboring nations like Vietnam and the Philippines about this or that island or economic spheres, but from the US’ military deployment in the whole sphere of nations and islands offshore the Chinese coast. Understandably, the US is striving to win over as many neighbors of China as possible on its own side.

Furthermore, Holslag analyses the conflicting regional interests, e.g. between China and Vietnam, China and India. These contradictions might give rise to alliances under the leadership of the US on one side, of China on the other, and might create further potentials for war. To create a sufficient counterweight against China by an alliance of several nations of the region and thus to make possible long-term stability, is considered difficult by Holslag, though. (161 f.)

 

“This will be complicated by another factor: nationalism. There are of course many forms of nationalism, but three characteristics are common: First, Asia is not a bunch of battered states, which Europe was when the United States spearheaded the Atlantic alliance against the Soviets in the 1950s. Most Asian states are young, restless, fixated with status, and ambitious to advance their own interests. Second, nationalism is strengthened by domestic and international uncertainty….Third, …., Asia’s new nationalism is increasingly Sinophobic.” (162)

 

„Asia’s new nationalism is partially a symptom of its growing socioeconomic troubles and those problems are likely to increase. We are thus likely to enter a period in which more mutual concessions are required to ward off more dangerous confrontations, but in which politicians also will be less willing to make such concessions.” (162)

„Status quo powers clinging to their primacy and privileges, like the United States, are as threatening to Asia security as a rising revisionist. It is the security dilemma between the two that causes the friction, not just China.” (169)

(China is called a „revisionist nation“ by Holslag here in the sense of its interest in revising certain present partitions, e.g. the separation of Taiwan.)

 

An important element of the coercions dominating China’s policies is the inner pressure produced by China’s capitalism, as Holslag is stressing time and again and, in my opinion, rightfully. Whereas China has shown restraint in its past relations to the neighbors and has avoided confrontations in the territorial conflicts, as Holslag appreciatively states, now it will become much more difficult for it, because of domestic social reasons, to rise peacefully (171).

 

The danger of fundamentally disappointing the population and losing its support because the economic ascendancy slows down, forces the leadership to further expand foreign trade by continuation of the low-wage-regime in industry; promises to reorient the economy towards the inner market, to strengthen infrastructure, to raise wages and mass consumption cannot be achieved under these contradictions. In reality, China, according to Holslag, in order not to be caught in the trap of middle average income – what would instigate domestic unrest – is forced to flood the markets of the Asian neighbors with its industrial products, to compete against their industries in a ruinous way and to increasingly press them into the subordinate position of providers of raw materials.

The international economic relations of China’s Asian neighbors, at present still relatively free, would come under  pressure, these nations would lose parts of their prosperity prospects and their economic autonomy under the pressure of their giant neighbor. “China’s economic model causes instability.“ (171).

 

„Not only is there more criticism about Chinese policies of trade diversion and industrial nationalism; countries also become more frustrated about the unbalanced trade relations. In recent years, Beijing still appeared to be able to assuage some neighbors by offering more credit, but that did not work everywhere.. Another consequence of China’s emerging catch-it-all economy is that it prevents neighbors from developing or maintaining their own manufacturing base, limiting deficits on the current account, reducing their dependence on raw materials, constraining inflation, and creating jobs in the formal sector. That leads to dwindling satisfaction and political trust, which, in turn, leads politicians to respond with more nationalistic policies and not seldom to resort to Sinophobic nationalism. This all comes at a moment when China itself is becoming less confident about the durability of its economic success and growing domestic concern about the future of the country.”(171/2)

These considerations by Holslag are supplemented and reinforced by ten Brink’s exemplifications about the rising social tensions in China, in the first place because of the continuing miserable treatment of the workers. See the following section about ten Brink.

 

 

 „Chinas Kapitalismus. Entstehung, Verlauf, Paradoxien“ von Tobias ten Brink

 

The main fortitude of this book lies, in my opinion,  in the historical depiction of the interaction between Chinese domestic capitalist drives with those of international capitalism, beginning with the so-called reforms under Deng Xiao-ping  since 1978 and the first commitments of Chinese capitalists from abroad up to the entanglements with international companies, mainly Western ones, and with international finance, which increasingly put their stamp on the following decades. Ten Brink also deals extensively with the domestic social contradictions, in the first place the question of the so-called migrant workers, that is to say the modern proletariat of China that has made the Chinese bourgeoisie and, partly, global capitalism richer than exploiters of the past could ever have hoped.

Ten Brink is interested, above all, in questions like:

  • the interaction between the Chinese state, i.e. the CPCh in the first place, with the capitalist driving forces which had been set into motion step by step by Deng Xiao-ping ’s reforms since 1978. „The party state itself is a central component of China’s capitalism.“ (27)
  • the embedding of the development of capitalism in China in global capitalist lines of development and international streams of capital
  • the differences between the various regions of China with regard to their level of development, the conflict-loaden dynamics of the competition between them as well as between the various regional state apparatuses on one side, the central government on the other.
  • The class conflicts, above all between the working class largely deprived of rights and capitalists and state power.

I omit the author’s extensive (and partly somehow academic and laborious) efforts to define today’s international varieties of capitalism, which, however, are not without interest (e.g. pp 47-57 and continuing till p. 80), and confine myself to rendering some of ten Brink’s main results on China.

 

His 2nd  chapter gives a historical depiction of economic policies in China since the foundation of the People’s Republic of China under Mao Zedong  in 1949 up to the birth of “capitalism interpenetrated with the state” („staatlich durchdrungener Kapitalismus“). The latter starts with Deng Xiao-ping’s “reform of the agrarian sector”, i.e. the re-installment of capitalist family farming and the transformation of the collective agrarian and industrial enterprises in the countryside into more or less private capitalist ones. Then we read about the subsequent “emergence of exportism”, the role of Chinese overseas capital resp. Taiwanese capital in industrializing, and about the next stage, the “historical relocation of value creation in the direction of China” (p. 190), i.e. the massive relocations of production from the old, in capitalist terms “over-accumulated” and stagnant center of the global North, i.e. mainly the US and the old industrial nations of Europe.

 

With regard to the profound dependency of China‘s present export economy from international business cycles, crises and headquarters, ten Brink makes the remark, among others,

“that many of the central factors that helped the Chinese economy to grow and left their marks on its face do not stand under the Chinese state leadership’s control, and are by no means easy to steer… this complex inter- and transnational integration is lately creating dependencies and negative externalisms which handicap the party state in maintaining the socio-economic dynamics.” (192)

(By “socio-economic dynamics” ten Brink seems to allude to the hitherto existing ability of capitalism in China of creating at least enough jobs, by continuous massive growth, to avoid  confrontations  with too large mass discontent because of joblessness, and to be able to make at least some small concessions in terms of wages.)

 

The 3rd chapter bears the title „Present lines of development of Chinese capitalism“. Here, ten Brink identifies the very different types of enterprises of today’s China with regard to the composition of their owners. Ownership may comprise private, local, regional, central state or international components. The relations between the owner strata and the “political class” are analyzed.

Beside the very heterogeneous types of ownership, very heterogeneous types of “production regime” have to be identified – this seems to me a very important observation by ten Brink. These regimes are connected to very different levels of wages and social security of the employed. About the  “production regimes” see below.

Under the intermediate headline “Antinomies of prosperity: about the overall economic development after 2008” (p. 215) the present efforts and chances of Chinese capitalism to maintain profitability in the crisis-ridden international environment, to continue attracting large amounts of foreign direct investment, to obtain technological and knowledge transfers, to invest the own companies internationally, to enhance the inner market, etc. are discussed.

Here it reads, e.g. (p. 233):

“Especially since the losses in international demand that appeared during the global crisis in 2008/09 and the fears of being confronted with protectionist measures, the Chinese central government increasingly points to the necessity to move away from the one-sided and low-wage-based orientation on exports and from growth that is driven by investment, and to strengthen the domestic market … In addition, the government has recently come under domestic political pressure of rising social discontent that discharged into spontaneous labor struggles.”

Strong increases in wages and an upgrading of the welfare state were announced.

Ten Brink has doubts that these intentions will become true in China’s social reality (p. 233). He offers details about persistent low wages, lack of social institutions as e.g. care for the elder and medicine, and about the high costs of schooling the children.

The numbers he quotes refer to the years 2009 – 2012 and possibly need positive corrections, meanwhile, but the opposite may be true as well. Ten Brink names structural impedimentsthat hamper a positive development in these realms.  Among these are the continuing interests of domestic as well as international companies in low wages, and their ongoing ability to enforce them by resorting to the so far hardly developed regions of China and the cooperativeness of their local governments. The competition between the regions in China would continue to foster excessive investment and speculative bubbles, especially in the real estate sector (p. 235-40)

 

Interesting passages can be found with ten Brink about the re-animation of „Confucianism“  by the CPCh’s propaganda in this extremely contradictory environment of capitalism, state and social frustration. The hodgepodge is dealt with conclusively under the catchword “limits of political steering” (pp. 268 ff. Referring to the role of the propaganda of “Confucius”, ten Brink outlines (p. 265) points of view similar to those I work out below in my criticism of Jacques’ book.

 

The following quote, too, touches upon the phenomenon that certain peculiarities of today’s Chinese methods of rule might appear attractive to Western capitalism (I stress this thought in my criticism of Jacques):

 

… the party state, with regard to its abilities of implementation, is seen in the West as advantaged, just because it could pursue political strategies more long- ranging and more persistently than states with a liberal-democratic constitution, subject to a timeliness characterized by legislative periods.. Additionally, the CPCh enjoys a largely intact monopoly of rule, and campaigns led by the party form an extraordinary political reserve capacity. Peculiar to the legitimation of its rule is syncretism, i.e. the combination of different traditions of thinking, even of pretended anti-capitalist ones, into a pragmatic Sino-Marxist canon, which should, more precisely, be identified as a non-Western program of capitalist modernization. Here, a philosophy of state intervention and development of productive forces flows together with a  thinking in terms of harmony, that is partly derived from Confucianism, partly from a quasi-social-corporatism, and with nationalist discourses. It is shielded by opportunism on the part of the intellectuals….” (p. 279)

 

„Age of Ambition. Chasing Fortune, Truth and Faith in the New China“  by Evan Osnos

Central to this series of portraits of individuals is their drive for unimpeded information. Simultaneously, Osnos gives a picture of boundless acquisitive frenzy, corruption and crime as signatures of social change in China. He draws parallels to the US’ spectacular debauchery in the period after the Civil War, the period of “Gilded Age”, when industrialization and the formation of the large fortunes started.  Osnos appears to be able to make this comparison quite insolently, as the US’ ascendancy of then apparently seems an unevitable stage of development to him, regardless of the human conditions it created, on the way to today’s privileged position that is up to now still enjoyed by the US’ richer strata (authors like Osnos included) on a world scale. Constatating the catastrophical conditions for large majorities – then in the US, today in China – he refrains from in-depth questioning their causes. But time and again he surprises by straightforwardness and blatancy in describing them.

[Notice about the quotations from Osnos’ book: when I first published my English version of this article, I had only the German translation of Osnos’ book and helped myself by re-translating from the German passages. I indicated this in a corresponding remark in the English version published a fortnight ago.

Meanwhile, I got the English audiobook version of the book and was able to transcribe the passages from the original English text as read by Osnos himself. So the section about Osnos comes in a corrected version now. ]

The book is written vividly, consists of details almost totally, therefore I save my renditions and recommend reading it to anybody who likes the like. For a minimum, though, of references to socially typical episodes see here:

The ‘mafiazation of the state’, that is to say the pervasive corruption and cronyism are described in ch. 17. There are some barbed remarks about how the Confucian recipe is being followed that reads

„When a prince’s personal conduct is correct”, Confucius said, “his government is effective without issuing orders. If his personal conduct is not correct, he may issue orders but they will not be followed.”

or  former president Hu Jintao’s advice:

“The cultivation of personal  moral integrity is considered the most basic quality for an honest official.”

At the end of the chapter Osnos makes an attempt to give two possible answers to the question how the consequences of corruption for China’s future might look like.

“The optimistic scenario was that it [corruption] was part of the transition from socialism to the free market.”

Here I want to make a modifying remark: if large parts of international capitalism are letting “the developed world” rot, because the extreme exploitation offered to them by the CPCh and the potentates of some other countries is making them happier, then the emergence of corresponding infrastructure in China and elsewhere is quite natural, and the tardiness of such constructions, if still undertaken at all, in Europe and the US as well. The driving force is the movement of capital, in the first place, and corruption is auxiliary –  Osnos is right, in a certain way, in downgrading its significance. By the way: massive corruption as a pervasive phenomenon is to be found in the backsliding “developed world”, too,  especially on the executive floors of economy and politics.

“The darker scenario held that the trap posed by Chinese corruption was not economic, it was political…..When an economy thrives, citizens can tolerate even flagrant corruption, but when it slows, that same level of corruption can become intolerable.”

The international perspectives are highlighted occasionally. Osnos tells about his talks with a Chinese businessman on a sightseeing tour in Europe, who seems caught by Chinese nationalism:

“His sentiment did not inspire much optimism about China’s future alongside the West.” (ch.7)

He describes, too, the efforts by the CPCh to manage something like educating the youth in „patriotism“:

“Nationalism helped the party smooth over the paradox of being a socialist vangaurd of a free market economy.” (ch.9)


(Some categorial fuzziness – naming Chinese capitalism a “free market economy” – may go unpunished with an US-journalist once again. He simply is not allowed to write different, neither  about US nor Chinese capitalism. )

 

If Osnos portrays a writer, Liu Xiaobao, as an allegedly important figure of opposition in China, a person who has stepped forward propagating the US’ invasions of Afghanistan in 2001 and Iraq in 2003 (what Osnos does not mention) and received a Nobel Peace Prize in 2010 in exchange, he writes very much more in an US-subjective vein than in his remarks about the function of governmentally fostered “patriotism” in China.

Osnos portrays quite a series of personalities who advocate more freedom of information and more public discussion of awkward questions in China. Let us hope that not all of them are such embarrassing ones as Liu Xiaobao. In any case, many of their utterances seem to vividly reflect the difficulties met by elementary democratic practices in China.

Osnos‘ book is not of the same depth as those by Holslag or ten Brink, but it gives an impression of the concision and insistence of which many Chinese citizens of different political trends are apparently capable. The occasional pieces of his own opinion, though, reflect a regrettable political shallowness, produced by his ties to US-mainstream propaganda. If the intellectual level of the leading personnel in the US in the conflict with China should be of the same kind, then we can bid Good Night to the US.

 

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Now I’m going to devote a lengthier passage to Martin Jacques‘ „When China Rules the World“

Will China in fact “rule the world”?

What are the potencies he considers necessary for that?

What kind of a “world” does he imagine that would let itself be ruled by China? How weak, how willing ought it to be in order to be forced to accept such a rule or, rather, to wish it for its part?

Isn’t this idea absurd?

 

There has never been a power that „ruled the world“. The empires of history, e.g. of Alexander, the Romans, the Mongols, the Brits never did rule the world but had to leave large parts, encompassing also developed and powerful empires, to the rule of others. After the end of the Soviet Union and the end of an epoch after 1945, during which there existed a system of two superpowers which indeed ruled large parts of the world (this was made possible by their special ways of supplementing each other and leaving no choice for many nations but to insert themselves into the one or the other international system) there has neither existed a rule over the world by the US, as much as they may have strived for it and still might be striving, and as much there may talk about it.

How should China be able to achieve what a US has not been able to?

More thinkable indeed could be a new international power sharing, e.g. between China and the US, where China could perhaps be the stronger pole for some time, similar to the constellation between the two former superpowers when the US were stronger. The US having to content themselves with the secondary role as compared to China would be the precondition for such a new constellation. Perhaps there even exist such tendencies in the US: instead of braving the struggle against China for position #1 through to a decision, the dominant capitalist groups of the US – and perhaps other important groups e.g. in Europe – could perceive bigger profit expectations and better chances for survival of their system in some power sharing with a dominant China.

