Frankreich: allgemeiner Protest gegen asoziale und undemokratische kapitalistische Zustände

Hier zur ersten Kenntnisnahme zwei links zu Berichten aus Frankreich.

Ergänzung 04.12.18: Übersetzung des „Aufrufs der freien Gilets Jaunes“

Am 01. 12 2018 veröffentlichte die französische Zeitung “Journal de Dimanche“ einen „Aufruf der freien Gilets Jaunes“. Ich meine, man sollte ihn zur Kenntnis nehmen – als einen Ausdruck einer sehr gemäßigten und kompromissbereiten Strömung innerhalb der gegenwärtigen Proteste, der jedoch einen kleinen Eindruck vermitteln dürfte von der Empörung über die asoziale und arrogante kapitalistische Politik der regierenden Eliten .

Ich habe den Text aus dem JDD rasch übersetzt, so gut oder schlecht das meine sehr eingeschränkten Kenntnisse der französischen – politischen –  Sprache erlauben.

“Die Gilets Jaunes  sind Millionen, und niemand besitzt das Monopol, für sie die Worte zu finden oder sie zu repräsentieren. Überall in Frankreich mobilisieren sich seit einigen Wochen die Vergessenen der Republik und alle Opfer eines überholten Systems, um ihr Recht auf ein würdiges und wirtschaftlich angemessenes Leben zur Geltung zu bringen. Ihr Zorn drückt sich überall aus, wo er das kann: in den sozialen Netzwerken, an den Landstraßen, auf der Straße und in den regionalen und nationalen Medien.

Unmittelbar nach der unfruchtbaren Reaktion des Premierministers auf diese Wortmeldung, die vom Volk kam, wollen wir verantwortlich handeln und der Regierung einen Ausweg aus der Krise anbieten. Heute veröffentlichen wir einen Appell an alle Bürger, die nicht mehr bloß die  freien Gilets Jaunes  gut finden, ermutigen oder unterstützen wollen, sondern zusammen mit ihnen an der engagierten Bewegung teilnehmen wollen, um dabei die Bezugspersonen auf der Ebene der Kommunen und der Departements zu werden. Abseits jeder Radikalisierung und in Übereinstimmung mit den 80% der Franzosen, die uns unterstützen, lasst uns ein machbares und glaubwüriges Projekt konstruieren, im Interesse aller.

Wir meinen, dass die Regierung auf die Empörung  nicht mit dem Hochmut einer alternativlosen Politik reagieren darf.

Als engagierte und freie Bürger sind wir seit dem  Beginn der Bewegung dabei, um seriösen Forderungen Geltung zu verschaffen. Wir tun das im Respekt vor den Institutionen der Republik, der öffentlichen Ordnung, der Werte und der Personen. Unter diesem Motto bilden wir eine Gruppe engagierter Bürger, welche eine aufrichtige Vertretung des leidenden und sich vernachlässigt fühlenden  Frankreich bildet.

Wir wollen die Wortführer einer konstruktiven Empörung sein. Daher strecken wir gegenwärtig die Hand der Regierung entgegen in der Hoffnung, dass sie unsere Forderungen hört, dass sie eine Änderung ihrer steuerlichen Entscheidungen vornimmt und dass sie letztendlich der Gesamtheit der Bürger zugesteht, die Handelnden der Politik in diesem Land zu sein, denn die Demokratie gehört dem Volk.

Wir hören, die Vorschläge der Gilets Jaunes  seien schlecht konzipiert; manche sagen: ‚unzusammenhängend‘. Daher wollen wir unsere Forderungen präzisieren. Wir fordern die Einberufung der fiskalischen  Generalstände; einer nationalen Sozialkonferenz; von Versammlungen zum Thema ‚Territorien und Mobilität‘, die die Form regionaler Debatten annehmen; die Organisation regulärer Referenden über die großen Linien der Sozial- und Gesellschaftspolitik; die Einführung des Verhältniswahlrechts für die Wahlen zur Legislative, damit die Bevölkerung im Parlament besser repräsentiert ist.

Darüber hinaus fordern wir die unbedingte und sofortige Einfrierung der Steuererhöhungen auf Kraftstoffe und die Streichung der Verschärfung der technischen Kontrolle der Automobile. Besorgt um den Respekt vor den Institutionen und den sozialen Dialog, verurteilen wir alle Formen der Gewalt. Doch meinen wir, dass die Regierung auf die Empörung nicht mit dem Hochmut einer angeblich alternativlosen Politik reagieren darf. Schließlich wünschen wir eine rasche Verständigung, vor der Zeit der Feste zum Jahresende, damit die Wirtschaft des Landes ihre Stärke wiederfinden kann.

