„Der Finanzsektor blutet uns aus“

„Der Finanzsektor blutet uns aus“, sagt ein Vermögensverwalter zu den Praktiken des Finanzsektors, der großen Banken, Fondsgesellschaften und Börsenmakler. Interessante Lektüre zu konkreten heutigen Verhältnissen des Kapitalismus

http://www.faz.net/s/Rub645F7F43865344D198A672E313F3D2C3/Doc~EABFE252C7F3D4A119BA90558BAEA7372~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , | Kommentare deaktiviert für „Der Finanzsektor blutet uns aus“

Schirrmachers fundamentalistische Anti-Kernenergie-Tirade in der „FAZ“

Ach wie nett.

Frank Schirrmacher, häufig zu Zukunftsfragen stellungnehmender Mitherausgeber der „FAZ“, läßt die Hosen herunter und präsentiert eine fundamentalistische Anti-Kernenergie-Tirade, die allen ihren Befürwortern das Stigma der intellektuellen Unredlichkeit anheften soll. (http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E02AA44CC26634CBDB7322680CADEA714~ATpl~Ecommon~Scontent.html, kann man durchaus mal zum Lesen vornehmen. Es ist immer gut, an intellektuell einigermaßen raffiniert drapiertem Schwachsinn Widerlegungen zu überlegen und sich fit zu halten. )

Wenn das das Hauptkriterium sein soll, daß die Kernenergie noch in Millionen Jahren den dann vielleicht noch lebenden Menschen ein noch immer gefährliches Erbe präsentieren werde, dann ist es intellektuell auch „redlich“, der gesamten Menschheit ihre gesamte Entwicklung vorzuwerfen, denn die wird auch noch in Millionen von Jahren zu jeder Menge von weiteren Risiken geführt haben haben. Echt Frankfurter Schule, diesen Fundamentalpessimismus, der zur Religion zurückführt, haben seinerzeit Horkheimer/Adorno in „Dialektik der Aufklärung“ präsentiert.

Der Herr war mir schon früher besonders unangenehm aufgefallen, als er ganz unvermittelt und mir zunächst unerklärlich das Projekt des amerikanischen antideutschen Scientology-Films über den Obersten Stauffenberg (Tom Cruise in „Operation Walküre“) bejubelte und dessen Kritikern das Maul zu stopfen suchte.

Es muß doch irgendwie eine tiefe Unsicherheit an kulturpessimistischen Konservativen wie Schirrmacher nagen, daß trotz der scheinbaren Befestigung ihrer Politik auch durch ein aktuelles Ergebnis wie die Baden-Württemberg-Wahl solche selbstdemontierenden Ergüsse notwendig erscheinen. Das läßt hoffen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentare deaktiviert für Schirrmachers fundamentalistische Anti-Kernenergie-Tirade in der „FAZ“

Die Niederlage der CDU und das Problem Merkel

Die Niederlage der CDU ist verdient. Zwar wird es mit der nun wahrscheinlichen Koalition Grüne-SPD in Baden-Württemberg nicht besser, aber das ist ein anderes Kapitel.

Merkel hat mit ihrer Anti-Kernkraft-Politik, die sie schon seit Ende der 90er Jahre betrieben hat, damals noch als Umweltministerin unter Kohl und im Sinne von Herrschaften wie Klaus Töpfer,  ihrer eigenen Partei nach und nach und konsequent das Restchen Legitimation genommen, das diese Partei eventuell mit einem Kurs gegen die ökoreligiöse Versumpfung hätte beanspruchen können.

Der entscheidende Kick für den Abstieg der CDU, der sich jetzt im Verlust der Regierung in Ba-Wü. manifestiert, kam nicht erst mit dem Eiertanz der vorzeitigen Abschaltung weiterer 7 Kernkraftwerke, sondern mit dem sog. Laufzeitverlängerungsbeschluß. Dieser war alles andere als eine Befürwortung der Kernenergie, sondern die Absicherung des  Ausstiegs eines einzelnen isolierten Landes aus der Kernenergie mittels Abschöpfung der Produktivität derselben für die ruinierten Staatsfinanzen und für höhere Subventionen für den Umbau der Stromversorgung auf kostspielige Windräder und ähnlichen Schwachsinn, dies alles auf der Grundlage einer von allen Parteien jahrzehntelang bewußt geschürten „Atomangst“.