China could achieve its present rise only by a far-and-deep-going partnership with the US and other capitalist power centers. This is not only about investments of international capital in China and the integration of Chinese world market industries – by far the largest in history – into the international business of foreign companies, but one should also be aware of the large chunk China took in financing the US during the past decades, i.e. of the role it took for mortgage bubble and notably for the horrendous military of the US, and partly still takes. That is not to say, though, that China intends to continue this collaboration from a continuing position of inferiority, or that such a continuation could be possible at all with regard to the necessities of expansion commanding Chinese capitalism. The longer the less it will be possible for China to acquiesce in the – still – dominant military power of the US, not to mention to finance it, which above everything else is destined to the containment of China and the supremacy over China.

Such starting points for considerations are, admittedly, very abstract ones, as neither the US nor China are in the position to fight out their rivalry only between themselves, without being challenged or at least be seriously hampered by other important, politically-militarily not completely incapable power centers on the globe. It cannot be told yet if the EU, in terms of mentality and military, will be capable to preserve some degree of autonomy against the two rivals, but it neither can be completely excluded so far. One should not underestimate the forces that stand for Europe’s self-assertion and a stronger merging of forces there.

India, without doubt economically and militarily second to China and certainly still staying second for a long time in the perspective of its development, forms, however, a strong inner-Asiatic rival to China. It is hardly to be imagined that the ruling circles in India and the majority of the Indian masses could ever accept a domination by China. Against all of the Chinese Central Asian expansion plans (Pakistan, Afghanistan etc.), India forms a heavy stumbling block, against China’s plans of securing its maritime connections through the “Indian” Ocean to Africa and Europe hardly less.

Russia, in my opinion, is an important joker in international power games. Too weak internally and economically to act as a great power, it nevertheless is important in the struggle between others, stronger ones, as it can contribute its considerable military arsenal and the strategic importance of its immense territory  to any international coalition, and can weaken it by leaving it any time.

Furthermore, even the formation of new political heavyweights in Latin America cannot be completely excluded. Those could emerge via coalitions of existing nations, perhaps even by the formation of a bloc with the US, and they could aspire to have some say in international affairs some day.

 

Jacques’ talking of China’s coming world rule („Soon China will rule the world“  is the prophecy on the cover) should be shelved under wishful thinking. That does not exclude, though, that there are forces in China and somewhere else which unconditionally strive to make such wishes true.

 

If a „Western“ author as Jacques propagates, in the actual manner, a coming world ruled by China, one could shrug it off as kind of curiosity, but it should also be asked, why such a propaganda is able to find an important publisher, sales numbers of several hundreds of thousands in the English-speaking realm and not few public laudations. The publisher, Penguin books, by the way, is ultimately under control by Bertelsmann in a joint venture with the British Pearson group, Bertelsmann 53%, Pearson 47%.

I guess there is more to it than only the adaptation to a coming superior economic power of China, that is, interestingly enough, depicted here as inevitable. It is about attempts to find better methods for the survival of capitalism altogether, jointly with the ascending Chinese capitalism and its leadership which operates by a highly centralized bureaucracy, by an all-embracing aspiration for control, domination and manipulation. “Better”, i.e. more effective methods of rule that “the West” with its traditions, its structures of politics and police can provide.

For the „West“, the assimilation of its methods of government to traditional Chinese doctrines and methods of government will become inevitable in Jacques’ view. He strongly discounts claims and prognoses so far common in the “West” that China would have to converge and adapt to “Western” norms of parliamentary democracy and so-called human rights, i.e. such forms as found to be the most useful by “Western” capitalism so far, in most cases, for the domination over society. Rather, under the auspices of China’s rising global rule and the ”West” falling behind, the latter would have to “confucianise” itself to a certain degree.

What at all are those norms for society and politics seen as typical Chinese by Jacques  ?

He introduces his view by ways of looking back to former eras of the imperial “Middle Kingdom”:

 

„Indeed, imperial China already enjoyed, in elemental form, some of what we understand, in a broader comparative context, to be the crucial building blocks and incipient characteristics of a nation-state.  In Confucianism, for example, it possessed a state ideology par excellence, by far the most advanced of its time, which imbued the outlook of the elite and also influenced the wider population.  The mandarin bureaucracy – schooled in the precepts of Confucianism, devoted to the idea of service and endowed with a powerful credo of administration – was by far the most sophisticated civil service of its time. ….Finally, Sinocentrism – the idea of the Middle Kingdom, the view that China  was the centre of the world, the belief that Chinese civilization was the most advanced in the world – provided what might be described as a primordial form of patriotism. This was not the kind of patriotism that we associate with the nationalism of the modern nation-state, but rather a belief in their own universalism, the relevance of their culture to all peoples and societies, and its inherent superiority in relation to others. Implicit in this feeling of pre-eminence,…, was an inchoate notion of racial, as well as cultural superiority, such that the two became intimately entwined.” (306)

 

 “Confucius … is in the process of experiencing a revival and his precepts still, in important measure, inform the way China thinks and behaves. Although there are important differences between the Confucian and Communist eras, there are also strong similarities. This is not to deny that China  has changed in fundamental ways, but rather [565/566] to stress that China  is also marked by powerful lines of continuity – that, to use a scientific analogy, its DNA remains intact. This is a country, moreover, which lives in and with its past to a greater extent than any other: that past casts a huge shadow over its present such that, tormented by its failure to either modernize or unify, the Chinese lived for long in a state of perpetual regret and anguish. But as China now finally circumnavigates its way beyond the ‘century of humiliation’ and successfully concludes its 150-year project of modernization, it will increasingly search for inspiration, nourishment and parallels in that past. As it once again becomes the centre of the world, it will luxuriate in its history and feel that justice has finally been done, that it is restoring its rightful position and status in the world.”

 

These passages reveal a mental disposition on the author’s part that is as reactionary as arrogant as a-historical. It may remain an unanswered question for now, if it is to be found also with the present Chinese leadership or with parts of China’s public opinion at all, or with this rigor (it resembles, though, some opinions uttered by governmental organs of China at times, e.g. concerning Confucianism). But what is striking here is a Western capitalist author propagating in the face of the whole world the alleged superiority and future viability of reactionary, arrogant and lowliness-demanding old Chinese ideas about society, morality and politics. Those, in Jacques’ opinion, essentially Chinese concepts shall be those to which the rest of humanity ought to increasingly orientate itself? Being the concepts of the absolutely dominant capitalist power of the future, these concepts would also be the concepts to which the rest of humanity would have to adapt?

If this is not a cry for help from a Western capitalism, which is in doubts about its future abilities to form its own world and the international conditions out of its own, and is looking for a new supreme leader in order to preserve the system of exploitation altogether – what sense could such tirades have else?

And these are tirades, ignorant of positive elements of the European-American culture, glorifying questionable elements of Chinese culture; history-distorting tirades.

Jacques and his „Confucianism“

Let us have a look at Jacques’ praise for “Confucianism” first, and what he paints as the alleged Chinese doctrine of state in past and future. What is the “Confucian” in Jacques’ eyes that promises so many good things for China’s future, and for the world’s future under China’s supremacy?

Confucianism  should be looked at historically, i.e. at first we should make a difference between the teachings by Confucius and his relatively close pupils and followers in their epoch, 500-300 BC appr., and the later transformations, e.g. Neo-Confucianism of 1000 AD appr., and finally the teachings offered by China’s capitalist supremos of today.

 

About original Confucianism, Jacques seems to have no idea at all. He does not even know that the foundation of the unitary Chinese empire by the “First Emperor” in 221 BC was guided by resolute rejection of Confucianism.  The First Emperor came from the state of Quin, which had risen from a long period of struggle against exactly those traditional Chinese models of society which Confucius was eager to propagate. Quin and the First Emperor followed the legalist doctrine, which rejected Confucianism, e.g. worship of the ancestors, submission to the old clan aristocrats and their old-fashioned ways of exploitation. They prosecuted such propagandists und replaced these things by new forms of land ownership, publicly announced laws and a centralized administration through officials that were responsible and selected according to performance. The Confucianists on their part aimed at the conservation and restoration of obsolete forms.

Only after the new conditions of land ownership and the new forms of state had been irrevocably established by the First Emperor and the Han dynasty succeeding him, elements of Confucianism were so to say rehabilitated and built into the practices and doctrines of government. I admit to tend to negative feelings about this process and should say in this vein that the teachings of obedience, the tirades on “general” humaneness – the conditions of the Chinese peasantry being not especially humane through the millennia –, on the high morality of the ruling persons and the social harmony, tirades in which especially Confucianism  excelled time and again in strong denial of the reality of two millennia of exploitation in Chinese society, seem to make Confucianism  attractive again as a propaganda tool today, when modern capitalist exploitation, arbitrariness of the Rich and the Powerful, corruption and social recklessness are breaking all dams in China.

 

I think it possible that in „Western”, still predominantly “Western” financial capitalism there is growing interest in Confucianism, as Chinese capitalism and financial capitalism seen to demonstrate that such “ideals” provide better means for throwing dust into the eyes of large masses of people in times of growing real lawlessness and inhumanity – better than the own traditional ways of propaganda. Perhaps there also could be some combinations? If it was possible to integrate Western financial capitalism into the exploitation of several hundred millions of Chinese and East-Asian workers and let it profit this way, could there not be possible, too, a promising ideological integration? It would be thrilling if our rulers, apart from the impositions of Islam, would soon carry those of Confucianism, too, into our societies. Jacques might be just a crazy maverick, but I am afraid he has important people in the background; in this case, we shall have to broadly discuss such ideas as his, that “the West” has to become more Chinese.

 

Confucianism  never had the monopolistic position in China’s cultural history that it seems to assume for the reader by the preferential treatment granted to it by Jacques – that seems to me important to stress. There always were and still are doctrines of fundamentally different starting points, Daoism, Legalism, Mohism, also religions as Buddhism, Islam, Christianity, and in modern times western-bourgeois concepts of society and thinking, and finally an originary peasant revolutionism that is deeply rooted in China’s history and is by no means Confucian. Mao Zedong personifies a peculiar synthesis of this peasant revolutionism with Western “Marxism” and Leninism. It was the fundament of the victories which the CPCh  under Mao Zedong  won against Japanese and US imperialism and against the inner reaction of landlordism and comprador capitalism. This synthesis formed the fundament of the People’s Republic of China of 1949. Mao Zedong certainly was not a Confucianist.

 

One more historical illustration: when China really entered modernity after the end of World War I, the Movement of May 4th (1919) played an important role. It strongly criticized Confucianism, among others, as a fundamental element of China’s backwardness.

During Mao Zedong’s last years (1974-76) a new public struggle against Confucianism  started, in which by means of historical studies it was attempted to dig out its roots in old society. Approaches were formulated to unravel large complexes of heavy cultural and mental burdens traditionally weighing upon China. Regrettably, this “Campaign Against Lin Biao and Confucius” also had some biases, and very soon, when Deng Xiao-ping and his capitalist-minded group took over, went into oblivion.

Ignorant or in denial of such historical processes, Jacques  goes as far as to assert an inner affinity between Confucianism and the entire period of the CPCh’s rule, i.e. also the socialist period. He thinks that he is discovering hidden continuities and is able to explain key elements of its methods of government by the survival of Confucianist traditions.

This view leads to some relations apparently unknown to Jacques. Explaining them could have some consequences he might dislike.

 

As a matter of fact, there is a continuing life of Confucian traditions in the CPCh and even in form of the CPCh, if Confucianism is seen as a typical feature of China’s millennia-old imperial bureaucracy. As mentioned above, the original teachings of Confucianism, though, were firmly opposed to the emergence of such forms of government and their new social bases during the period of the Warring States up to the First Emperor (221 BC). It was only step by step  that imperial rule later on integrated elements of Confucianism  into its ideology. That the imperial bureaucracy has been perceived as ”confucianistic” abroad for a long time – and people like Jacques  still seem to have this perception – obviously contains large chunks of misunderstanding. Nevertheless it seems to have been adapted to language in the “West”. Probably it is more realistic to talk of an imperial bureaucracy with some confucianistic ritual draperies.

When the CPCh became the decisive ruling party of the whole nation in 1949 after a quarter of a century of fierce civil and anti-imperialist wars that stirred the whole country, it undoubtedly borrowed, and partly had to borrow, essential governmental methods of the age-old empire; certainly many people turned to the party and were recruited as staff, then and later, whose mentalities still were sharing a lot with that of the Middle Kingdom, its methods of rule and its world outlook. The CPCh in its whole development, and especially after it took the seats of government in Beijing and elsewhere, has to be seen as a merging of age-old imperial traditions, also of more modern capitalist-democratic intentions, with Chinese peasant revolutionism and – western-inspired – proletarian revolutionary currents. These inner contradictions of the party were staged time and again under the leadership of Mao Zedong in the most various forms, culminating in the era of the Cultural Revolution. (Its inauguration by Mao Zedong has its 50th anniversary just now.)

I  recommend to appreciate the views of the US-American author William H. Hinton, who has followed and described China’s inner development, starting some years before the foundation of the People’s Republic until after 2000, supported by many years of own practical experience in China and contacts from  the grassroots to the top levels. According to Hinton, the old imperial apparatus with its inborn, not at all communist mentality of authority and exploitation, was able to secure to itself a survival within the CPCh, the new ruling party. Permanently challenged by the revolutionary forces around Mao Zedong, it could never been beaten decisively, though. In many phases, according to Hinton, this part resp. this aspect of the apparatus was an useful, indispensable element in edifying the New China, but it never gave up its endeavors to turn to non-socialist economic forms, to forms of exploitation. Its abilities for intrigue and sabotage, schooled in millennia, enabled it to lead such decisive impulses as the Great Leap Forward and the Cultural Revolution into self-destruction and defeat. (Excerpts from Hinton’s work together with some reflections tied to them see my post of July 2015)

 

By the overthrow under the leadership of Deng Xiao-ping after Mao Zedong ’s death such forces come to the top and since then are remodeling China in their own interests – still in close cooperation with international capitalism. In this sense, it seems possible indeed to talk about a continued life of something like Confucianism  – an embodiment of imperial traditions of rule – in the form of the CPCh, and in this sense Jacques  might be right, roughly speaking. In this way, though, he is embezzling almost completely all of the struggles in China’s history and especially within the CPCh. Interestingly, in doing so he corresponds quite exactly to the line of China’s present rulers who want to keep topics like peasant emancipation, collective economy, deep-digging questions of China’s history and ideology out of the public debate and love to drape their turbo-capitalism with a phoney human, Confucian cloak.

 

There is one point to Confucianism  apart from its governmental use and in some contrast to the historic defeats it has suffered. Apart from its usefulness for the exploiting classes and their need for stability and harmony, Confucianism still seems to play a role because of its connections to some social structures still somehow in use in today’s China, the clans. Confucianism originated from attempts to preserve the old clan aristocracies, and still seems to be to essentially connected to clan systems. If those should prove useful as a kind of substructures for today’s capitalist exploitation – and they seem to do that in Deng Xiao-ping’s and Xi Jinping’s China – they still might have some kind of future, and Confucianism  as the ideology suitable to them derives some vigor. (This para being a deductive reasoning, not a tale from actual social experience, it might easily be open for correction by specialists and China insiders.)

 

I should like to conclude these remark by stressing that the reality of China’s modern capitalist ascendancy cannot be ruled by methods and thoughts which Jacques strives to depict as “confucianist”- “Confucianism ” as propagated by the present regime is above all part of a propagandistic façade. But because global capitalism, the Chinese capitalism being a sustaining part and a hope of it, has no less trouble with problems of legitimization and must constantly make efforts to renovate its public self-depiction, the confucianist talk of the Chinese rulers is benevolently appreciated in the West. Perhaps some people here even think of borrowing from this.