Wir halten uns bereit für eine erstes Treffen mit dem Premierminister.

Les porte-parole des Gilets jaunes libres (GiletsJaunesLibres) : 

Benjamin Cauchy (Occitanie), Jacline Mouraud (Bretagne), Cédric Guémy (Île-de-France), membres fondateurs ; Chantal Perrotin (Auvergne-Rhône-Alpes), Cédric Delaire (Hauts-de-France), David Tan (Pays de la Loire), Christophe Chalençon (Provence-Alpes-Côte d’Azur), Ghjuvan-Andria Culioli, David Roig (Un espoir pour la Corse), Damien Molin (Nouvelle-Aquitaine).“

Anm.: 1.Mit dem Ausdruck „Einberufung der fiskalischen Generalstände“ nehmen die Autoren, wohl nicht ohne Absicht, Bezug auf die Ausgangssituation der französischen bürgerlichen Revolution 1789.

2. Die Erhöhung der Öko-Kraftstoffsteuern und der, ähnlich wie in Deutschland, auf die Autobesitzer unter Öko-Vorwänden ausgeübte Druck, ihre älteren Fahrzeuge möglichst rasch zu verschrotten und teure neue zu kaufen, hat in Frankreich anscheinend das Fass der Empörung über die generelle asoziale und arrogante kapitalistische Politik zum Überlaufen gebracht.

 

 

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Ich verspreche jede sachlich irgendwie relevante Zuschrift dann im Anhang zu dem betr. Beitrag zu veröffentlichen, auch wenn sie mit meinen Ansichten garnicht übereinstimmen kann.

 

 

 

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Aktuelles: Die Ukraine – EU und Brexit – Deutsche Anti-Dieselkampagne

 

Derzeit habe ich beruflich und gesundheitlich zu viele Aufgaben, um die aktuellen Aufreger in den Medien detailliert und im aktuellen Faktenumfeld zu kommentieren.

Daher in aller Kürze ein paar Bemerkungen und, wegen ausführlicherer Stellungnahmen, vor allem Verweise auf frühere Analysen.

Poroschenko, der Präsident der Ukraine, steht vor Wahlen, die ihm und seinesgleichen bescheinigen dürften – falls sie überhaupt einigermaßen demokratisch durchgeführt werden -, dass die Wähler die Nase mehr als voll haben von seinem desaströs korrupten  System.  Sie lehnen vernünftigerweise auch mehrheitlich seine Politik ab, den Konflikt mit Russland dauerhaft am Kochen zu halten.

Zweifellos hat Russland mit der Annexion der Krim und der Etablierung merkwürdiger Separatistenregimes im Osten der Ukraine internationales Recht verletzt.  Man muss aber auch in Rechnung stellen, dass mit dem sog. Maidan und seinen Folgen seitens der USA und fanatischer ukrainischer Dreinschläger versucht wurde und noch immer versucht wird, Russland von essentiellen Westverbindungen abzuschneiden und darüber hinaus die Ukraine als einen US-Militärstützpunkt zu etablieren. Die Politik der militärischen Einkreisung Russlands seitens der USA vom Westen her bis zum Kaukasus und Afghanistan wird weiter betrieben, trotz mancher Fehlschläge und mangelnden Kooperationswillens in dieser Frage auf Seiten der meisten europäischen  Staaten.

Daher ist es für Russland unmöglich, in der Krim, im Asowschen Meer und auf der Westseite des Don die Räume Seelenverkäufern vom Schlage Poroschenkos  zu überlassen.

Die EU, militärisch machtlos und von den USA abhängig, wie sie ist, muss versuchen, die Zuspitzungen zu dämpfen und sowohl mit Russland  wie mit den USA sich nicht zu überwerfen. Sie kann aber,  solange die internationale Lage nicht fundamental anders wird, nicht auf Kompromisse hoffen, die dauerhaft und zugunsten der betroffenen Bevölkerungsteile in der Region den Zündstoff neutralisieren werden.

Die EU hat es anscheinend geschafft, relativ einig gegenüber den aggressiven Brexiteers  Kurs zu halten und deren Schwäche aufzudecken. Hoffnungen jenseits des Atlantik und auf der Insel, die EU zu spalten, sind nicht aufgegangen; Spaltungen zeigen sich vielmehr nun eher auf deren Seite.

