Journalismus und Wahrheit –Weisheiten des Rainer Hank von der FAZ

Prägnante Sätze findet der FAZ-Journalist Rainer Hank für das Verhältnis von Wahrheit und Journalismus – wie er es versteht.

In einem Artikel über einen Herrn Alexander Geiser, einen internationalen Star des PR-Gewerbes, der im Auftrag von kapitalistischen Führungsfiguren taktische stories über sie in die Publikationsmaschinerie lanciert (lt. Hank),

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/wirtschaft-als-fiktion-der-erzaehler-11716768.html

schreibt Hank am 15.4. 2012 u.a.:

„Enzensberger war damals, 1957, einer der Ersten, der die narrative Struktur, das Konstruierte der Wirklichkeit im öffentlichen Diskurs erkannte: Wahrheit wird von Menschen (Journalisten) gemacht und nicht von der ‚Realität‘ abgekupfert. Der Dichter meinte damals freilich noch, dass es ein von der Story Unterscheidbares gebe, die Nachricht eben, das factum brutum. Dabei hätte gerade der Dichter wissen müssen, dass das eine Illusion ist. Die Korrespondenztheorie der Wahrheit – wonach erst das Faktum, dann ihre Nachahmung in Journalismus, Belletristik oder Literatur kommt – ist selbst eine Fiktion.“

Hank war mir im Jahre 2010 in der Anfangszeit dieser homepage aufgefallen wegen eines provokanten Artikels, in dem er von der „Weisheit der Finanzmärkte“ schwärmte und seine eigenartige Version der Entstehung der Finanzkrise zum besten gab. https://www.waltergrobe.de/2010/05/24/die-weisheit-der-finanzmarkte-und-gewisser-journalisten-herr-hank-von-der-faz-bspw/

Die Erfolgsbranche, der Hank im obigen Zitat beispielhaft Herrn Geiser und seine eigene Wenigkeit zuordnet,  die Branche von Journalisten und sonstigen Strategen der Bearbeitung der öffentlichen Meinung, die nach dem Prinzip schreiben, auf Wahrheit kommt es nicht an, es zählt nur das Interesse des Auftraggebers der Schreiberei (solange er gut zahlt), ist heutzutage recht umfangreich.

Sie umfaßt nicht bloß „Bild“, den „Spiegel“ (über den Enzensberger 1957 die von Hank erwähnte  Studie veröffentlichte), um nur die bekanntesten der längst gebrandmarkten Manipulateure zu erwähnen, sondern u.a. auch maßgebliche Teile der FAZ-Redaktion, des selbsternannten Flaggschiffs des deutschen Qualitätsjournalismus.

Das mußte zwar Hank nicht erst verkünden, sondern das ist aus der Analyse der politischen Linie des Blattes durchaus seit langem klar, aber Dank, Herr Hank, daß Sie es auch einmal so unnachahmlich provokant und blöd direkt aussprechen.

 

 

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