China and Silicon Valley

What is even more: China seems to be some steps in advance as compared to Google, secret services of the West and the like, in practical applications of modern IT-based methods of surveillance and steering. I tend to insinuate that in the “West”, i.e. in Western financial capitalism, the “progress” in these realms made in China is seen not without sympathy and even envy. The Chinese bureaucratic apparatus in its confucianist cloaks seems to have achieved already certain levels of control and perhaps manipulation (see e.g. for the news about programs of ‘social scoring’ in China openly announced by the government), reaching deeply into the most private life of the individual citizens, and is promising more of that. Of course, all of this in the most benevolent confucianist mind, promoting “harmony and humaneness”. Similar efforts are of course underway in the West, but apparently there are obstacles to them because of public democratic criticism. So perhaps there is something Google etc. can learn from China? Could we even think of joint ventures in that realm? (Perhaps some top people of US’ IT-capitalism are meditating about how to get the supreme control in such international cooperations – if the Chinese would be cooperative at all, which is very, very doubtful. Chinese capitalism arrogates itself to superpower #1 status, and we may expect interesting mutual revelations and criticisms in the future which could further democracy in the world)

Does Jacques think of such matters when he talks of “confucianising” the West?

When Jacques becomes uncritical of racism

Apart from that,  Jacques  does not only confront us with the imposition to barter Western democratic traditions for Confucian mindsets of subordination. He also stresses other currents of thinking which he deems typically Chinese and which, in his opinion, will in the long run guide, too, China’s ascendancy: a naïve racism and a “Middle Kingdom” mentality, according to which the Chinese nation would represent the peak of world civilization and the natural center of the world, to which other parts of the world ought to subordinate themselves, above and first of all the neighboring nations, becoming tributary states as in the past in relation to imperial China. If China is to rule the world, then the rest of mankind should think of coming to terms with such ideologemes, according to Jacques’ more or less explicit opinion.

Here we have, I think, not only a provocation against enlightened and democratic traditions in the West and other parts of the world, but also insults against the Chinese nation. If Jacques  sweepingly portrays the Chinese nation as racist and naively imperialistic, then he is transgressing limits of what ought to be allowed to a non-Chinese author. For in the face of the rich historical experiences of the Chinese nation, of its own painful experiences with Western and Japanese imperialism, of the long and complicated struggles for liberation, of the numerous experiments with socialist models which led to a series of great achievements (even if they could not be sustained in the past decades), in the face of the manifold and enlightened currents in Chinese culture, and in the face of the new experiences with the dark sides of capitalism it is impossible that racism and imperial thinking are prevailing in China without opposition.

On the other hand, an uncritical acceptance of  racism, be it of a different culture, from the part of a British author does not necessarily seem a wonder. The United Kingdom with its colonial world empire, gradually conquered since the 17th century, has been the main breeding ground for white racism. White racism, i.e. British racism, the following US racism, perhaps a French colonial racism as well, are inevitable by-products of centuries of systematically raping, humiliating and exploiting people of different colors and ethniticities, of Africans, Indians, Chinese etc., in the service of the enrichment of the then biggest and richest capitalists of the world at those times.

It might seem that writings that apparently quite unselfconsciously offer a new racism for acceptance, as Jacques’ book does in its tendency to devotedly bow knees in the face of an ultralarge new Chinese capitalism, are possible without danger in today’s Anglo-Saxonian discussion.

 

The corresponding passages in Jacques‘ book seemed incredible to me at my first reading.  This author localises the alleged racism as a present elementary current in China completely beyond criticism, he even propagates it as an element of the new world power that is going to rule us – if we were to follow him.

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I am conscious of the fact that my considerations about China presented here are necessarily fraught with shortcomings and mistakes as they are based solely on reading a few books and journalistic contributions written in the West. I do not have access so far to the inner discussions in China, to the different currents of thought and to the probably existing progressive oppositional organizations. What is being portrayed to us in the West as Chinese opposition has certainly been strongly selected. Oppositional voices that do not fit into the Western media’s patterns, e.g. the patterns of so-called human rights organizations, which often are hardly more than agencies of Western imperialist efforts, are hardly to be found in our quality media.. But I am certain that there are in China and perhaps also in the Chinese diaspora other forces, too, that deserve to be noticed and to be supported, that could tell us important things and with which one should cooperate.

One final word about Jacques’ knowledge of the European-American culture, to which he so  fervently recommends the adaptation to reactionary elements of Chinese culture. Apparently this is as poor as his knowledge about China.

Fundamentally, what Jacques interests in the West is mainly its historic ability to make money and become rich in a capitalist way. This ability, he observes, is developing in China presently with more vigor, therefore he has no qualms about changing sides. The traditional West, moreover, consists mainly of its Anglo-Saxonian parts for Jacques. He seems to know little about its traditions of enlightenment and democracy, e.g. about French and German contributions, among others, to Western culture, or he is not interested in. This, too is no wonder, as the British cultural contributions tended to be relatively meager since the end of the 18th century – there were never-ending opportunities to squeeze the colonies and allow oneself a certain mental degeneration as is, by the way, typical also of today’s US.

Why did „modernity“ not appear in China of 18th century?

Jacques is also advocating the view that the cultural preconditions for “modernity”, for the rise to superpower status, leading superpower status, had been existent in China on a level comparable to Europe’s already in the 18th century. Not the inner conditions, but contingent external causes have in his view forced China to accept a retardation of more than 200 years in its ascendancy.  His long-drawn explications in the first part of his book are characterized by cultural ignorance. To assert the existence of a Chinese class of merchants and capitalists of considerable wealth and smartness prior to Britain’s imperialist grip on China (beginning with the Opium Wars since 1839) is too poor a proof for the alleged equal inner power of a whole culture. As already said: for Jacques, culture consists mainly in the ability to make money. He does not go into the massive tendencies in China under the last dynasties to stagnate, to petrify social conditions, to contemplate the own navel  and stay ignorant, tendencies that were grounded in the self-preservative drive of the dynasties, of their social base in landlordism and of its bureaucratic apparatus.

 

So much about the author’s education and historical understanding – and the intellectual level of the authorities that are quoted upon the cover etc. singing Jacques’ praise.

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Conclusions:

The excerpts from four relevant books presented here cannot give direct answers to the questions, mentioned in the beginning, that relate to China’s future and the future of the rest of the world in its relations to China.

Holslag, ten Brink and Osnos do not claim that, in contrast to Jacques . His analyses and predictions, though, are to be classified rather as wishful thinking, due to their unsatisfactory intellectual level.

Wishful thinking as to future superpower status, however, can be found not only in China but also in certain leading circles in the West, and some in the West even seem to meditate about China’s leadership in a future global system to which they could adapt for their own benefit.

 

Here I want to formulate some points of view that seem arguable and important to me in the context of general historical criticism of capitalism, in combination with criticism of the present development of China’s capitalism and its relations within global capitalism. They are being supported by the explications of the mentioned authors in multiple ways, but they are not theirs, cannot be attributed to them and might also contradict theirs.

As well as US-American capitalism, European capitalism and even more Russian and Latin American capitalisms resp. the present global capitalist compounds, Chinese capitalism – which, too, must be seen also in its international networks – is an unstable, crisis-ridden system that presses the larger part of mankind hard, impoverishes it and is not able to offer a humane future. Perhaps it is even shakier than Western capitalism.

Capitalism’s ongoing development will lead to new fundamental questionings of the capitalist property relations and world outlooks, that is to say to concussions of world society of which still much too few people, at least in the relatively saturated countries, have an idea so far. China itself, in my opinion, is a candidate for future social unrest on enormous scales and for socially grounded overthrows.

Just as little as US-American capitalism, being so far the biggest in history, can forgo global, above all military enforcement of its interests, Chinese capitalism, which declaredly claims to be heir to the US in terms of volume, power and worldwide leadership, will do so.

Even if China has rightful claims in some geostrategic questions, e.g. the South China Sea, vs. the US or this or that neighbor, and has so far acted mainly defensively, Chinese capitalism is the cradle of so much inner unrest that international points of friction promise to become starting points for wars. (As an illustration: already shortly after Deng Xiao-ping and his people, the decisive movers and shakers of China’s turn to capitalism, had acceeded  to the supreme positions of the party, and an extremely precarious inner situation had emerged because of the break with almost everything that had been called right or wrong in China so far, the new leadership picked a quarrel with Vietnam, the southern neighbor, immediately after Deng Xiao-ping  had returned from a visit to the US, in Febr. 1979. This visit had been qualified as “triumphal” in the media, the war was begun under a pretext and truly old-imperial slogans as “teach Vietnam a lection”. See e.g. Maurice Meisner, Mao’s China and After, rev. ed. 1988, p. 455)

In evaluating such sentences as written above it is necessary to be aware how all big wars of the capitalist centuries were driven not only by geostrategic competition (most visible e.g. in the First World War), but also by the inner revolutionary challenges the capitalist rulers were confronted with at times. To take international war as an exit from domestic capitalistic  dilemmata is a capitalistic standard. Not necessarily, though, must there be such attempts of capitalist “solutions of crises” again in the future. It is impossible to predict history. But the dangers inherent in certain social structures must be looked at with clear eyes.

 

It is equally impossible to predict future international alliances and possible war coalitions. There is no inevitability of large direct military confrontations between the present main rivals, the US and China, although the massive military buildup against each other points into that direction. Perhaps these two capitalist powers will discharge their destructive energies instead in struggles against others, perhaps even in a coalition against others. Perhaps the US and China go together for some time in order to butcher Russia or the EU or both and to stabilize themselves for some time? Also a revival for a transatlantic coalition (nations of the EU and the US) in the fight against China could be possible, at least theoretically. Or a large proxy war by China, with partners, against India, with partners? Such theoretical combinations are just examples, there could be more. It is decisive, above all, not to focus solely on lines of confrontation that so far have been seeming obvious, but to see them as possible scenarios besides other ones, and not to overlook new turns, surprises, even completely unprecedented developments.

 

Chinese capitalism is developing new methods of steering and suppressing large masses of populations, leaning on millenia-old imperial bureaucratic traditions and a mass civilization that is not very near to European-American mores of democracy, individualism, the value attributed to personality. It strives to fortify the paradises for the rich und superrich, in the same sense as Western capitalism. That makes it interesting and a potential partner for the most radical fantasists of modern IT-based suppression and steering of large masses in the West, especially in Silicon Valley. We do not know which social and cultural forms the anti-democratic leanings of the capitalist regime in China and the anti-democratic leanings of the leading strata of e.g. the US will assume in the future, how far in manipulating and even mutation of human nature they will go. The so-called optimization of humans – optimal in functioning  for capitalism or its military – by brain implants or gen-editing, e.g., has been an object for research and implementation already for quite a long time and rather declaredly.

(A pretaste of antihuman barbarism has been given by China’s capitalist regime shortly after the installation of the Deng Xiao-ping regime when it introduced the “One-Child-Policy” in 1979. I spare myself summaries of the devastations in demographics, in the emotional life of hundreds of millions of Chinese citizens, and which crimes against mothers and children this policy has been causing.)

 

In any case, also this aspect, the work of such capitalist radicalinskies destined to bring about different foundations of civilization, should be kept under observation. On both sides of the Pacific they seem to have focal points.

 

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Please direcct your commentaries, criticism etc. to my e-mail address wagrobe@aol.com.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Neue Details zum Rüstungswettlauf zwischen den USA und China

Ein Beitrag des „Guardian“ zu neuen Details des Rüstungswettlaufs zwischen den USA und China.

Ganz am Rande: der Beitrag wirft auch ein Licht darauf, warum die USA Nordkorea mit seinen – lächerlichen – militärischen Provokationen brauchen.

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China und der Rest der Welt – Fragen, Fakten und Meinungen aus vier aktuellen Büchern

 

Wird es zum Krieg der USA gegen China kommen?

Worum geht es in der Konfrontation im südchinesischen Meer?

Welche Bedeutung für Europa haben Möglichkeiten eines eurasischen Verbundes mit China, Russland und Zentralasien?

Welche sozialen Bedingungen entwickeln sich im Innern Chinas?

Welchen Charakter hat die neue chinesische Bourgeoisie, welche gesellschaftlichen Modelle, Moralvorstellungen und Herrschaftspraktiken entwickeln sich dort, wie wirken sie sich international auf andere Gesellschaften aus?

Wird Afrika von China kolonisiert?

Wie stark ist bereits der chinesische Einfluss in den chaotischen Gebieten Nordafrikas, des Vorderen Orients (Syrien, Arabische Halbinsel etc.), des Mittleren Orients (Irak, Afghanistan), in Iran?

Wie entwickelt sich die Rivalität mit Indien?

Dies nur eine kleine Sammlung von Fragen, die sich einem  halbwegs aufmerksamen Beobachter der Tagespolitik ständig aufdrängen. Leider werden sie in deutschsprachigen Medien, seien es sog. Qualitätszeitungen, seien es Massenmedien wie das Fernsehen, viel zu wenig überhaupt und wenn, dann mit zu wenig Interesse für fundierte Analysen behandelt. Dabei muss man kein tiefer Denker sein um zu ahnen oder bereits zu spüren, wie sehr die mit China verbundenen Fragen unsere eigene deutsche und europäische Zukunft mit prägen. Die traditionelle internationale Anbindung Europas vorwiegend an die USA ist keineswegs mehr selbstverständlich; die europäische Wirtschaft wird immer stärker vom Austausch mit China geprägt, die Investitionen in China und umgekehrt die Investitionen Chinas in Deutschland und Europa nehmen zu, es gibt Vorboten chinesischer Migration nach Europa – insbesondere in Italien und Staaten der südosteuropäischen Peripherie scheint sich da einiges zu tun, usf.

Ein derartiger auf Europa und die Interessen der europäischen Bevölkerung konzentrierter Blick auf die Frage „China“ ist natürlich nicht der einzig mögliche Ausgangspunkt für Überlegungen und Analysen, wenngleich er zunächst einmal naheliegt. Übergeordnet muss immer die Frage nach der Entwicklung des Ganzen der Weltbevölkerung und des Globus sein, gleich von welchem Teil der Welt aus man ansetzt.

Ich habe in den letzten Monaten einige Bücher gelesen, die sich direkt mit China befassen:

„Frieden auf Chinesisch –warum in Asien Krieg droht“ von Jonathan Holslag

 „Chinas Kapitalismus. Entstehung, Verlauf, Paradoxien“ von Tobias ten  Brink

„Grosse Ambitionen. Chinas grenzenloser Traum“ von Evan Osnos

„When China Rules the World“ von  Martin Jacques

Hinzuzunehmen wäre das Buch “China’s Second Continent. How a Million Migrants Are Building a New Empire in Africa“ von Howard French, das ich bereits in einem Beitrag v. 8.6.2014 ausführlich rezensiert habe.

Die Werke zeigen eine große Vielfalt von Ausgangs-Fragestellungen, Interesselagen der Autoren und Methoden der Recherche und Darstellung. Zunächst stelle ich sie ganz knapp vor. Im weiteren versuche ich meine eigene Sicht auf einige Probleme zu formulieren.

  1. Jonathan Holslag ist lt. Klappentext Professor für Internationale Politik an der Vrije Universiteit Brussel und militär- und außenpolitischer Berater diverser europäischer und atlantischer politischer Institutionen. U.a. veröffentlichte er 2014 eine Arbeit unter dem Titel „How Europe Will Survive the Asian Century“.

Der englische Originaltitel von „Friede auf Chinesisch“ ist weniger zurückhaltend als der der deutschen Übersetzung:  „China’s Coming War with Asia“. Das Buch erschien 2015 bei  Polity Press, Cambridge, die deutscher Übersetzung 2015 bei edition Körber-Stiftung, Hamburg.