Übrigens könnte Poroschenkos Provokation auch dazu dienen, osteuropäische EU-Mitgliedsstaaten mit ihrer traditionellen, tief eingewurzelten Furcht vor militärischen Aggressionen aus dem Osten, Staaten wie die baltischen oder Polen,  anzustacheln, die Einigkeit der  EU in ihrer zähen Weigerung, militärisch gegen Russland aufzutrumpfen, erneut in Frage zu stellen. Es könnte sein, dass hinter Poroschenkos Provokation  auch Anti-EU-Machenschaften von Kräften am Werke sind, die nach ihrer Brexit-Niederlage Anderes versuchen.

Diesel, Fahrverbote etc.:  die Umweltbegründungen dienen wie üblich dazu, die langfristigen Interessen des deutschen Kapitalismus an der Renovierung seiner grundlegenden Profitabilität zu verhüllen und zu befördern. Das Stichwort lautet: disruption, d.h. Abriss alter Profitmodelle und staatlich erzwungener Neubau doppelt profitabler Techniken und Systeme (wie bereits in der sog. Energiewende erprobt). S. dazu meinen Beitrag v. Juli 2017.

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Großbritannien und Saudi-Arabien

Ein Artikel des „Guardian“ über die finanziellen und politischen Verflechtungen von Großbritannien mit Saudi-Arabien. Interessant u.a. der Hinweis, dass Ex-Außenminister Boris Johnson den von ihm propagierten Brexit u.a. damit plausibel machen wollte, dass Saudi-Arabien enorme Investitionen in Gorßbritannien tätigen wolle.

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Proteste wie am Hambacher Forst – kritische Anmerkung

Die Leute, die hierzulande anscheinend massenhaft für einen Stopp der Braunkohle-Verstromung eintreten, legen eine bemerkenswerte Ahnungslosigkeit für die ökonomischen Zusammenhänge an den Tag, sowohl für die deutschen als auch die internationalen.

Die Hauptbegründung für den Kohle-Ausstieg wird seit einer Reihe von Jahren von den Medien und den diversen Regierungsparteien, CDU, SPD, Grüne usf. dem Publikum pausen- und kritiklos serviert, daher ist es natürlich kein Wunder, wenn unkritische Menschen dem folgen: es gehe darum, durch CO2-Vermeidung das Weltklima zu retten.

Ob dies nun notwendig oder, falls ja, auf welchem Wege es überhaupt möglich wäre, darauf soll hier nicht eingegangen werden. Jedenfalls aber sehen die entscheidenden Entwicklungen rund um den Globus nicht so aus, als spielten die Besorgnisse von solchen Leuten wie den Rettern des Hambacher Forstes überhaupt irgendeine Rolle – im Sinne der Klimarettung, wie sie ihn verstehen.

Sie spielen allerdings eine Rolle in bestimmten Spielchen des Kapitalismus, und diese Spielchen werden offenbar von den Rettern überhaupt nicht verstanden, oder sie wollen sie nicht verstehen.

Rund um den Globus, seitens viel größerer Akteure wie China, Indien, auch den USA, ob unter Trump oder wem auch immer, seitens solcher Schwergewichte, die den Kurs der Weltwirtschaft viel mehr als Deutschland bestimmen, sehen wir ein großes Wachstum der Förderung und Verbrennung von Stein- und Braunkohle sowie anderer Energieträger, die zu CO“-Emissionen beitragen.

Selbst wenn Deutschland schlagartig seine gesamten CO2-Emissionen, sei es aus Kraftwerken, aus dem Verkehr oder den Heizungsanlagen auf Null fahren würde, würde es die weltweiten Emissionen nur um einen kleinen Bruchteil vermindern, und im Sinne einer auf diese Weise angestrebten „Klimarettung“ wäre das völlig für die Katz.

Um nur ein markantes Beispiel aus den Berichten der letzten Wochen zu nehmen: in Pakistan hat China mit einem gigantischen Kohle-Abbau und dem entsprechenden Kraftwerksbau  in der Wüste Thar begonnen, der die bisher völlig desolate Stromwirtschaft des Landes erstmalig zu einem Teil konsolidieren soll und Teilen der Bevölkerung erstmals Zugang zu zivilisatorischen Grundlagen verschaffen könnte. Auch auf dem Balkan, in einer der EU benachbarten und von der EU nicht wenig beeinflussten Region, werden derzeit viele Kohlekraftwerke gebaut, wohl zumeist mit chinesischem Kapital, und dort hat man keinerlei Sinn für etwaige Einsprüche aus Deutschland oder Brüssel.

Man kann sich kaum vorstellen, dass die Spitzen des deutschen Kapitalismus und der Parteien nicht um diese einfachen Zusammenhänge wissen.