Ginge es tatsächlich um den sog. Klimaschutz, so hätte man die Kernenergie zu verstärken; ginge es tatsächlich um eine Sorge um Sicherheitsrisiken in einer Größenordnung, wie sie die jahrzehntelang durchgezogene öffentliche Propaganda unterstellt, dann hätte man tatsächlich schon viel  früher abschalten müssen. Diese Politik muß an ihrer inneren Verlogenheit krepieren, und das aktuelle Opfer ist nun die CDU.

Worum geht es nun eigentlich bei dieser Politik?

Es geht in Wirklichkeit um die Umsteuerung des bundesdeutschen Kapitalismus auf einen Kurs der sog. Nachhaltigkeit. Für die Masse der Bevölkerung erzeugt allerdings diese Politik mit der unaufhaltsam wachsenden Unsicherheit der Arbeitsplätze, der Sozialversicherungen und der Renten das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Die angestrebte Nachhaltigkeit bezieht sich auf grundsätzlich auf den kapitalistischen Profit.

Dieser Kurs, den zuerst die eigens in diesem Sinne geschaffene grüne Partei seit Ende der 70er Jahre, dann zunehmend die Erzbürokratenpartei SPD und schließlich auch die Unionsparteien, wenn auch am wenigsten einheitlich, eingeschlagen haben, ist der Kurs der fortschreitenden Lähmung des produktiven und wissenschaftlichen Potentials dieser Nation, ihre bevölkerungsmäßige Verkleinerung und Durchmischung mit mehrheitlich rückständigen Komponenten aus allen möglichen Ländern, und in der Perspektive die Abwicklung der Nation zugunsten der Erhaltung der obersten finanzkapitalistischen Schichten und der staatlichen Bürokratie aus dem Raubbau nach innen und international, in Anlehnung an international führende Mächte des Kapitalismus und in weiter zunehmender Unterordnung unter diese.

Dieser Kurs wird selbstredend von der abgewandelten politischen Konstellation, die nach der jetzigen Wahl in zwei Bundesländern gegeben ist, verstärkt fortgesetzt werden, wenn es nicht zu einer Art Aufstand von bürgerlichen Kräften kommen sollte, die damit nicht einverstanden sind. Das ist aber unwahrscheinlich angesichts der politischen Entmannung, der Korruption und der internationalen Schwäche, die in allen diesen Kreisen um sich greifen und sich in entsprechenden Erscheinungen auf der Ebene der Wählerschaft widerspiegeln –  zumal in dem politisch-kulturell schon immer spießigsten Land der ganzen Republik.

Die weiter sich verdüsternden gesellschaftlichen Perspektiven der Bundesrepublik sind ohne Zweifel auch in ganz erheblichem Maße ein „Verdienst“ der Angela Merkel, die in ihrer eigenen Partei den entsprechenden Kurs nachhaltig durchgesetzt hat und der solche Figuren wie Mappus gut entsprechen, ähnlich wie Röttgen und anderen Paladine.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Die Niederlage der CDU und das Problem Merkel

Zu Libyen

Das Vorgehen gegen Libyen muß vom Prinzip her verurteilt werden. Ganz offensichtlich wird hier versucht, mit brutaler miltärischer Übermacht die Kontrolle über einen Staat zu erreichen, der in mancher Hinsicht sich nicht unterordnet, und dort höchst zweifelhafte „Rebellen“ an die Macht zu bringen, die mit großer Sicherheit weit reaktionärer sind als das Ghaddafi-Regime, von denen man sich aber mehr erwartet in Hinsicht auf Gehorsam oder Verwendbarkeit für Intrigen und Komplotte. Die islamistische Komponente ist unübersehbar.