Holslags Darstellung geht von „vier großen Bestrebungen“ aus, die das Handeln nicht erst der gegenwärtigen chinesischen Regierung fundieren (in seiner Sicht):

  • Die Sicherung von Grenzgebieten (bspw. Tibet und Xinjiang, Inseln im südchinesischen Meer)
  • Anhaltende Unterstützung der Partei durch das Volk, vermittelt v.a. durch ökonomische Verbesserungen für die bzw. für große Teile der Bevölkerung
  • Anerkennung der staatlichen Souveränität
  • Wiedergewinnung verlorener Territorien (bspw. Taiwan)

Diesen Problemfeldern entsprechend analysiert Holslag  Grenzprobleme Chinas mit seinen Nachbarn; den Charakter und die problematischen Perspektiven des chinesischen Wirtschafts-Aufschwungs, z.B. die weitere Angewiesenheit auf Ausbeutung billigster Lohnarbeit, aber gerade auch  auf die wirtschaftlichen Verflechtungen mit asiatischen Nachbarn; und vor allem den Kampf gegen die USA um die miltärisch-strategische und politische Dominanz in der ost-und südchinesischen See, d.h. an Chinas gesamter maritimer Ostgrenze.

  1. Chinas Kapitalismus. Entstehung, Verlauf, Paradoxien“ von Tobias ten Brink ist ein wissenschaftlicher Beitrag (Habilitationsschrift) aus dem „Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung Köln“ und erschien bereits 2013 im Campus-Verlag, Ffm.

Dieses Buch hat mE seinen Hauptstärke in der Analyse der Interaktion einheimischer chinesischer kapitalistischer Antriebe mit denen des internationalen Kapitalismus, beginnend mit den sog. Reformen unter Deng Xiao-Ping seit 1978 und den ersten Engagements „auslandschinesischen“ Kapitals bis hin zu den Verflechtungen mit internationalen, v.a. westlichen Konzernen und dem globalen Finanzkapital, die ständig  zunehmend die folgenden Dekaden charakterisieren. Ten Brink behandelt auch ausführlich die inneren sozialen Widersprüche, v.a. den der sog. Wanderarbeiter, d.h. des modernen chinesischen Proletariats, das die chinesische Bourgeoisie und das globale Kapital reicher gemacht hat als es je Ausbeuter in der früheren Geschichte hoffen konnten.

  1. Grosse Ambitionen. Chinas grenzenloser Traum“ von Evan Osnos ist das Werk eines US-Journalisten, der für die „Chicago Tribune“ und den „New Yorker“ gearbeitet hat. Es ist 2014 unter dem Titel „Age of Ambition. Chasing Fortune, Truth, and Faith in the New China“ bei Farrar, Straus and Giroux, NY erschienen und wurde mit dem „National Book Award“ ausgezeichnet. Die deutsche Übersetzung bei Suhrkamp, Berlin 2015. Wieder ist der Originaltitel direkter und inhaltsreicher als der deutsche.

Das Buch verarbeitet z.T. bereits früher erschienene Reportagen des Autors. Es porträtiert eine Reihe von chinesischen Einzelpersönlichkeiten und beleuchtet von diesem Ausgangspunkt her gesellschaftliche Probleme, Herrschaftsmethoden der Partei, Fragen der Freiheit der Medien, Charaktere der Bereicherung, Korruption usf. Die Beziehungen Chinas zum „westlichen“ Kapitalismus erfahren hier interessante Momente schlagartiger Erhellungen, jedoch keine systematische Analyse. Fragen zu den asiatischen Nachbarn, zur Rivalität mit den USA werden kaum berührt.

Andererseits wird der Leser (die Sauberkeit von Osnos‘ journalistischer Arbeit einmal unterstellt) mit Äußerungen, Zielen und Ansichten aktiver chinesischer Zeitgenossen direkt konfrontiert. Auch wenn Osnos‘ Schwerpunkt bei  solchen Persönlichkeiten liegt, die in typischer US-mainstream- Blickverengung für die Fragen der sog. Menschenrechte interessant sein könnten, wirken viele ihrer Äußerungen und die Darstellungen ihrer Lebenswege eher authentisch für mich.

 

  1. Schließlich „When China Rules the World“ von Martin Jacques.

Das Buch erschien 2009 bei Penguin Books, London, die 2. Auflage 2012. Ich benutze die 2. Aufl.

(Penguin Books gehört zu einer Obergesellschaft, deren Eigentum zwischen Bertelsmann -53% – und Pearson – 47% -geteilt ist.)

Der britische Journalist, Mitarbeiter zahlreicher akademischer Institutionen im UK, in China und anderen ostasiatischen Ländern sowie in den USA, hat hier ein Kuriosum abgeliefert.

In auffälligem Kontrast zu dem Fakt, dass er bis 1991 Herausgeber einer Londoner Zeitschrift „Marxism Today“ gewesen ist, zeigt Jacques im Vergleich mit den anderen drei  Autoren das geringste Interesse für die chinesische Arbeiterklasse und die in ihr verkörperten krassen Widersprüche des modernen Kapitalismus, des chinesischen wie des übrigen internationalen.  Jacques schreibt lieber über das von ihm positiv gezeichnete Erbe des Konfuzianismus in der heutigen chinesischen Kultur, über die „humane Autorität“, die sich in Chinas derzeitigem Aufstieg verkörpern könne, und die „eine neue Art globaler Führung repräsentieren könnte“ (so z.B. S. 595). Diese Art von Buch wird übrigens auch von Eric Hobsbawm wärmstens empfohlen.

Ich habe den Eindruck, dass Jacques zentrale Elemente der positiven Selbstdarstellung der neuen chinesischen Machthaber übernimmt, aber nicht nur das: könnte es sein, dass im westlichen Kapitalismus, v.a. seinen globalen finanzkapitalistischen Spitzen, Hoffnungen gehegt werden (und sich bei Autoren wie Jacques bereits dezent niederschlagen), gemeinschaftlich mit der neuen chinesischen Bourgeoisie das Überleben besser sichern zu können als im globalen Alleingang und konfrontativer Behauptung „westlicher Werte“ gegenüber „chinesischer Diktatur“?

Jacques spricht deutlich über eine Perspektive, wie „der Westen“ chinesischer, konfuzianischer werden könnte und man sich für eine künftige globale Dominanz Chinas erwärmen könnte, die die US-amerikanische nach und nach ablösen könnte. Jacques propagiert recht unverhohlen alte chinesische Ideen vom „Reich der Mitte“, heute von ihm als mögliches künftiges Zentrum einer  Welt gesehen. Dass es sich dabei viel mehr um entfesselten kapitalistischen Bereicherungstrieb als um Konfuzianismus und „harmonisches“ kaiserliches bürokratisches Regieren handelt, bleibt tunlich außerhalb seines Bildes.

 

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Nun zu wesentlichen Elementen der einzelnen Werke, zunächst Holslag, Friede auf Chinesisch

Holslag ist seiner Einschätzung, dass es in Asien künftig Krieg zwischen China und anderen asiatischen Staaten geben werde, anscheinend so sicher, dass der englische Originaltitel genau dieses behauptet.

Andererseits spricht er auch von der Hoffnung, dass es nicht so kommen möge.

 „Ein Krieg in Asien [deutsche Ausgabe, Vorwort, S. 12, dies  auch anders als „War with Asia“] ist wahrscheinlicher geworden. Diese Erkenntnis sollte der erste ernsthafte Schritt bei allen Bemühungen sein, ihn zu verhindern.“

Auch der Ausdruck „Krieg in Asien“ differiert vom Titel der engl. Ausgabe „War with Asia“. Beim „Krieg in Asien“ kann es sich auch um einen Krieg mit den USA handeln, möglicherweise unter Beteiligung asiatischer Staaten an der Seite der USA, anderer an der Seite Chinas.

Andererseits enthält der deutsche Titel „Frieden auf Chinesisch. Warum in Asien Krieg droht“ mE eine Spitze gegenüber China. Eine solche Stoßrichtung wiederum bestreitet der Autor in seinem ausführlichen Text über die Spannungen zwischen den USA (und Japan) einerseits, China andererseits über die militärische Kontrolle der Südchinesischen See – Kap. 8, „Der Wettstreit um den Pazifik“. Hier wird ausgeführt, dass Chinas Sorgen durchaus berechtigt sind. Die Verschiebungen der Tendenz in den verschiedenen englischen und deutschen Begriffen ist mE bezeichnend für die Unsicherheit, in die man bei diesen Fragen unvermeidlich gerät.

 „Vom Japanischen Meer bis zur Großen Australischen Bucht sieht sich China von einem bedrohlichen Schild aus Kriegsschiffen, Sensoren und Raketen umgeben. Chinesische Experten sind sich einig: China kann ohne ein Abschreckungssystem im Westpazifik seine Küste nicht verteidigen, wird außerdem keine Chance haben, sein verlorenes Territorium zurückzugewinnen, und auch keine Sicherheit für sein wirtschaftliches Kerngebiet erringen.“ (237) (Mit „verlorenem Territorium“ sind wohl hier Taiwan und derjenige Teil der Inseln im Südchinesischen Meer, den China möglicherweise zurecht beansprucht. Ein internationales Schiedsverfahren zu Inseln ist anhängig.) (Das Verfahren ist von den Philippinen angestrengt worden, China erkennt es nicht an – Ergänzung 20.5.16)

Auch für die Überlegungen auf chinesischer Seite, „eine Verteidigung der Küstengewässer durch Abschreckung auf hoher See“ (241) zu ermöglichen, m.a.W. eine Hochsee-Kriegsmarine für den Westpazifik aufzubauen, um dem Anspruch  der USA auf die militärische Überlegenheit hinsichtlich der chinesischen Küstenregionen begegnen zu können, bringt Holslag durchaus Verständnis auf.

Klar wird aus seiner Darlegung auch, dass die Spannungen in und um das Südchinesische Meer nicht in erster Linie aus Konflikten zwischen China und Nachbarstaaten wie Vietnam und Philippinen um die eine oder andere Insel oder Wirtschaftszone resultieren, sondern aus dem Aufmarsch der USA in der gesamten Staaten- und Inselwelt, die der chinesischen Küste vorgelagert ist.  Die USA bemühen sich verständlicherweise, in diesem Konflikt möglichst viele Nachbarstaaten Chinas auf ihre Seite zu ziehen.

Holslag analysiert ferner die regionalen Interessengegensätze Chinas bspw. mit Vietnam und Indien. Diese Gegensätze könnten zu Bündnissen einerseits  unter der Führung der USA, andererseits unter China  führen und weiteres Potential für Kriege schaffen. Durch ein Bündnis verschiedener Staaten der Region ein ausreichendes Gegengewicht gegen China zu schaffen und auf diese Weise Stabilität auf längere Sicht zu ermöglichen, sieht Holslag jedoch als schwierig an (248).

„Erschwert wird dies zudem durch einen weiteren Faktor: den Nationalismus. Natürlich gibt es verschiedene Ausprägungen von Nationalismus, dennoch sind ihnen allen drei Eigenschaften gemeinsam. Erstens ist Asien keine Ansammlung angeschlagener Staaten wie Europa in den 1950er Jahren, als die Vereinigten Staaten die Führungsrolle im transatlantischen Bündnis gegen die Sowjetunion innehatten. Die meisten asiatischen Staaten sind jung, ruhelos, statusfixiert und bestrebt, ihre eigenen Interessen voranzubringen. Zweitens wird der Nationalismus durch innere und internationale Unsicherheit befördert….Drittens ist….der neue Nationalismus in Asien zunehmend chinafeindlich.“ (248)

„Der neue Nationalismus in Asien ist zum Teil ein Symptom für die wachsenden sozioökonomischen Probleme auf dem Kontinent, die wahrscheinlich noch zunehmen werden. Daher steht uns wahrscheinlich eine Periode bevor, in der mehr gegenseitige Zugeständnisse gefragt sind, um gefährlichere Konfrontationen zu vermeiden, eine Periode, in der zugleich Politiker weniger zu solchen Zugeständnissen bereit sein werden.“ (249)

„Bestehende Mächte, die sich an ihre Vorherrschaft und ihre Privilegien klammern wie die Vereinigten Staaten, stellen eine ebensolche Bedrohung für die Sicherheit Asiens dar wie ein aufsteigendes revisionistisches Land. Das Sicherheitsdilemma, an dem beider Mächte beteiligt sind, ist die Ursache der anhaltenden Spannungen, und keineswegs trägt China allein die Verantwortung.“ (258) (Mit „revisionistisches Land“ meint Holslag China, das ein Interesse an der Revision gewisser geltender Aufteilungen hat, bspw. an der Wiedereingliederung Taiwans. )

Ein Element der Zwänge, denen die chinesische Politik unterliegt, wird von Holslag immer wieder, und mE zurecht, betont – der innere Druck, den der chinesische Kapitalismus erzeugt. Zwar habe in der Vergangenheit China im Verhältnis zu seinen Nachbarn lange Zeit eine zurückhaltende, Konfrontationen ausweichende Politik in den territorialen Streitfragen verfolgt; dafür zollt Holslag China ausdrücklich Anerkennung. Jedoch werde nunmehr  es aus inneren sozialen Gründen „für China viel schwieriger sein, seinen friedlichen Aufstieg fortzusetzen.“  Die Gefahr, die Bevölkerung nachhaltig zu enttäuschen und ihre Unterstützung zu verlieren, weil sich der ökonomische Aufstieg verlangsame, zwinge die chinesische Führung durchaus zur weiteren Expansion des Außenhandels mittels der Fortsetzung des Niedriglohnregimes in der Industrie; die Versprechungen, die Ökonomie vor allem nach innen zu orientieren, Infrastruktur auszubauen, Löhne zu erhöhen und den Massenkonsum zu steigern, seien unter diesen Widersprüchen nicht zu verwirklichen.

In Wirklichkeit sei China gezwungen, um nicht in der Falle des mittleren Durchschnittseinkommens feststecken zu bleiben, was die innere Unruhe hochtreiben würde, die Märkte der asiatischen Nachbarn mit seinen Industrieprodukten zu überschwemmen, deren eigene Industrie niederzukonkurrieren und sie verstärkt in die subalterne Rolle der Rohstofflieferanten zu drängen.

Die derzeit noch relativ freien internationalen ökonomischen Beziehungen asiatischer Nachbarn Chinas kämen unter Druck, diese Länder verlören Teile ihrer Wohlstandsaussichten und ihrer ökonomischen Selbständigkeit unter dem Druck des riesigen Nachbarn. Das chinesische Wirtschaftsmodell sorge für Instabilität. (261).

Die Kritik an der chinesischen Politik der Handelsumlenkung und des industriellen Nationalismus wächst; viele Länder sind zudem zunehmend frustriert über die unausgeglichenen Handelsbeziehungen. In den letzten Jahren schien Peking noch in der Lage, manche Nachbarn durch vermehrte Kreditangebote zu beschwichtigen, aber das hat nicht überall funktioniert. Eine weitere Folge der neuen allumgreifenden Wirtschaftsform Chinas besteht darin, dass das Land seine Nachbarn davon abhält, ihre eigene Produktionsbasis zu entwickeln oder aufrechtzuerhalten, die bestehenden Handelsdefizite zu begrenzen, ihre Abhängigkeit vom Rohstoffexport zu vermindern, die Inflation einzudämmen und Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt zu schaffen. Das mindert die Zufriedenheit und das politische Vertrauen, was wiederum dazu führt, dass die Politiker dieser Länder ihre Politik stärker nationalistisch ausrichten und nicht selten in einen sinophoben Nationalismus verfallen. All das tritt zu einem Zeitpunkt ein, an dem in China selbst Zweifel an der Dauerhaftigkeit seines wirtschaftlichen Erfolgs aufkommen und die Menschen sich zunehmend Sorgen um die Zukunft des Landes machen.“ (261)

Diese Darlegungen Holslags werden von denen ten Brinks über die Zunahme sozialer Spannungen in China vor allem wegen der nach wie vor miserablen Behandlung der Arbeiter ergänzt und gestützt. S. hierzu den nächsten Abschnitt zu ten Brink.