Ihr Eintreten für die radikale Umrüstung der Energiewirtschaft hat ganz andere Gründe als eine Sorge um das Klima: mit der sog. Energiewende werden jetzt und in Zukunft riesige Profite generiert, die man nie und nimmer mit den vorhandenen Strukturen erzielen könnte. Mit Windrädern, Solarparks, neuen Netzen usf. , die vom Stromkunden, d.h.von der großen Masse der Bevölkerung, und ditto vom Steuerzahler finanziert werden, lassen sich enorme Investitionen vom Zaun brechen, die anderweitig nicht zu haben wären, und deren Profitabilität auf Jahrzehnte hin durch exorbitante Strompreise garantiert werden soll.  Eine derartige Goldgrube könnte eine Fortführung der bisherigen Stromwirtschaft, die sich hauptsächlich auf Kohle und Kernenergie stützte, niemals bieten.

Desgleichen könnte die Autoindustrie mit der geradlinigen Fortführung von Diesel- und Benzinmotoren niemals eine derartige Profitabilität erreichen, wie sie jetzt mit deren Disruption und der amtlich forcierten Umstellung auf andere Antriebe und Fahrzeugtypen winkt. Das Gegrummel aus allen betroffenen Kapitalistenkreisen bezieht sich nicht auf die grundsätzliche Wende, sondern darauf, dass sie noch mehr Subventionen dafür an Land ziehen wollen und befürchten, dass doch der eine oder andere kapitalistische Laden in dem recht gewaltsamen Prozess doch über den Jordan gehen könnte.

Es muss einem politisch denkenden Menschen Sorgen bereiten, wie sich Massen von Menschen hierzulande derartig politisch manipulieren lassen, um die Spielchen innerhalb des Kapitalismus als Ergebnisse des Volkswillens, oder als Willensäußerungen von solchen Teilen der Bevölkerung erscheinen zu lassen, die an derartigen Kampagnen immer wieder willig teilnehmen.

Sie haben offenbar keine Ahnung von internationalen Zusammenhängen und Entwicklungen.

Es zeigt sich auch einmal mehr eine gewisse Grundstruktur der „grünen“ und ökonomisch-alternativen Ideologie: die größten Teile der harten Arbeit, der regelrechten Vernutzung von menschlicher Arbeitskraft, Lebenszeit und Gesundheit in Industrien, in Rohstoffgewinnung und anderen Wirtschaftszweigen werden aus einem entwickelten Land wie Deutschland hinaus verlagert in die großen Zonen der ehemaligen kolonialen und halbkolonialen und heute vielleicht mehr denn abhängigen Welt („Globalisierung“), während hierzulande man eine Art Gartenidylle anstrebt. Dort verschlechtern sich vielfach massiv die Naturbedingungen, greifen Umweltvergiftungen und Luftverschmutzungen weiter um sich, während der verantwortliche globalisierte Kapitalismus in den reichen Ländern auf Öko macht und auf diesem Wege noch weitere Extraprofitquellen mobilisiert.

Darüber kann auch die eine oder andere fairtrade-Idee oder Ähnliches nicht hinwegtäuschen, die an den völlig ungleichen internationalen Wirtschaftsbeziehungen kaum etwas ändern kann.

Eine der Kehrseiten solcher tiefgreifender sozialer Umschichtungen sind die mentale Verflachung und die – man muss es leider schon so nennen – Anzeichen der mentalen Verlumpung im Kulturellen in solchen reichen Ländern wie Deutschland. Das war mir vor kurzem einmal mehr drastisch aufgefallen anlässlich des Konzerts „gegen Rechts“ in Chemnitz, wo sich eine ähnlich strukturierte Klientel wie bei Hambach versammelt hatte.

Die Absicht, gegen rassistische Tendenzen und nazimäßiges Gehabe aufzutreten, ist jedenfalls zu begrüßen – aber es ist doch auch erschreckend, welchen mentalen Müll ein nicht unerheblicher Teil der dort zentral engagierten Bands bei solchen Anlässen ablässt, anscheinend ohne Widerspruch oder sogar zum Gefallen wenigstens eines Teils des Publikums. Drogenkonsum, Alkoholismus, individuelle wohlige Depressivität, die sich selbst als „oppositionell“ oder „kritisch“ zelebriert, gehören hier anscheinend zu den selbstverständlichen Grundbefindlichkeiten.