Man sollte allerdings die Interessenidentität der Staaten, die derzeit Libyen bombardieren – Frankreich, USA, Großbritannien – nicht überschätzen. Beim Vorpreschen Frankreichs ist es mE möglich, auch andere Motive als die sog. „Einheit der NATO“ zu unterstellen. Das libysche Territorium – als Staat ein bloßes Konglomerat -, der ganze nordafrikanische Raum und das Mittelmeer selbst sind über mehrere Jahrhunderte und bis heute Zonen der imperialistischen Rivalität zwischen Frankreich, Großbritannien, Italien, früher auch den Osmanen  und später zeitweilig in erheblichem Maße auch Deutschland (das im 1. und 2. Weltkrieg dort militärisch massiv agiert hat) gewesen. Diese Rivalität bezieht sich unmittelbar vor allem auf Nordafrika, aber – wichtiger noch – auf viel weiterreichende Zonen, die bspw. durch die internationale Transportroute Suezkanal oder die kontinentalen Verbindungen über die Türkei, die Levante etc. repräsentiert werden. Es geht um die Kontrolle der Handelsverbindungen nach Asien, insbes. Japan und China, um das Erdöl vom Golf etc.pp.

Interessanter noch als die Rivalität der europäischen Staaten ist die Rolle der USA, die auch im Mittelmeer spätestens seit dem 2. Weltkrieg  die dominierende militärische Macht ist. Es wäre naiv, die seitdem etablierte militärische Kooperation Frankreichs, Italiens, Griechenlands, der Türkei etc. mit den USA bloß als eine Bündelung gemeinsamer Interessen gegenüber Gegnern zu sehen; das Moment der Kontrolle der zweitrangigen Bündnispartner wie Italien und Frankreich durch die USA ist mindestens ebenso wichtig. Ein Motiv Sarkozys könnte es bspw. sein, nach dem Motto ‚so intitiativ und so früh wie möglich bomben‘, im weiteren mehr politische Mitsprache zu bekommen bzw. eigene claims in Nordafrika besser sichern zu können.

Als Ende 2008 die sog. Anti-Piraten-Manöver im Golf von Aden, dem Eingangstor zum Suezkanal, anliefen, mußte man die internationale Rivalität um den Bereich arabische Halbinsel, Ostafrika, Ägypten, Suezkanal und mittelbar auch das Mittelmeer bereits als wichtigsten politischen Hintergrund unterstellen, s. u. a. meinen Beitrag „Die sogenannte Piratenjagd vor Somalia – Rivalitäten und Krise des Kapitalismus“ (IS 2008-54 auf www.neue-einheit.com). Jetzt erschien auf den chinesischen Internetportal „ Global Daily“ ein bemerkenswerter Beitrag über die wachsende Zusammenarbeit der Kriegsmarinen Chinas und Japans, die sich  ausgerechnet im Golf katalysiert. Der Titel „Quake offers fresh chance for naval relations“ (http://en.huanqiu.com/opinion/commentary/2011-03/637843.html) lenkt die Aufmerksamkeit zwar hauptsächlich auf die chinesische Hilfe für Japan wegen der Tsunami-Katastrophe, behandelt aber tatsächlich mehr die miltärische Kooperation und die weiteren Kooperationsmöglichkeiten im Golf und in den ostasiatischen Gewässern selbst. Das stellt in der Tendenz das traditionelle Miltärbündnis Japan-USA in Frage. Wenn derzeit im Mittelmeer und darüberhinaus in Afrika die USA mit ihren Bündnissen und Militärstützpunkten Boden zu machen scheinen, so sieht es in Ostasien schon etwas anders aus, mit Auswirkungen bis an die ostafrikanische Küste. Das heißt aber auch, die Kontrolle Afrikas durch die USA ist auch von dieser Seite her in Frage gestellt, abgesehen von der schon seit langem etablierten starken ökonomischen und politischen Präsenz Chinas in Afrika.

Das in Kanada stationierte „Global Research Centre“ (Chossudovsky und andere) bringt zwar interessantes und wohl auch überwiegend wertvolles Material über die politische Natur der „Rebellen“ („Who are the Libyan Freedom Fighters and Their Patrons“, http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=23947) sowie über die strategischen Ziele der USA („War on Libya and Control of the Mediterranean“, http://www.globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=23940), insbesondere ihr „Africom“, verwendet aber leider, in der Linie des traditionellen revisionistischen Allmachtskults gegenüber den USA, keinerlei Energie auf die Analyse der imperialistischen Rivalitäten, die mE auch in den derzeitigen Kriegskoalitionen gegen Libyen innerhalb und außerhalb der NATO eine Rolle spielen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentare deaktiviert für Zu Libyen