 

  1. „Chinas Kapitalismus. Entstehung, Verlauf, Paradoxien“ von Tobias ten Brink

Dieses Buch hat mE seine Hauptstärke in der historischen Darstellung der Interaktion einheimischer chinesischer kapitalistischer Antriebe mit denen des internationalen Kapitalismus, beginnend mit den sog. Reformen unter Deng Xiao-Ping seit 1978 und den ersten Engagements „auslandschinesischen“ Kapitals bis hin zu den Verflechtungen mit internationalen, v.a. westlichen Konzernen und dem globalen Finanzkapital, die ständig  zunehmend die folgenden Dekaden charakterisieren. Ten Brink behandelt auch ausführlich die inneren sozialen Widersprüche, v.a. den der sog. Wanderarbeiter, d.h. des modernen chinesischen Proletariats, das die chinesische Bourgeoisie und das globale Kapital reicher gemacht hat als es je Ausbeuter in der früheren Geschichte hoffen konnten.

Ten Brink interessieren vor allem Fragen wie:

  1. die Interaktion des chinesischen Staates, d.h. in erster Linie der KPCh, mit den kapitalistischen Triebkräften, die durch die sog. Reformen unter Deng Xiao-Ping seit 1978 immer mehr in Gang gesetzt wurden.

 

„Der Parteistaat ist…selbst zentraler Bestandteil des chinesischen Kapitalismus…“ (27)

 

  1. die Einbettung der Entwicklung des Kapitalismus in China in globale kapitalistische Entwicklungslinien und internationale Kapitalströme

 

  1. die Unterschiede der verschiedenen chinesischen Regionen in ihrem Entwicklungsniveau und die konflikthafte Triebkraft der Konkurrenz zwischen ihnen sowie zwischen den verschiedenen regionalen Staatsapparaten einer-, der Zentralregierung andererseits

 

  1. die Klassenauseinandersetzungen, vor allem der weitgehend rechtlosen Arbeiterschaft mit Kapitalisten und Staatsmacht.

 

Ich übergehe die ausführlichen und teilweise etwas akademisch-umständlichen Definitionsbemühungen des Autors hinsichtlich Kapitalismus und seiner heutigen internationalen Spielarten, die gleichwohl nicht uninteressant sind (bspw. S. 47-57 und weiter bis S.80),  und referiere lediglich Hauptergebnisse ten Brinks zu China.

Im 2.Kapitel gibt ten Brink eine historische Darstellung der ökonomischen Politik(en) in China von der Gründung der VR China 1949 unter Mao Zedong bis zur Entstehung des „staatlich durchdrungenen Kapitalismus“. Sie beginnt mit der Deng Xiao-Pingschen „Reform des Agrarsektors“, d.h. der Re-Installation des bäuerlichen kapitalistischen Einzelbetriebs und der Verwandlung der kollektiven landwirtschaftlichen und industriellen Unternehmen auf dem Land in mehr oder weniger privatkapitalistische. Dann befasst sie sich mit der zeitlich darauf folgenden „Entstehung des Exportismus“, der Rolle zunächst auslandchinesischen bzw. taiwanesischen Kapitals bei  der Industrialisierung und mit der späteren „als historisch zu bezeichnenden Verlagerung der Wertschöpfung in Richtung China“ (S. 190), d.h. den massiven Produktionsverlagerungen aus den alten, kapitalistisch überakkumulierten und stagnierenden Zentren des „Nordens“, d.h. v.a. der USA und der alten Industriestaaten Europas.

Ten Brink bemerkt angesichts der hochgradigen Abhängigkeit der heutigen chinesischen Exportwirtschaft von internationalen Konjunkturen, Krisen und Unternehmenszentralen u.a.,

„dass viele der zentralen Faktoren, die der chinesischen Wirtschaft   zum Wachstum verhalfen und ihre Gesicht prägten, nicht unter der Kontrolle der chinesischen Staatsführung stehen und alles andere als leicht zu steuern sind. …schafft diese komplexe inter-und transnationale Integration in jüngster Zeit Abhängigkeiten und negative Externalitäten, die es dem Parteistaat erschweren, die sozialökonomische Dynamik aufrechtzuerhalten.“ (192)

Mit „sozialökonomischer Dynamik“ ist wohl  v.a. die bisherige Fähigkeit des Kapitalismus in China gemeint, durch ständiges massives Wachstum wenigstens genügend Arbeitsplätze neu zu schaffen, um nicht mit zu großer Massenunzufriedenheit wegen Arbeitslosigkeit konfrontiert zu werden und wenigstens kleine Lohnzugeständnisse machen zu können.

 

Das Kap. 3 heißt „Gegenwärtige Entwicklungslinien des chinesischen Kapitalismus“.

Ten Brink identifiziert hier die sehr unterschiedlichen Typen von Unternehmen des heutigen China hinsichtlich ihrer privaten, lokalen, regional-staatlichen, zentralstaatlichen, oder internationalen Eigentümerzusammensetzungen. Die Beziehungen der Eigentümerschichten zur „politischen Klasse“ werden analysiert.

Sehr wichtig scheint mir an diesem Abschnitt der Hinweis, dass neben den sehr heterogenen Eigentumstypen auch sehr heterogene „Produktionsregime“ identifiziert werden müssen, die insbesondere auch mit sehr unterschiedlichen Niveaus der Entlohnung und der sozialen Sicherung der Beschäftigten verbunden sind. Zu den „Produktionsregimes“ s. unten.

Unter dem Zwischentitel „Paradoxien der Prosperität: Zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung nach 2008“ (215) analysiert ten Brink die aktuellen Bemühungen und Chancen des chinesischen Kapitalismus, Profitabilität im krisenhaften internationalen Umfeld aufrechtzuerhalten, weiterhin ausländische Direktinvestitionen in großem Umfang anzuziehen, Technologie- und Wissenstransfer zu erhalten, die eigenen Unternehmen international zu investieren, den Binnenmarkt zu vergrößern, etc.

Es heißt hier u.a. (S. 233):

„Besonders seit den während der globalen Krise 2008/2009 aufgetretenen Nachfrageausfällen im Exportsektor, aufgrund signifikanter weltwirtschaftlicher Ungleichgewichte und der Befürchtung, mit protektionistischen Maßnahmen konfrontiert zu werden, verweist die chinesische Zentralregierung verstärkt auf die Notwendigkeit, von der einseitigen, auf einem Niedriglohnregime gründenden Exportorientierung sowie einem investitionsgetriebenen Wachstum abzukehren und den Binnenmarkt zu stärken…. Zusätzlich steht die Regierung seit einiger Zeit unter dem innenpolitischen Druck einer zunehmenden sozialen Unzufriedenheit, die in spontane Arbeitskämpfe einmündete.“

Es wurden starke Lohnsteigerungen und ein Ausbau wohlfahrtsstaatlicher Einrichtungen angekündigt.

Ten Brink bezweifelt, dass diese Absichten in der sozialen Wirklichkeit Chinas realisiert werden. (233) Er bringt Details über weiter andauernde  Niedriglöhne, mangelnde Sozialeinrichtungen wie Altersfürsorge und Medizin und den hohen Aufwand für die Ausbildung der Kinder.

Die von ihm angeführten Zahlen beziehen sich zwar auf die Jahre 2009 bis 2012, sind also möglicherweise inzwischen positiv zu korrigieren – vielleicht aber auch nicht. Ten Brink benennt  strukturelle Hindernisse für eine positive Entwicklung in diesen Bereichen. Dazu zählen die weiterbestehenden Interessen sowohl  einheimischer wie ausländischer Unternehmen an Niedriglöhnen und ihre Fähigkeiten, diese auch weiterhin durchzusetzen unter Rückgriff auf bisher kaum entwickelte Regionen Chinas und die Kooperationswilligkeit von deren lokalen Regierungen. Die Standortkonkurrenz der Regionen in China begünstige ferner weiterhin Überinvestitionen und spekulative Blasen insbesondere auf dem Immobiliensektor. (S. 235-240).

Interessante Passagen schreibt ten Brink über die Wiederbelebung von „Konfuzianismus“ in der Propaganda der KPCh in diesem höchst widersprüchlichen, chaotischen und gesetzlosen Umfeld von Kapitalismus, Staat und sozialer Frustration. Das Durcheinander behandelt er zusammenfassend  S. 268 ff. unter dem Stichwort „Grenzen der politischen Steuerung“.  Zur Rolle der „Konfuzius“-Propaganda skizziert ten Brink hier (S. 265) ähnliche Gesichtspunkte, wie ich sie in meiner Kritik des Buchs von Jacques ausführe.

Auch das folgende Zitat berührt das Phänomen, dass Eigentümlichkeiten der heutigen chinesischen Herrschaftsmethoden für das westliche Kapital durchaus attraktiv erscheinen könnten (diesen Gedanken habe ich in der Kritik an Jacques betont):

„..gilt der Parteienstaat hinsichtlich seiner Implementierungskapazitäten [gemeint sind wohl: Durchsetzungsfähigkeit]im Westen schon allein deshalb als bevorteilt, weil dieser längerfristiger und nachhaltiger politische Strategien verfolgen könne als liberaldemokratisch verfasste Staaten, die einer von Wahlperioden gekennzeichneten Zeitlichkeit unterworfen seien… Zusätzlich besitzt die KPCh ein weitgehend intaktes Herrschaftsmonopol, und parteigelenkte Kampagnen stelleneine außerordentliche politische Reservekapazität dar. Ihrer Herrschaftslegitimation eigen ist der Synkretismus, das heißt die Verknüpfung verschiedener Denktraditionen, selbst vorgeblich antikapitalistischer, zu einem pragmatischen sino-marxistischen Kanon, der, präziser, als ein nicht westliches Programm der kapitalistischen Modernisierung bezeichnet werden sollte. In diesem fließt eine Philosophie des Staatsinterventionismus und der Produktivkraftentwicklung mit einem teils aus dem Konfuzianismus abgeleiteten  quasisozialpartnerschaftlichen Harmoniedenken und nationalistischen Diskursen zusammen. Gedeckt wird es durch einen Opportunismus der Intellektuellen. Wenn es jemals einen funktionierenden ‚ideellen Gesamtkapitalisten‘ (Engels…) gegeben hat, so könnte man es überspitzt formulieren, dann ironischerweise unter einer ‚kommunistischen’ Herrschaft.“ (279)

 

 

  1. „Grosse Ambitionen. Chinas grenzenloser Traum“ von Evan Osnos

Osnos  stellt den Drang von Individuen nach ungehinderter Information ins Zentrum seiner Porträt-Serie. Er zeichnet gleichzeitig ein Bild von schrankenloser Bereicherungssucht, Korruption und Verbrechen als Kennzeichen des gesellschaftlichen Wandels in China und sieht Parallelen zur „spektakulären Verkommenheit“ der USA (S. 18) in der Zeit nach dem Bürgerkrieg, der Zeit des „Gilded Age“, als die große Industrialisierung und die Bildung der großen Kapitale begann. Ganz unemotional kommt dieser Vergleich wohl auch deshalb daher, weil Osnos der damals begonnene Aufstieg der USA, gleich unter welchen Bedingungen er stattfand, anscheinend als unvermeidliches Entwicklungsstadium auf dem langen Weg zur heutigen Privilegierung erscheint, derer sich heute noch die reicheren Schichten der USA einschl. solcher Autoren wie Osnos selbst im Weltmaßstab erfreuen. Anlass zu tiefergehenden Fragen sind ihm die konstatierten katastrophalen Verhältnisse großer Mehrheiten – damals in den USA, heute in China – nicht. Aber er überrascht immer wieder einmal durch die Direktheit und Drastik, mit denen er sie beschreibt.

„Dieses Buch basiert auf Gesprächen, die ich in acht Jahren geführt habe.  Während meiner Recherche waren es vor allem die Aufsteiger im Land, die mich am meisten anzogen: all die Männer und Frauen, die sich mit ihren Ellbogen einen Weg gebahnt haben, und das nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern auch in den Welten der Politik, der Ideen und des Geistes.“ (19) (Interessante Sicht, dass man sich in den Welten des Geistes mit Ellbogen seinen Weg bahnen könne und solle.)

Das Buch ist lebendig geschrieben, besteht fast nur aus Details, deswegen spare ich mir hier das Referieren und empfehle das Selbstlesen, wenn jemand an so etwas Spaß hat. Ein Minimum an Hinweisen auf gesellschaftlich bezeichnende Episoden folgt gleichwohl:

  • Die „Mafiaisierung des Staates“, d.h. die durchgängige Korruption und Beziehungswirtschaft, beschrieben v.a. im Kapitel 17 unter dem Titel „Alles, was glänzt“. Dort auch spitze Bemerkungen über die „Befolgung“ des konfuzianischen Rezepts „Wer selbst nicht recht ist, der mag befehlen: doch wird nicht gehorcht“ und solcher Sprüche wie des vorigen Vorsitzenden der KPCh, Hu Jintao: „Die Kultivierung der eigenen Moral macht die grundlegende Qualität eines jeden ehrlichen Beamten aus.“ (356)

 

Das Kapitel abschließend versucht sich Osnos  an zwei möglichen Antworten auf die „Frage, wie die Korruption sich auf Chinas Zukunft auswirken werde“(361):

 

„Nach der optimistischen Einschätzung gehöre die Bestechung einfach zur Übergangsphase von der Plan- zur Marktwirtschaft dazu. Dennoch entstünden Schnellstraßen und Hochgeschwindigkeitszüge, um die man das Land sogar in der entwickelten Welt beneide.“ (361)

(Hier möchte ich modifizierend bemerken: wenn große Teile des internationalen Kapitals die „entwickelte Welt“ verrotten lassen,  weil sie mit der extremen Ausbeutung, die ihnen die KPCh und die Machthaber einiger anderer Länder ermöglichen, besser fahren, ist die Entstehung entsprechender Infrastruktur in China und anderswo ganz natürlich, und die Langsamkeit solcher Bauten, wenn sie überhaupt noch in Angriff genommen werden, in Europa und den USA ebenfalls. Die Triebkraft ist hier in erster Linie die Kapitalbewegung, die Korruption ein Hilfsmittel. Osnos  hat in gewisser Weise recht, wenn er ihre Wichtigkeit heruntersetzt. Übrigens gibt es massive Korruption als durchdringendes Phänomen, insbesondere auf den Chefetagen von Wirtschaft und Politik, auch in der  zurückfallenden „entwickelten Welt“. )

 

Die andere Antwort, ein „düsteres Szenario“ (362) lautet: die Bestechung bedeute „weniger eine wirtschaftliche als vielmehr eine politische Bedrohung für China.“ „Gerät das Wachstum jedoch ins Stocken, kann dasselbe Ausmaß an Korruption plötzlich unerträglich sein.“ (363)

 

  • Zu den internationalen Perspektiven bringt Osnos gelegentliche Blitze. Er berichtet ausführlich von seinen Gesprächen mit einem jungen von chinesischem Nationalismus erfassten Aktivisten. „Seine Ansichten ließen keine großen Hoffnungen zu, was die Zukunft Chinas an der Seite des Westens betraf.“ (159) Osnos  beschreibt auch die Anstrengungen der KPCh, eine systematische Erziehung der Jugend zum „Patriotismus“ hinzukriegen.

„Der Nationalismus lenkte dabei von dem Widerspruch ab, dass es sich bei der Partei um die sozialistische Speerspitze einer freien Marktwirtschaft handelte.“

 

(die kategoriale Unschärfe muss man einem US-Journalisten des mainstream wohl einmal mehr durchgehen lassen, wenn er seinen und den chinesischen Kapitalismus als „freie Marktwirtschaft“ bezeichnet. Er darf gar nicht anders schreiben.)

 

Dass er einen Literaten wie Liu Xiaobo als angeblich wichtigen Oppositionellen Chinas herausstreicht, der als Befürworter der US-Invasionen in Afghanistan 2001 und Irak 2003 hervorgetreten ist (was Osnos  nicht erwähnt) und sich dafür 2010 mit dem “Friedensnobelpreis“ hat auszeichnen lassen, ist allerdings viel US-subjektiver gefärbt als die Bemerkung über die Funktion des regierungsoffiziellen „Patriotismus“ in China.

 

Osnos  porträtiert eine ganze Reihe von Persönlichkeiten, die in China für mehr Informationsfreiheit und öffentliche politische Diskussion heikler Fragen eintreten. Hoffen wir, dass es nicht nur solche wie diese peinliche Figur sind. Jedenfalls scheinen viele ihrer Äußerungen plastische Wiedergaben der Schwierigkeiten zu sein, auf die elementare demokratische Praktiken in China stoßen.