Ob damit günstige Voraussetzungen für wirkliches progressives gesellschaftliches Engagement, oder auch für ein Verständnis der internationalen Zusammenhänge und ein Eintreten für die riesigen Massen der Ausgebeuteten und Rechtlosen in der heutigen Welt geschaffen werden, das darf man doch sehr bezweifeln.

 

 

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Drastische Warnungen vor neuer internationaler Finanz- und Wirtschaftskrise

Mehrere internationale Finanzinstitutionen, der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und die Bank für internationalen Zahlungsausgleich veröffentlichen ernste Warnungen vor einer neuen großen Finanz- und Wirtschaftskrise.

Was sie nicht sagen – jedenfalls nicht, soweit ihre Äußerungen in den von mir verlinkten Artikeln wiedergegeben werden:

Die letzte Finanzkrise hat zwar zahllose Menschen, Unternehmen, ganze Länder und deren Staatsapparate drastisch zur Kasse gebeten, sodass viele – noch heute – weniger zur Verfügung haben als vor 2008; sie hat jedoch  gewisse Spitzen des internationalen Finanzsytems, allen voran die wirklich mächtigen Banken etc. der USA, weiter ermächtigt, noch erfolgreicher und einflussreicher gemacht. Die US-Regierungen haben daran kräftig mitgewirkt.

Um an ein relativ offenkundiges Detail der Entwicklung zu erinnern: die sog. subprime crisis bildete bekanntlich einen der wichtigsten Ausgangspunkte..  Es handelte sich dabei , wie üblich, um ein Zusammenspiel des US-Bankensystems mit dem Staat: millionenfach wurden US-Bürgern, die im Grunde nicht zahlungsfähig waren,  u.a. wegen des schon lange laufenden Verfalls der Löhne und des Arbeitsmarktes, mit staatlicher Ermunterung Hypothekenkredite angedreht und Illusionen vom gesicherten Eigenheim angeheizt – um sodann diese Kredite, faul  von Anfang an, zu sog. Verbriefungen zu bündeln und betrügerisch international weiter zu verkaufen. Dann ließ man die Sache auffliegen, ließ sekundäre Institute wie Lehmann als ein Menetekel über den Jordan gehen und tat sich im weiteren Verlauf an den mittleren oder kleinen Vermögen, den Rentenansprüchen  hunderter Millionen Menschen in den USA, in Europa und weltweit gütlich  – mit dem Ergebnis, dass die  obersten Urheber heute noch fetter dastehen und sich ihres erfolgreichen Zusammenspiels mit der Politik freuen dürfen.

Eine interessante  Facette der Entwicklung ist der gleichzeitige Niedergang der EU-Banken, exemplarisch der Deutschen Bank und der Commerzbank, trotz der ungezählten Milliarden, die der deutsche Staat in diese maroden und korrupten Läden hineingepumpt hat. Milliarden, die die Staatsverschuldung und damit die Haftung des Bürgers (Milliardäre ausgenommen) weiter erhöht haben.

 

Angesichts solcher gewichtiger Seiten der sog. „Finanzkrise“ könnte man durchaus auch einmal darüber nachdenken, ob bei der Auslösung der Krise 2008 und ihrer weiteren Steuerung nicht auch politische Absichten und Ziele, vielleicht sogar Pläne eine Rolle gespielt haben seitens derjenigen, die letztlich so skandalös von der „Finanzkrise“ profitieren.  Was in der Öffentlichkeit als Finanzkrise buchstabiert wird, ist deren beispielloser boom.

Man kann den Artikeln der „FAZ“ und der „Asia Times“ sehr viele sehr unschöne ökonomische und soziale Details entnehmen über die weltweite Entwicklung seitdem. Sie sind lesenswert.

Die Frage muss allerdings auch gestellt werden, welche Rolle die aktuellen relativ drastischen Warnungen des IWF etc.  spielen. Nur Naivlinge können die anscheinend nunmehr neu anrollende Krise als Schicksal ansehen. Zweifellos sind Krisen dem Kapitalismus inhärent, sie entstehen wider Willen und ohne Wissen der allermeisten Akteure – der Firmen und der Staaten -, ähnlich wie Wetterkatastrophen. Aber, worauf die letzten zehn Jahre  doch erneut und ziemlich deutlich hinweisen, es gibt im Kapitalismus immer auch großartige Profiteure von Krisen und wahrscheinlich sogar planende, spekulierende Akteure, die Krisen wollen und Krisen in bestimmter ihnen nützlicher Weise beeinflussen, ja vielleicht sogar lenken.

Solche Warnungen, wie sie jetzt groß präsentiert werden, sollte man besser nicht nur als ehrlich besorgte Verlautbarungen von internationalen Aufsehern werten. Wahrscheinlich sind sie auch selbst Teil neuer Kämpfe um den ganz großen Profit und die Macht.