 

Osnos‘ Buch hat bei weitem nicht den Tiefgang wie die Bücher bspw. von Holslag und ten Brink, gibt aber Eindrücke von der Prägnanz und Nachdrücklichkeit, mit denen viele chinesische Bürger unterschiedlicher politischer Standorte  offenbar sich zu äußern in der Lage sind. Seine eigenen Meinungssplitter  hingegen spiegeln eine bedauerliche Flachheit wieder, Produkt seiner Anbindung an die US-mainstream-Propaganda. Wenn solcherart das intellektuelle Niveau der maßgeblichen Leute der USA in der Auseinandersetzung mit China sein sollte, dann Gute Nacht USA.

 

 

Nun zu Martin Jacques und seinem Buch „When China Rules the World“

Wird tatsächlich China  die Welt beherrschen?

Worauf sollen sich nach Jacques  die dazu erforderlichen Stärken gründen?

Was soll das für eine „Welt“ sein, die sich von China   beherrschen ließe? Wie schwach, wie willig müsste sie sein, um eine derartige Herrschaft akzeptieren zu müssen bzw. sogar selbst zu wünschen?

Ist diese „Idee“ nicht abstrus?

Es gab noch nie eine Macht, die „die Welt beherrschte“.  Die Imperien der früheren Geschichte , z.B.  die Reiche Alexanders, der Römer, der Briten waren keine Weltbeherrscher, sondern ließen immer große Teile der Welt, zu denen auch entwickelte und mächtige andere Reiche gehörten,  unter der Kontrolle Anderer. Nach dem Ende der Sowjetunion und dem Ende einer Epoche nach 1945, in der es ein System der 2 Supermächte gab, die in der Tat große Teile der Welt beherrschten – dies aber war nur deshalb zeitweise möglich, weil sie einander ergänzten und viele Länder vor die Alternative stellten, sich dem einen oder anderen internationalen System einzufügen- , hat es eine Weltherrschaft der USA gleichfalls nicht gegeben, auch wenn sie angestrebt wurde und noch angestrebt wird und immer wieder davon geredet wird.

Wie sollte China  etwas schaffen können, das eine USA nicht haben erreichen können?

Eher denkbar wäre z.B. eine neue internationale Machtteilung, bspw. zw. China  und den USA, wobei vielleicht sogar China  zeitweilig der stärkere Pol sein könnte, ähnlich wie in der Konstellation der beiden Supermächte die USA die Stärkeren waren. Eine derartige neue Konstellation China –USA würde voraussetzen, dass die USA sich mit einer – im Vergleich mit China – sekundären Rolle zufriedengeben müssten. Vielleicht gibt es in den USA sogar derartige Tendenzen: statt den Kampf um die Position Nr. 1 gegen China bis zur Entscheidung durchzustehen, könnten die dominierenden kapitalistischen Gruppen der USA – und auch vielleicht andere bedeutende Gruppen, bspw. in Europa, in einer internationalen Machtteilung mit einem dominanten China  die größeren Profitchancen und die größeren Überlebenschancen für ihr System gewahren.

China hat seinen bisherigen Aufstieg nur durch eine weit- und tiefgehende Partnerschaft mit den USA sowie anderen kapitalistischen Machtzentren bewerkstelligen können. Es handelt sich nicht nur um Investitionen ausländischen Kapitals in China  und die Integration chinesischer Weltmarktfabriken, der bei weitem größten der bisherigen Geschichte, in die internationalen Geschäfte ausländischer Konzerne, sondern man denke auch an den großen Anteil, den China mit seinem Kauf von US-Staatspapieren in den vergangenen Jahrzehnten für die Finanzierung der USA, für die Immobilienblase und v.a. für die horrende Rüstung der USA  gehabt hatte und teilweise noch hat. Das heißt aber nicht, dass China diese Kollaboration aus weiterhin unterlegener Position fortzusetzen gedächte, oder dass eine solche Fortsetzung überhaupt politisch möglich wäre angesichts der Expansionszwänge, unter denen der chinesische Kapitalismus steht. Je länger desto weniger wird es für China  überhaupt möglich sein, die – noch – überlegene Militärmacht der USA hinzunehmen, geschweige denn selbst weiter zu finanzieren, die sich vor allen anderen Zielen der Eindämmung Chinas und der Dominanz über China verpflichtet fühlt.

Derartige Ansätze für Überlegungen sind allerdings auch höchst abstrakt, denn weder die USA noch China sind in der Lage, ihre Rivalität auszufechten, ohne darin von anderen wichtigen, politisch-militärisch nicht völlig unfähigen Machtzentren auf dem Globus in Frage gestellt oder wenigstens ernstlich behindert zu werden. Ob die EU mental und militärisch in der Lage sein wird, sich gegenüber den beiden Rivalen eine gewisse Selbständigkeit zu bewahren, steht zwar noch nicht fest, kann aber auch keineswegs ausgeschlossen werden. Die Kräfte, die für eine Selbstbehauptung Europas und einen stärkeren Zusammenschluss stehen, sollte man nicht unterschätzen.

Indien, ökonomisch und militärisch zweifellos gegenüber China  zweitrangig und in der Entwicklungsperspektive sicher auch noch für lange Zeit zweitrangig bleibend, stellt nichtsdestoweniger einen starken innerasiatischen Rivalen für China  dar. Man kann sich kaum vorstellen, dass die indischen herrschenden Cliquen und die Mehrheit der indischen Massen mit einer Beherrschung durch China  sich jemals abfinden würden. Für alle zentralasiatischen Expansionspläne Chinas (Pakistan, Afghanistan etc.) stellt Indien einen schweren Stolperstein dar, für Chinas Pläne der Sicherung seiner maritimen Verbindungen durch den „Indischen“ Ozean nach Afrika und Europa wohl kaum weniger.

Ferner kann man auch nicht völlig die Bildung neuer politischer Gewichte in Lateinamerika ausschließen, die durch Zusammenschlüsse dortiger Staaten, evtl. auch durch Blockbildung mit den USA entstehen und global eine gewisse Mitsprache beanspruchen könnten.

Jacques ‘ Rede von Chinas kommender Weltherrschaft („Soon China will rule the world“ wird auf dem Buchumschlag verkündet) sollte unter „Wunschdenken“ eingeordnet werden. Was allerdings nicht ausschließt, dass es in China und auch anderswo Kräfte gibt, die unbedingt versuchen, solchen Wünschen in der Realität näherzukommen.

Wenn ein „westlicher“ Autor wie Jacques  in der vorliegenden Weise eine kommende „Weltherrschaft Chinas“ propagiert, kann man das aus solchen und vielerlei weiteren Gründen zwar einerseits als Kuriosum verbuchen, aber man sollte auch fragen, warum derartige Propaganda einen  bedeutenden Verlag, Verkaufszahlen von mehreren Hunderttausend im englischsprachigen Bereich und nicht wenige öffentliche Lobsprüche findet. Der Verlag,  Penguin Books, wird übrigens letztlich von dem Bertelsmann-Konzern in einem gemeinsamen Unternehmen mit der britischen Pearson-Group kontrolliert (Bertelsmann 53%, Pearson 47%).

Meine Vermutung: es geht um andere Dinge als bloß um die Anpassung an eine kommende ökonomische Übermacht Chinas, die hier interessanterweise als angeblich unvermeidlich geschildert wird. Es geht um Versuche, gemeinsam mit dem aufsteigenden chinesischen Kapitalismus und seiner Führung durch eine hochgradig zentralisierte Bürokratie, mit ihrem allumfassenden Kontroll-, Herrschafts- und Manipulationsanspruch, bessere Methoden für das historische Überleben des Kapitalismus überhaupt zu finden. „Bessere“, d.h. wirksamere Herrschaftsmethoden, als sie „der Westen“ mis seinen Traditionen, seinen politischen und polizeilichen Strukturen zu bieten hat.

In Jacques‘ Sicht wird die Angleichung „des Westens“, d.h. seiner Regierungsmethoden, an traditionelle chinesische Regierungs-Doktrinen und Methoden, unausweichlich werden. Er widerspricht vehement den bisher im „Westen“ verbreiteten Forderungen und Prognosen, China müsse und werde sich „westlichen“ Normen von parlamentarischer Demokratie und sog. Menschenrechten annähern und anpassen müssen, d.h. solchen politischen Formen, die der „westliche“ Kapitalismus bisher zur Beherrschung der Gesellschaft zumeist als die nützlichsten befunden hat. Vielmehr werde im Zeichen der kommenden globalen Herrschaft Chinas der ins Hintertreffen geratende „Westen“ sich in gewissem Maße konfuzianisieren müssen.

Was versteht Jacques  überhaupt unter den typisch chinesischen gesellschaftlichen und politischen Normen?

Er stellt seine Sicht im Rückblick auf frühere Phasen des kaiserlichen “Reichs der Mitte“ vor:

„Indeed, imperial China already enjoyed, in elemental form, some of what we understand, in a broader comparative context, to be the crucial building blocks and incipient characteristics of a nation-state.  In Confucianism, for example, it possessed a state ideology par excellence, by far the most advanced of its time, which imbued the outlook of the elite and also influenced the wider population.  The mandarin bureaucracy – schooled in the precepts of Confucianism, devoted to the idea of service and endowed with a powerful credo of administration – was by far the most sophisticated civil service of its time. ….Finally, Sinocentrism – the idea of the Middle Kingdom, the view that China  was the centre of the world, the belief that Chinese civilization was the most advanced in the world – provided what might be described as a primordial form of patriotism. This was not the kind of patriotism that we associate with the nationalism of the modern nation-state, but rather a belief in their own universalism, the relevance of their culture to all peoples and societies, and its inherent superiority in relation to others. Implicit in this feeling of pre-eminence,…, was an inchoate notion of racial, as well as cultural superiority, such that the two became intimately entwinded.” (306)

Übersetzt:

“Das kaiserliche China erfreute sich in der Tat bereits in elementarer Form einiger in unserem Verständnis und einem breiteren Vergleich entscheidender Bausteine und anfänglicher Charakteristika für einen Nationalstaat. Im Konfuzianismus z.B. besaß es eine Staatsideologie par excellence, bei weitem die fortgeschrittenste ihrer Zeit, welche die Elite durchtränkte und auch die breitere Bevölkerung beeinflusste. Die Mandarin-Bürokratie – in den Regeln des Konfuzianismus geschult, dem Ideal des Dienstes sich beugend und mit einem mächtigen Credo der Verwaltung ausgestattet – war bei weitem der geschulteste Beamtenapparat seiner Zeit …Schließlich stellte der Sinozentrismus – die Idee vom Reich der Mitte, die Sicht, dass China das Zentrum der Welt sei, der Glaube, dass die chinesische Zivilisation die fortgeschrittenste der Welt sei – so etwas wie eine Urform des Patriotismus bereit. Es war nicht die Art von Patriotismus, die wir mit dem Nationalismus des modernen Nationalstaates assoziieren, sondern eher ein Glaube an den eigenen Universalismus, die Wichtigkeit der eigenen ihrer Kultur für alle Menschen und Gesellschaften, und ihre innewohnende Überlegenheit gegenüber anderen. Eingeschlossen in dieses Gefühl der Vorzugsstellung war ein knospendes Empfinden rassischer wie auch kultureller Überlegenheit, derart dass die beiden eng verschwistert wurden.“

“Confucius … is in the process of experiencing a revival and his precepts still, in important measure, inform the way China  thinks  and behaves. Although there are important differences between the Confucian and Communist eras, there are also strong similarities. This is not to deny that China  has changed in fundamental ways, but rather [565/566] to stress that China  is also marked by powerful lines of continuity – that, to use a scientific analogy, its DNA remains intact. This is a country, moreover, which lives in and with its past to a greater extent than any other: that past casts a huge shadow over its present such that, tormented by its failure to either modernize or unify, the Chinese lived for long in a state of perpetual regret and anguish. But as China  now finally circumnavigates its way beyond the ‘century of humiliation’ and successfully concludes its 150-year project of modernization, it will increasingly search for inspiration, nourishment and parallels in that past. As it once again becomes the centre of the world, it will luxuriate in its history and feel that justice has finally been done, that it is restoring its rightful position and status in the world.”

“Konfuzius … befindet sich im Prozess einer  Wiederbelebung, und seine Vorschriften prägen noch immer in wichtigem Maße die Art, wie China lebt und denkt. Obwohl es wichtige Unterschiede zwischen den Epochen des Konfuzianismus und des Kommunismus gibt, gibt es auch starke Ähnlichkeiten. Damit soll nicht abgestritten werden, dass China sich in grundlegenden Weisen geändert hat, sondern es soll betont werden, dass China auch von kräftigen Kontinuitätslinien gekennzeichnet ist – dass, um eine wissenschaftliche Analogie zu gebrauchen, seine DNA intakt bleibt. Dies ist außerdem ein Land, welches in und mit seiner Vergangenheit lebt in höherem Maße als irgendeines sonst: diese Vergangenheit wirft einen riesigen Schatten über seine Gegenwart, in der Weise, dass die Chinesen, gequält von ihrer Unfähigkeit sich zu modernisieren oder auch zu vereinigen, lange in einem Zustand ständigen Bedauerns und Beklemmung lebten. Wenn China nun endlich sich vom ‚Jahrhundert der Erniedrigung‘ frei navigiert und erfolgreich sein 150 Jahre altes Projekt der Modernisierung abschließt, wird es zunehmend nach Inspiration, Nahrung und Paralellen in dieser Vergangenheit suchen. Während es wieder zum Zentrum der Welt wird, wird es großen Genuss aus seiner Geschichte ziehen und fühlen, dass endlich der Gerechtigkeit Genüge getan ist, dass es seine berechtigte Position und Status in der Welt wiederherstellt.“

Diese Passagen offenbaren eine ebenso reaktionäre wie überhebliche wie ahistorische mentale Disposition – bei dem Autor. Ob sie gleichfalls in der heutigen chinesischen Führung oder in Teilen der politischen Öffentlichkeit des Landes in dieser Form, in dieser Stärke überhaupt zu konstatieren sind, kann hier erst einmal offen bleiben (allerdings ähnelt sie sehr stark manchem, was Regierungsorgane Chinas für die internationale Öffentlichkeit zuweilen verlauten lassen). Aber offenkundig wird hier die Propaganda (eines westlichen kapitalistischen Autors) für die angebliche Überlegenheit und Zukunftsfähigkeit von reaktionären, überheblichen und Demut einfordernden chinesischen Konzepten von Gesellschaft, Moral und Politik gegenüber der gesamten übrigen Welt. Diese – nach Meinung von Jacques  – essentiell chinesischen Konzepte sollen diejenigen sein, nach denen sich die übrige Menschheit zunehmend werde richten müssen?  Als die Konzepte der künftig kapitalistisch absolut dominanten Macht in der Welt müssten das lt. Jacques  zunehmend auch die Konzepte sein, denen sich die übrige Menschheit werde anpassen müssen?

Wenn das kein Hilfeschrei aus einem Kapitalismus im Westen ist, der daran zweifelt, aus Eigenem die eigene Welt und die internationalen Verhältnisse künftig noch dominant gestalten zu können, und sich quasi einen neuen Oberherrn sucht, um das Ausbeutungssystem irgendwie erhalten zu können – welchen Sinn sollen solche Tiraden sonst haben?

Und es sind Tiraden, geschichtsverdrehende Tiraden, die positive Elemente der europäisch-amerikanischen eigenen Vergangenheit verkennen, fragwürdige Elemente der chinesischen Kultur hingegen verklären.

Nehmen wir zunächst Jacques ‘Lobpreis des „Konfuzianismus“ und dessen, was er als angebliche – frühere und heutige – chinesische Staatsdoktrin ausmalt. Was ist das „Konfuzianische“ in Jacques‘ Augen, das so viel Positives für die Zukunft Chinas beizutragen verspricht, und für die Zukunft der Welt unter Chinas Oberherrschaft?

Den Konfuzianismus  sollte man historisch betrachten, d.h. zunächst einmal die Lehren des Konfuzius und seiner relativ direkten Schüler und Nachfolger in ihrer Zeit, etwa von 500 – 300 vor unserer Zeitrechnung unterscheiden von den späteren Umformungen, etwa dem sog. Neo-Konfuzianismus der Zeit um 1000 unserer Zeitrechnung, schließlich von dem, was die heutige kapitalistische Spitze Chinas unter dem Namen Konfuzianismus  propagiert.

Über den ursprünglichen Konfuzianismus  hat Jacques  keine Ahnung.  Er weiß nicht einmal, dass die Gründung des einheitlichen Kaiserreichs in China durch den „Ersten Kaiser“ 221 vuZ unter dem Vorzeichen eines entschiedenen Kampfes gegen den  Konfuzianismus  stattfand. Der Erste Kaiser stammte aus dem Staat Chin, der bereits eine lange Vorgeschichte der Auseinandersetzung mit traditionellen chinesischen Gesellschaftsmodellen aufweisen konnte, die vom Konfuzianismus  auf der anderen Seite verherrlicht wurden. Chin und der Erste Kaiser folgten der Schule der Legalisten, die vom Konfuzianismus, d.h. vom Ahnenkult, der Folgsamkeit gegenüber der alten Clan-Aristokratie und deren altertümlichen Ausbeutungspraktiken nichts hielten, ihre Propagandisten verfolgten und sie durch neue Grundbesitzverhältnisse, öffentlich bekannte Gesetzessysteme und eine zentralisierte Verwaltung durch verantwortliche und nach Leistung ausgesuchte Beamte ersetzten -die Konfuzianer hingegen betrieben die Konservierung und sogar die Restaurierung damals schon überalterter  Formen.

Erst nach der unwiderruflichen historischen Konsolidierung der neuen Grundbesitzverhältnisse und der neuen Staatlichkeit durch den Ersten Kaiser und die folgende Han-Dynastie wurden Elemente des Konfuzianismus  quasi rehabilitiert und in die Regierungspraktiken und – doktrinen eingebaut. Mit einer – gern eingestandenen – Tendenz zur negativen Beurteilung dieses Prozesses würde ich sagen, dass die Folgsamkeitslehre, die Tiraden über „allgemeine“ Menschlichkeit, über die hohe Moral der Regierenden und die gesellschaftliche Harmonie, mit denen insbesondere der Konfuzianismus  immer wieder zu glänzen versucht hat in heftiger Verleugnung der zweitausendjährigen Ausbeutungswirklichkeit der chinesischen Gesellschaft, ihn offenbar gerade heute als Propaganda wieder besonders attraktiv erscheinen lassen, wo die moderne kapitalistische Ausbeutung, die Willkür der Reichen und Beamten, die Korruption, die gesellschaftliche Rücksichtslosigkeit des heutigen Kapitalismus in China alle Dämme bricht.

Ich halte es für möglich, dass im „westlichen“, noch immer dominierend „westlichen“ Finanzkapitalismus Interesse am Konfuzianismus  wachsen, weil  der chinesische Kapitalismus und Finanzkapitalismus zu demonstrieren scheint, dass mit solchen „Idealen“ vielleicht großen Menschenmassen in Zeiten wachsender realer Gesetzlosigkeit und Inhumanität besser Sand in die Augen zu streuen wäre als mit den eigenen bisherigen Propagandamodellen. Vielleicht kann man da auch was kombinieren?  Wenn man das westliche Finanzkapital in die Ausbeutung von vielen hunderten Millionen chinesischer und überhaupt ostasiatischer Arbeiter integrieren und davon profitieren lassen kann, könnte es ja vielleicht auch eine erfolgversprechende ideologische Integration geben? Es dürfte spannend werden, wenn außer den Zumutungen des Islam nun auch noch die des Konfuzianismus von unseren Herrschenden in unsere Gesellschaften hereingetragen werden. Vielleicht ist Jacques  ja nur ein spinnitiöser Außenseiter, aber ich fürchte, dass er wichtige Leute im Hintergrund hat, und dann wird man sich künftig tatsächlich breit auseinandersetzen müssen mit seiner Vorstellung, dass „der Westen“ chinesischer werden müsse.

Wichtig auch zu betonen, dass der Konfuzianismus  in Chinas Kulturgeschichte nie die Monopolstellung hatte, die er durch die Vorzugsbehandlung, die ihm  Jacques  widerfahren lässt, für den Leser anzunehmen scheint. Es gab und gibt immer Doktrinen mit grundsätzlich anderen Ansätzen, Daoismus, Legalismus, Mohismus, auch Religionen wie den Buddhismus, den Islam  und das Christentum, und in der Moderne westlich-bürgerliche Konzepte von Gesellschaft und Denken, sowie einen originären,in Chinas Geschichte tief verwurzelten,  ganz und gar nicht konfuzianischen Bauern-Revolutionismus, der bei Mao Zedong  eine eigenartige Synthese mit dem westlichen „Marxismus“ und dem Leninismus eingegangen ist. Er bildete  die entscheidende Grundlage der Siege, die die KPCh unter Mao Zedong  gegen den Imperialismus Japans und der USA und gegen die innere Reaktion von Grundherrschaft und Kompradorenkapitalismus errungen hat, die breite Basis der VRChina von 1949. Wenn man eines mit Sicherheit sagen kann: Mao Zedong  war kein Konfuzianer.

Ein weiteres historisches Beispiel: bei Chinas tatsächlichem Eintritt in die Moderne nach Ende des 1. Weltkriegs spielte die Bewegung des 4. Mai (1919) eine große Rolle, die auch den Konfuzianismus  heftig kritisierte – als Grundelement von Chinas Rückständigkeit.

Während der letzten Lebensjahre Mao Zedong s (1974-76) begann erneut eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Konfuzianismus, in der man sich bemühte, seine gesellschaftlichen Wurzeln auszugraben,  und Ansätze entwickelte, ganze Komplexe schwerer kultureller und mentaler  Lasten, die traditionell auf China drücken, aufzudröseln – leider hatte die Kampagne („Kritik an Lin Biao und Konfuzius“) eigene Schlagseiten und ging dann auch sehr bald im Zeichen der Machtübernahme durch Deng Xiao-Ping  und seine kapitalistisch eingestellte Equipe in die Versenkung.

In Unkenntnis oder Verleugnung derartiger historischer Vorgänge geht Jacques  so weit, eine innere Verwandtschaft zwischen dem Konfuzianismus  und der Herrschaft der KPCh zu behaupten. Er meint, verborgene Kontinuitäten zu entdecken und auch ihre heutigen Regierungsmethoden in wichtigen Grundzügen aus einem  Weiterleben der konfuzianischen Traditionen  erklären zu können.

Diese Sicht führt zu einigen Beziehungen, die Jacques  anscheinend nicht kennt und deren Darlegung in ihren Konsequenzen  ihm weniger  gefallen dürften.

Tatsächlich gibt es ein Weiterleben konfuzianischer Traditionen in der KPCh und sogar in Form der KPCh, wenn man den Konfuzianismus  als typisches Merkmal des chinesischen kaiserlichen Beamtenapparats durch Jahrtausende hindurch sieht.

Wie zuvor ausgeführt, ist der Konfuzianismus  jedoch geschichtlich ein entschiedener Widerpart des Aufkommens solcher Regierungsformen und ihrer neuen gesellschaftlichen Grundlagen während der Zeit der Streitenden Reiche bis hin zum Ersten Kaiser gewesen, und erst nach und nach hat das Kaisertum Elemente des Konfuzianismus  in seine Ideologien aufgenommen. Dass man die chinesische Beamtenschaft im Ausland lange Zeit als „konfuzianisch“ wahrgenommen hat, und Leute wie Jacques  tun das noch heute, dürfte große Anteile von Missverständnissen enthalten, scheint sich aber irgendwie „im Westen“ eingebürgert zu haben. Wahrscheinlich wäre es korrekter, von einer kaiserlichen Bürokratie mit einigen konfuzianischen rituellen Drapierungen zu sprechen.

Als die KPCh 1949 nach einem Vierteljahrhundert heftiger, ganz China aufwühlender Bürgerkriege und anti-imperialistischer Kriege die entscheidende Regierungspartei des gesamten Landes wurde, hat sie zweifellos essentielle Regierungstraditionen des uralten Reiches übernommen und übernehmen müssen, und es sind ihr mit Sicherheit seitdem und wohl auch schon früher viele Mitglieder und Mitarbeiter zugeströmt, deren Mentalität mit der des Reichs der Mitte, seinen Herrschaftsformen und seiner Weltsicht noch vieles gemeinsam hatte. Die KPCh muss in ihrem gesamten Werdegang, vor allem aber seitdem sie die Regierungssitze in Beijing und anderswo einnahm, als Zusammenführung uralter imperialer Traditionen, auch modernerer kapitalistisch-demokratischer Bestrebungen mit chinesischem bäuerlichem Revolutionismus und – westlich inspirierten-  proletarisch-revolutionären Strömungen gesehen werden, und diese inneren Gegensätze wurden unter der Führung von Mao Zedong  immer wieder in den unterschiedlichsten Formen ausgetragen, am schärfsten schließlich in der Epoche der Kulturrevolution. Ihre Auslösung durch Mao Zedong  am 16.5. 1966 jährt sich gerade zum 50sten Mal.

Wenn man dem US-amerikanischen Autor William H. Hinton folgen will, der Chinas innere Entwicklung seit mehreren Jahre vor der Gründung der VRChina bis nach dem Jahr 2000 verfolgt und beschrieben hat, gestützt auf viele Jahre eigener praktischer Tätigkeit  in China und zahlloseKontakte von unten bis oben, hat sich der alte kaiserliche Apparat mit der ihm innewohnenden, ganz und gar nicht kommunistischen Herrschafts- und Ausbeutungs-Gesinnung, innerhalb der neuen regierenden Partei, der KPCh, ein Überleben gesichert, das von den revolutionären Kräften um Mao Zedong  zwar ständig in Frage gestellt, aber nie entscheidend geschlagen werden konnte. In vielen Phasen, so Hinton, war dieser Teil bzw. dieser Aspekt des Apparates auch nützliches, unentbehrliches Element des Aufbaus des Neuen China, hat seine Bestrebungen der Wendung zu nicht-sozialistischen Wirtschaftsformen, zu Formen der  Ausbeutung jedoch nie aufgegeben, Mit seinen in Jahrtausenden geschulten Fähigkeiten zur Intrige und Sabotage war er in der Lage, solche entscheidenden Impulse wie den Großen Sprung und die Kulturrevolution in die Selbstzerstörung und die Niederlage zu führen. (Auszüge aus Werken Hintons und einige von mir daran geknüpfte Überlegungen s. meinen Artikel v. 27. 7. 2015 „Die chinesische Kulturrevolution 1966-76 und die Ansichten William Hintons zum imperial-bürokratischen Apparat“.)

Mit dem von Deng Xiao-Ping  geführten Umsturz nach dem Tode Mao Zedong s (1976) kommen solche Kräfte an die Spitze und gestalten seitdem – bisher noch in enger Kollaboration mit dem internationalen Kapitalismus – China in ihrem Sinne um. In diesem Sinne kann man allerdings schon von einem Weiterleben von so etwas wie Konfuzianismus  – als Verkörperung imperialer Herrschaftstraditionen –  in Form der KPCh sprechen, und damit hätte Jacques  ganz grob gesprochen Recht. Allerdings unterschlägt er in dieser Weise fast komplett alle Kämpfe in Chinas Geschichte und insbesondere innerhalb der KPCh in Chinas neuester Geschichte. Interessanterweise entspricht er damit ziemlich genau der Linie der heutigen Machthaber Chinas, die die Themen bäuerlicher Emanzipation, kollektiver Wirtschaft, tiefgehende Fragen an Chinas Geschichte und Ideologie am liebsten völlig aus der öffentlichen Debatte heraushalten und ihrem Turbokapitalismus ein pseudohumanes konfuzianisches Mäntelchen umhängen.

Wenn der Konfuzianismus  trotz aller seiner historischen Niederlagen auch heute erneut als wichtiges Propaganda-Element belebt wird, hat das im übrigen außer mit den Stabilitäts- und Harmoniebedürfnissen der Ausbeuter auch mit gesellschaftlichen Strukturen zu tun, die in China seit Jahrtausenden noch immer eine praktische gesellschaftliche Rolle zu spielen scheinen, den Clanstrukturen. Der Konfuzianismus  ist ursprünglich aus dem Versuch von deren Bewahrung gegenüber neueren Vergesellschaftungsformen hervorgegangen und mit ihnen anscheinend noch immer innerlich verknüpft. Wenn sie sich für die heutige Ausbeutung als effektive Substrukturen erweisen – und das scheinen sie im China Deng Xiao-Ping s und Xin Jipings zu tun – dann haben sie vielleicht noch eine gewisse Zukunft, und der Konfuzianismus  als ihnen gemäße Ideologie erfährt von daher eine Stärkung.

 

Festzuhalten wäre in meiner Sicht abschließend vor allem, dass die Wirklichkeit des heutigen chinesischen kapitalistischen Aufstiegs mit Methoden und Gesinnungen, die Jacques  als „konfuzianisch“ hinzustellen sich bemüht, nicht zu beherrschen sind. Der „Konfuzianismus “ des derzeitigen Regimes ist vor allem Teil einer Propagandafassade. Da aber der globale Kapitalismus, von dem der heutige chinesische Kapitalismus ein tragender Teil und eine Hoffnung ist, nicht weniger mit Legitimationsproblemen zu kämpfen und sich ständig um Renovierungen der öffentlichen ideologischen Selbstdarstellung zu bemühen hat, erfährt u.a. das konfuzianische Gerede der chinesischen Machthaber wohlwollende Würdigung im Westen. Vielleicht denken hier manche auch an Übernahmen aus dieser Propaganda- Rüstkammer.

Mehr noch: China ist anscheinend in der praktischen Anwendung moderner, IT-gestützter Überwachungs- und Steuerungsmethoden gegenüber den Bürgermassen einen Schritt weiter als es Google etc. und Geheimdienste bisher anderswo geschafft haben. Von daher sieht man, das möchte ich hier einmal unterstellen, im „Westen“, im Finanzkapitalismus westlicher Prägung und Lokalisierung, die „Fortschritte“ auf diesen Gebieten vielleicht nicht ohne Sympathie und vielleicht Neid, welche der chinesische, konfuzianisch drapierte imperiale Beamtenapparat auf diesen Gebieten modernster Überwachung und Manipulation bis hinein ins privateste Leben der Individuen schon erreicht hat und weiterhin verspricht. Man möchte davon lernen, sich vielleicht damit verschmelzen… (vielleicht sogar seinerseits darin die oberste internationale Kontrolle erringen?  Ist es das, was Jacques mit der Konfuzianisierung des Westens meint? Aber dem steht der eigene Supermachtsanspruch des chinesischen Kapitalismus entgegen, und wir dürfen uns auf interessante wechselseitige künftige Enthüllungen und Kritiken einstellen, die möglicherweise die Demokratie in der Welt ihrerseits befruchten könnten. )

Um es noch einmal deutlich zu sagen: ich zögere nicht zu unterstellen, dass im „Westen“, im Finanzkapitalismus westlicher Prägung und Lokalisierung, die „Fortschritte“ auf diesen Gebieten nicht ohne Sympathie und vielleicht Neid beobachtet werden, welche der chinesische, konfuzianisch drapierte imperiale Beamtenapparat auf den Gebieten modernster Überwachung und Manipulation bis hinein ins privateste Leben der Individuen schon erreicht hat und weiterhin verspricht. Man möchte davon lernen, sich vielleicht damit verschmelzen…(vielleicht sogar seinerseits darin die oberste internationale Kontrolle erringen? Aber dem steht der eigene Supermachtsanspruch des chinesischen Kapitalismus entgegen, und wir dürfen uns auf interessante wechselseitige künftige Enthüllungen und Kritiken einstellen, die möglicherweise die Demokratie in der Welt ihrerseits befruchten könnten.)