 

 

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Global Agrarian Problems and the Significance of the Cooperative Model. The Former Chinese Example

 

Published August 25th, 2018 in German. Translation is mine, I apologize for its insufficiencies

 

Of this planet’s total population – appr. 7,5 billion people – several billions are still living in agrarian conditions. Among them, a great many can hardly live on them. A great many are not at all or only to a small part integrated into local, regional or international markets; that is to say, the subsistence economy is still of paramount importance.

In the past, traditional patterns of subsistence economy or of a semi-subsistence economy enabled many people, e.g. in Africa, to make a living, albeit on a most inferior level; but they are increasingly insufficient for growing populations. What is more, they are losing out to the greedy grab of international agribusiness, they are squeezed by climatic changes, and above all, they prove increasingly insufficient for the changing demands of the people that have so far been living under such conditions.

For such reasons, important parts of the globe’s population are fleeing them, moving into the urban centres where, however, they cannot find work that could feed themselves and their families in such a way as to enable them to participate in basics of civilization – affording decent housing, connecting to education and culture, getting medical care and some social security

They are living in slums as, e.g., in India or Latin America; in the case of China, they are living as migrant workers in the urban agglomeration areas, somewhat better than in slums, but in some ways, regrettably, similar to those.

All countries are more or less dominated by capitalist economic systems and are, to varying degrees, integrated into the globalised capitalist economy without having opportunities, presently, to decouple. For this system, large parts of these masses of people are “superfluous”. Only parts of them can join the capitalist “reserve army”, i.e. they are at least intermittently allowed to earn some meagre salaries in the capitalist networks. The majority of those billions of people probably have not even such a chance, they are simply “superfluous” and, by capitalist economic criteria, are just a burden.

It is a safe bet that there are quite a few considerations underway in capitalist political circles how those billions could be retracted from world population; some of those ideas are presumably so devoid of humaneness that they are transmitted to the public not at all or in disguise. The past, however, has time and again prompted theoretical and practical instances of anti-human approaches.

Malthus, for example, preached some 200 years ago that food production never could keep in step with the growth of the population and that, therefore, wars and epidemics had to be cherished for re-establishing the balance (Malthus was proven wrong by the real development. This probably contained contradictory elements as the rapid improvement and scientification of agrarian production on one side, the colonial robber economy on the other).

In the seventies, a secret program by the US to sterilize Latin American women without their knowledge was leaked. In India, Indira Ghandi’s government program to enforce sterilization failed. The Chinese leadership under Deng Xiao-ping, the re-introducer of capitalism, ordered the “one-child-policy” resulting in grim pain for the population and gross deformations for demography (senescence, overhang of males). These are just the best known examples.

If you are looking for illustrative materials about certain far-reaching capitalist imaginations you could, e.g., take a certain strand of the so-called fantasy movies (predominantly from Hollywood). There, scenarios of a planet devastated and depopulated after apocalyptic wars or natural catastrophes have been abounding for decades. Human leftovers are brutally fighting for individual or racial survival, just the way certain ideologists of radical capitalism are describing the “normality” of society, at least of societies they still clandestinely imagine as colonial ones.

There is at least one historical example of a large country with an almost completely agrarian economy and only some vestiges of industry, with a very large and rapidly growing population that, from a capitalist point of view, largely consisted of ‘unproductive eaters’, a country that was able to generate productive work for this population, to feed it, to increasingly offer social security and, without resorting to the global capital markets, to create an industry of its own and an inner market.

This example was provided by China during the period from 1949 on, after the People’s Repulic of China was founded, after it had finished off, by revolutionary means, the imperialist attempts to rule and divide the country.

The paramount method was the formation of agricultural cooperatives and communes, that later on increasingly developed into subjects of industrialization, education and social security. Politically, this development was the work of millions of rural activists, namely those within the Communist Party of China of then, and of the ideas of Mao Zedong, the party’s long-time main representative.

Why and how this development in China was torn down after the end of the Mao era, from appr. 1980 on, and step by step, though relatively fast, was transferred into capitalist forms by a CPCh that increasingly revealed itself as an bureaucratic state apparatus, into a “Wild-West-turbocapitalism” (a rating by writers who under no circumstances can be suspected of socialist leanings) – this is one of the most interesting questions, relevant not only to the further development of today’s China but of large other parts of the world, too.