Jacques konfrontiert uns im übrigen keineswegs nur mit der Zumutung, westliche demokratische Traditionen mit konfuzianistischer Unterordnungsmentalität zu  vertauschen. Er führt auch andere, seiner Meinung nach typisch chinesische und den gegenwärtigen Aufstieg Chinas langfristig leitende mentale Dispositionen an: einen naiven Rassismus sowie ein „Reich-der Mitte“-Denken, demgemäß die chinesische Nation den Gipfel der Weltzivilisation und den natürlichen Mittelpunkt der Welt darstelle, dem die übrigen Teile sich unterzuordnen hätten – vor allem schon einmal die näheren Nachbarn als tributäre Staaten wie in der Vergangenheit gegenüber dem imperialen China. Wenn China die Welt beherrschen werde, soll sich wohl die übrige Menschheit, nach Jacques mehr oder weniger ausgesprochener Meinung, mit solchen Ideologemen arrangieren.

 Es handelt sich hier meiner Meinung nach nicht nur um eine Provokation gegenüber aufklärerischen und demokratischen Traditionen im Westen und anderen Teilen der Welt, sondern auch um Beleidigungen der chinesischen Nation. Diese pauschal als rassistisch und naiv imperialistisch gesinnt darzustellen, überschreitet die Grenzen dessen, was man sich als nicht-chinesischer Autor erlauben dürfte. Denn es kann angesichts der reichen geschichtlichen Erfahrungen der chinesischen Nation, der eigenen leidvollen Erfahrungen mit dem westlichen und dem japanischen Imperialismus, der langwierigen komplizierten Befreiungskämpfe, der zahlreichen Experimente mit sozialistischen Gesellschaftsformen, die zu einer Reihe großer Erfolge geführt haben (auch wenn sie sich in den letzten Jahrzehnten nicht halten konnten), angesichts der vielen differenzierten und aufgeklärten Strömungen der chinesischen Kultur und angesichts der neuen Erfahrungen mit den Schattenseiten des Kapitalismus  nicht sein, dass in China unangefochten Rassismus und imperiales Denken herrschen.

Andererseits nimmt eine unkritische Hinnahme von Rassismus, und sei auch der einer anderen Kultur, seitens eines britischen Autors nicht unbedingt Wunder. Das Vereinigte Königreich mit seinem seit dem 17. Jahrhundert nach und nach eroberten kolonialen Weltreich ist überhaupt die zentrale Brutstätte eines weißen Rassismus gewesen. Der weiße, d.h. der britische Rassismus, der spätere US-amerikanische Rassismus, und vielleicht auch ein französischer Rassismus sind unvermeidliches Produkt einer jahrhundertelangen Praxis der systematischen Vergewaltigung, Erniedrigung und Ausbeutung von Menschen anderer Hautfarben und Ethnien, von Afrikanern, Indianern, Indern, Chinesen usf. im Dienst der Bereicherung der damals größten und reichsten Kapitalisten der Welt.

Anscheinend sind Schriften, die uns scheinbar ganz unbefangen einen neuerlichen Rassismus zur Akzeptanz vorlegen, wie das Buch von Jacques es in seiner Tendenz der Anbetung eines übergroßen neuen chinesischen Kapitalismus tut, auch in der heutigen angelsächsischen Diskussion gefahrlos möglich.

Ich vermerke, dass ich den entsprechenden Passagen bei Jacques zuerst ungläubig gelesen habe, Dieser Autor lokalisiert den von ihm unterstellten Rassismus als heutige politische Elementarströmung Chinas außerhalb jeder Kritik. Ja, er propagiert ihn als Element der neuen Weltmacht China, die uns beherrschen werde.

Ich bin mir bewusst, dass meine hier vorgelegten Überlegungen zu China, die sich aktuell lediglich auf Lektüre von einigen wenigen im Westen verfassten Büchern und journalistischen Beiträgen stützen, Mängel und Einseitigkeiten aufweisen müssen. Diese vor allem auch deswegen, weil mir bisher kein direkter Zugang zur innerchinesischen Diskussion und den unterschiedlichen Strömungen, den vielleicht auch existierenden progressiven oppositionellen Organisationen möglich ist. Was uns hier im Westen als chinesische Opposition öffentlich präsentiert wird, ist mit Sicherheit stark selektiert. Oppositionelle, die nicht in das Schema der westlichen Propagandamedien passen, bspw. in das Schema der sog. Menschenrechtsorganisationen, die oft nicht viel mehr sind als Agenturen westlicher imperialistischer Bestrebungen, sucht man in unseren Qualitätsmedien vergebens. Aber ich bin mir sicher, dass es n China und vielleicht auch in der chinesischen Diaspora auch andere Kräfte gibt, die Beachtung und Unterstützung verdienen, die uns Einiges  zu sagen hätten und mit denen man kooperieren sollte.

Ein abschließendes Wort zu Jacques‘ Wissen über die europäisch-amerikanische Kultur, der er so lebhaft die Anpassung an reaktionäre Elemente der chinesischen empfiehlt. Da sieht es mindestens ebenso traurig aus wie mit seinem Wissen über China.

Eigentlich interessiert Jacques am Westen hauptsächlich die historische Fähigkeit, auf kapitalistische Weise Geld zu machen und reich zu werden. Diese Fähigkeit sieht er nunmehr in China auf stärkere Weise sich entwickeln, deswegen fällt ihm der Seitenwechsel leicht. Der traditionelle Westen besteht für ihn im wesentlichen bloß aus seinem angelsächsischen Teil. Von aufklärerischen und demokratischen Traditionen, bspw. auch von französischen und deutschen Beiträgen zur westlichen Kultur weißer wenig, oder sie interessieren ihn nicht. Auch das ist eigentlich kein Wunder, denn die britischen kulturellen Beiträge sind spätestens seit dem Ende des 18. Jahrhunderts relativ mager geworden – man konnte ja Kolonien noch und noch auspressen und sich durchaus eine gewisse mentale Degeneration erlauben,  wie sie im übrigen auch für die heutige USA kennzeichnend ist.

Jacques vertritt auch die Ansicht, dass die kulturellen Voraussetzungen für die „Modernität“, für den Aufstieg zur Weltmacht, zur führenden Weltmacht, in China eigentlich ebenso vorhanden seien und bereits im 18. Jh.  vorhanden gewesen seien wie im Europa der Neuzeit. Es sei nicht den inneren Bedingungen zuzuschreiben, sondern zufälligen äußeren geschichtlichen Hindernissen, wenn China eine Verzögerung seines Aufstiegs um mehr als 200 Jahre habe hinnehmen müssen. Die langstieligen Ausführungen zu Eingang seines Buches zu diesem Thema sind durchaus von kultureller Ignoranz geprägt. Dass es vor dem Zugriff des (britischen) Imperialismus auf China, der mit den Opiumkriegen seit 1839 beginnt, dort ebenfalls bereits eine Händler- und Kapitalistenklasse mit beträchtlichem Reichtum und Geschick gegeben habe, ist ja wohl als Nachweis von gleichwertiger innerer Kraft einer ganzen Kultur ein bisschen ärmlich. Wie gesagt: für Jacques besteht Kultur in erster Linie in der Fähigkeit Geld zu machen. Auf die massiven inneren Tendenzen Chinas unter der letzten Dynastie zur Stagnation, zur Versteinerung gesellschaftlicher Verhältnisse, zur Nabelschau und zur Unwissenheit, die in erster Linie mit dem Selbsterhaltungstrieb der Dynastien, ihrer grundbesitzerlichen Basis und ihres bürokratischen Apparates zusammenhingen, geht er nicht ein.

Die heutige Europäische Union als werdender internationaler player, nicht ganz ohne Gewicht, existiert für Jacques kaum.

Soviel also noch zur Bildung und zum Geschichtsverständnis des Autors Jacques – und dem Niveau der Autoritäten, die auf dem Klappentext des Buches sein Lob singen.

 

Fazite:

Die vorgelegten Auszüge aus 4 aktuellen Büchern über China können keine direkten Antworten auf die eingangs skizzierten Fragestellungen zur Zukunft Chinas und der übrigen Welt im Verhältnis zu China geben.

Holslag, ten Brink und Osnos beanspruchen dergleichen auch nicht, im Gegensatz zu Jacques. Seine Analysen und Voraussagen jedoch sind auf einem derart unzulänglichen intellektuellen Niveau angesiedelt, dass man eher von Wunschdenken sprechen muss. Allerdings ist Wunschdenken bez. künftiger Weltherrschaft wohl nicht nur in China, sondern auch in gewissen Führungskreisen „im Westen“ anzutreffen, und manche im Westen scheinen tatsächlich über Chinas Führung in einem künftigen Weltsystem nachzudenken, der sie sich zu ihrem eigenen Vorteil anpassen könnten.

Hier möchte ich einige Gesichtspunkte formulieren, die mir aufgrund allgemeiner historischer Kapitalismus-Kritik, in Kombination mit der Kritik an der aktuellen Entwicklung von Chinas Kapitalismus und seinen Beziehungen innerhalb des globalen Kapitalismus, vertretbar und wichtig erscheinen. Sie werden von den Ausarbeitungen der genannten Autoren in vielfältiger Weise unterstützt, sind aber nicht die ihren, können ihnen nicht zugeschrieben werden und können sich auch mit den ihren widersprechen.

  1. Ebenso wie der US-amerikanische, der europäische, erst recht der russische oder lateinamerikanische Kapitalismus bzw. die heutigen globalen kapitalistischen Verbünde ist der chinesische Kapitalismus, der gleichfalls in seinen internationalen Verbünden gesehen werden muss, ein instabiles, krisenhaftes System, das den größeren Teil der Menschheit bedrängt, verarmt und ihm keine humane Zukunft bietet. Vielleicht ist er sogar wackliger als der westliche derzeit.

 

Das wird erneut zur grundsätzlichen Infragestellung der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse und Weltanschauungen führen, d.h. zu Erschütterungen der Weltgesellschaft, von deren Dimensionen  bis heute, jedenfalls in den relativ saturierten  Ländern, noch viel zu wenige Menschen eine Ahnung haben. China selbst ist mE durchaus ein Kandidat für künftige enorme soziale Unruhe und sozial begründete Umstürze.

 

  1. Ebensowenig wie der US-amerikanische Kapitalismus als der bisher größte der Geschichte auf weltweite, vor allem militärisch gestützte Durchsetzung seiner Interessen verzichten kann, wird dies der chinesische Kapitalismus tun, der erklärtermaßen beansprucht, die USA hinsichtlich Masse, Macht und weltweiter Führung zu beerben.

 

  1. Auch wenn in geostrategischen Fragen, bspw. der südchinesischen See, China gegenüber den USA und dem einen oder anderen Nachbarn berechtigte Ansprüche hat und bisher vorwiegend defensiv handelt, enthält der chinesische Kapitalismus dermaßen viel innere Unruhe, dass solche internationalen Reibungspunkte zu Ansatzstellen für Kriege zu werden versprechen. (Zur Illustration: bereits kurz nachdem Deng Xiao-Ping , dem entscheidenden Macher des Umschwungs zum Kapitalismus, und seinen Leuten Ende 1978 die oberste Machtstellung in der Partei übertragen worden war und wegen des Bruchs mit fast allem, was bisher in China als richtig und falsch galt, eine innenpolitisch höchst prekäre Situation entstanden war, brach dieser unter Vorwänden und unmittelbar nach seiner Rückkehr von einem als „triumphal“ bezeichneten Besuch in den USA im Februar 1979 einen Krieg gegen Vietnam vom Zaun, unter echt altimperialen Slogans wie „Vietnam eine Lektion erteilen“. z.B. Maurice Meisner, Mao’s China and After, rev. ed. 1988, p. 455)

 

Bei dieser Aussage gilt es eingedenk zu sein, wie alle großen Kriege der kapitalistischen Jahrhunderte nicht nur von der internationalen geostrategischen Konkurrenz, sondern auch von den revolutionären Herausforderungen angetrieben wurden, denen sich die jeweiligen kapitalistischen Machtzentren von innen her zeitweise konfrontiert sahen. Der Ausweg aus kapitalistischen Dilemmata in den Krieg nach außen ist ein Standard des Kapitalismus. Jedoch muss es in der Zukunft nicht unbedingt wieder zu derartigen Versuchen kapitalistischer „Krisenlösungen“ kommen. Man kann Geschichte nicht voraussagen. Aber die Gefahren, die in bestimmten sozialen Strukturen noch immer und immer wieder erzeugt werden, müssen klar ins Auge gefasst werden.

 

  1. Vorausgesagt werden können gleichfalls nicht künftige internationale Allianzen und eventuelle Kriegsbündnisse. Ob es zu großen direkten militärischen Konfrontationen zw. den beiden derzeitigen Hauptrivalen, den USA und China, kommen wird oder nicht, ist nicht zwangsläufig, wenngleich die massive Aufrüstung beider gegeneinander in diese Richtung weist. Vielleicht entladen diese beiden kapitalistischen Mächte ihre zerstörerischen Energien auch im Kampf gegen andere, vielleicht sogar im Bündnis gegen andere. Vielleicht tun sich USA und China zeitweise zusammen, um Russland oder die EU oder beide zu schlachten und sich selbst zeitweilig zu stabilisieren? Auch eine Wiederbelebung transatlantischer Bündnisse (EU-Staaten und USA) im Kampf gegen China ist zumindest theoretisch möglich. Oder ein großer Stellvertreterkrieg Chinas mit jeweiligen Verbündeten gegen Indien mit jeweiligen Verbündeten? Ich führe solche Gedankenkombinationen nur als Beispiele an, es können auch noch andere gebildet werden. Entscheidend ist dabei vor allem, keine bisher offenkundigen Konfrontationslinien als die künftig einzig möglichen zu bedenken und neue Wendungen, Überraschungen, nie Dagewesenes zu übersehen.

 

  1. Der chinesische Kapitalismus entwickelt, gestützt auf jahrtausendealte imperial-bürokratische Traditionen und eine Massenkultur, welche den europäisch-amerikanischen Gepflogenheiten der Demokratie, des Individualismus, des Rangs der Persönlichkeit nicht sehr nahesteht, neue Methoden der Lenkung und Unterdrückung von Bevölkerungsmassen – zum Zwecke der Erhaltung der Paradiese der Reichen und Superreichen. Das macht ihn für die radikalsten Fantasten der modernen IT-gestützten Bevölkerungslenkung und Unterdrückung im Westen, bspw. im Silicon Valley, interessant und zu einem möglichen Partner. Wir wissen nicht, welche sozialen und kulturellen Formen der Antidemokratismus des chinesischen kapitalistischen Regimes und der Antidemokratismus bspw. der herrschenden Schichten der USA künftig annehmen werden, wie weit in der Manipulation und sogar Veränderung der menschlichen Natur es gehen wird. An sog. Optimierungen von Menschen – im Sinne reibungsloseren Funktionierens für das Kapital oder sein Militär – bspw. durch Gehirnimplantate oder Gen-Editing wird ja beispielsweise schon länger ziemlich unverhohlen gearbeitet.

(Einen Vorgeschmack der antihumanen Barbarei, zu dem das kapitalistische Regime in China fähig ist, hat es kurz nach seiner Installation unter Deng Xiao-Ping  (Ende 1978) mit der Verhängung der „Ein-Kind-Politik“ im Jahre 1979 geliefert. Ich spare mir hier zu referieren, welche Verwüstungen in der Demographie, im emotionalen Leben hunderter Millionen von Chinesen und welche Verbrechen an Müttern und Kindern diese Politik ausgelöst hat.)

 

Jedenfalls sollte man auch diesen Aspekt, die Arbeit solcher kapitalistischer Radikalinskis an der Herbeiführung anderer zivilisatorischer Grundbedingungen, im Auge behalten. Auf beiden Seiten des Pazifik scheinen sie ihre Schwerpunkte zu haben.

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