Connected is the question, even more political and up-to-date, what will come into place when this most recent example of the transformation of an agricultural society into a society that is dominated by globalized capitalism (with “excess population” for capitalist minds) will be confronted by existential challenges. Elsewhere in the world, it has already proved to be apocalyptic, as already partially doomed.

For me, thinking in terms of cooperatives will again assume great importance, possibly even central importance.

The Chinese cooperatives, right from the start, proved capable of securing the food supply for the population. They combined the forces of their members for mutual help, for common improvement of the rural infrastructures, for the increase of production, its mechanization and scientification. Migration from the land, thus, was largely inhibited and even not needed in a certain sense.

Naturally, on the other hand, the grave differences between the city and the land with regard to opportunities for individual development, to culture and knowledge could not fundamentally be overcome within two decades.

Slums werde not needed in China between 1949 and 1980, and they did not come into existence. Food supply for the urban population was secured. The agrarian part of China, the absolutely predominant part, developed and offered fundaments of living and work, albeit under a series of limitations.

For societies of today as in large parts of Africa, in Latin America, but also in the Middle East, in India and elsewhere, these experiences are very worth, in my opinion, to be known, to be studied and to serve as examples for practical purposes.

 

These are societies that, similar to China during the first half of the 20th century, are still largely trapped in agrarian structures, partly in forms of subsistence economy, that lack capital, that are not capable of creating industries and infrastructures of their own, that are led by corrupt gangs, and that must dump the best of their resources in terms of men, of soil and raw materials to international capitalism at ridiculously low prices. Societies – this has once to be said to the dishonour of their inner political and cultural conditions – which experience punctual empowerments almost only by direct investments from the part of the basically predatory international capitalism.

Future will show the revolutions that have to sweep through these large parts of the globe, the international upheavals and wars that have to overturn those conditions (as it happened in China since the beginning of the 20th century in an exemplary and often very brutal way). In any case, imho, cooperative thinking shall be able to demonstrate its constructive civilizing powers.

China’s experiences with cooperativism are not at all free from grave disturbances and even destructions that took place in the entire social and economic fabric. There was plenty of them during the three decades since 1949, due to international and domestic political aggravations (blockade by the “free West” since 1949; severance of the support by the Soviet Union since about 1960; aberrations during the “Great Leap Forward” from 1958 on; chaos in the Cultural Revolution from 1966 on) – nevertheless the rural cooperative system was able to survive and to reconsolidate itself time and again.

The reasons why China‘s cooperative structures could be dissolved under Deng Xiao-ping‘s leadership from 1978 on, and why the new, more and more turbocapitalistic  economic rules could be seen as an alternative from the part of the population’s predominant majority, from the part of relevant segments even as the better alternative – and still are being seen this way -, these reasons certainly are manifold and still waiting for analyses and reappraisal, which should be done in China in the first place.

For observers in far-distant Europe, some starting points might be discernible, though.

One of the reasons could be looked for in the fact that China’s cooperative movement had been convincingly successful only in parts of the nation, with large differences between the regions. W. Hinton, an expert for China’s development and especially for agrarian affairs, estimated that approximately one third of the cooperatives were successful, one third were so-so and one third were failures. Some observations could be hinting to connections between previous experiences the peasants had been able to make during the agrarian uprisings and the guerrilla war against the Japanese occupation; in one word, by revolutionary experiences.

Digging deeper, certain persistent characteristics of China’s culture and society might come under scrutiny. Some writers seem to believe that although there are some typically Chinese forms of socialization – the one embodied in the system of kinship clans and the corresponding worship of ancestors, the other in coercion by China’s imperial central bureaucracy established in the course of two millennia -, there is, at society’s bottom, a deep-rooted individualism and profit-driven egoism. These features might be a favourable breeding ground for a corresponding capitalism in its most up-to-date dominant moldings.

In this regard, Deng Xiao-ping might have built on deep-rooted basic characters in China’s society and culture when he dissolved the cooperative system and appealed to elementary drives for egoistic enrichment.

At this point I have to stress that the examples of extreme asociality were and are nowadays set by US imperialism, the – still – central authority of globalised capitalism.

I assume that in today’s China there are important approaches to critical reflection of the nation’s history, its cultural imprints, the modern social development – and of Western societies likewise, naturally. There must be the formation of a fundament for continuative criticism and for new ideas, nourished by the experiences of the 20th century and the aggravations of today. Present turbocapitalism, perhaps capitalism in general, are being critically questioned from various starting points. There are liberals, social democrats, “Marxists”, “Maoists” and so on, and probably new ideas and syntheses whose coming manifestations can be expected with suspense. By no means Xi Jin-ping’s new capitalistic imperialism will have the last saying.

 

For practical tests of cooperative models, at first primarily agrarian ones, Africa could become an important ground in the decades to come. The continent’s immense population can’t be fed by its still largely dominant subsistence economy, neither by aggressive agrobusiness of Western or Chinese provenance nor by some sweeping industrialization (which is not possible there by any means) nor by mass emigration. On the other hand, it is extremely rich in natural preconditions for agriculture as well as in mineral resources etc. Cooperatives can combine social coherence and productive cooperation with basic elements of a capitalistic market economy in an exemplary way and could open opportunities for Africa. Radical political changes are a prerequisite.

Similar views can be held for other regions, for large parts of Latin America, India etc.

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My opinions about the capitalist development in China, about the roles of Mao Zedong and the Cultural revolution can be read here and here and here.

 


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Please direcct your commentaries, criticism etc. to my e-mail address wagrobe@aol.com. The commentary function on this blog had, regrettably, to be shut due to its misuse by anonymous trashers.

 

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Ein „Manifest“ gegen die Ent-Demokratisierung der EU

Einige europäische Intellektuelle haben ein „Manifest“ verfasst, das mit deutlichen Worten die Vorherrschaft des „neoliberalen“ Kapitals in Europa und die Aushebelung der demokratischen Kontrollen zugunsten der demokratisch nicht legitimierten Macht von Kommission, Rat, Zentralbank, Gerichtshof kritisiert. Sie fordern die Wiedereinführung von Demokratie auf allen Ebenen, die Kontrolle der Bürger darüber, was mit ihren Steuergeldern geschieht, den Wiederaufbau der von Profitinteressen schwer geschädigten Infrastrukturen etc.

Nur zwei kritische Nebenbemerkungen zu dieser  inhaltsreichen, lesens-  und beherzigenswerten Veröffentlichung:

  • Es handelt sich nicht um einen „französisch-deutschen“ Text, als der er von der „FAZ“ präsentiert wird. Vielmehr sind Autoren aus einer ganzen Reihe von weiteren Mitgliedsstaaten beteiligt,  auch aus Italien, Polen, Griechenland, Portugal etc.
  • Unter Demokratie verstehen die Autoren hier die ziemlich begrenzte bürgerliche, parlamentarisch praktizierte Demokratie; selbst diese ist – das sehen sie richtig – durch die existierenden europäischen Machtstrukturen weitgehend außer Funktion gesetzt.
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Syrien – USA und Verbündete, darunter Deutschland, in Vorbereitungen zur Rettung von Al-Kaida, IS etc.

Es wird berichtet, dass auf Anfrage der USA die deutsche Regierung, namentlich das Verteidigungsministerium unter von der Leyen, eine militärische Beteiligung an neuen Kriegshandlungen in Syrien erwäge. Angeblich geht es darum, die Menschen in der Region Idlib vor möglichen Giftgasangriffen der Regierung Assad und ihres Hauptverbündeten Russland zu schützen; es wird auch geredet, dass die Ankündigung von  „Vergeltung“ für eventuelle solche Angriffe zweckmäßig sei, um Syrien und Russland von Giftgasangriffen abzuhalten.

In Wirklichkeit geht es den USA, Großbritannien, Frankreich und den anderen Erwägern darum, nach ihrem Scheitern in Syrien eine Enklave zu behalten, über die die syrische Regierung die Kontrolle nicht wieder erlangt. Wenigstens ein kleiner Teil der Macht, die man mit der Entfachung des Kriegs in Syrien ursprünglich über das ganze Land und darüber hinaus ausstrahlend in der Region zu erlangen gehofft hatte, soll gerettet werden, um sich dort ein Mitspracherecht zu sichern und eine Basis im Lande zu sichern, von der aus bei späterer Gelegenheit vielleicht neue Aggressionen gestartet werden können.

Der Zynismus dieser Planungen, dieser Propaganda ist nicht zu überbieten.

Seit 9/11 erzählt man uns unaufhörlich und auf allen Kanälen, dass die Welt bedroht sei von Al-Kaida etc., dem islamistischen Terrorismus. Hunderttausende, Millionen unschuldiger Menschen in Afghanistan, in Pakistan etc. haben ihr Leben, ihr Land, ihre Existenz verloren in diesem Krieg, der in Wirklichkeit der Geostrategie der USA und Verbündeter entstammt – und jetzt sollen in Syrien genau solche Kerntruppen des islamistischen Terrorismus direkt militärisch verteidigt werden gegen die rechtmäßige Regierung des Landes und Mächte wie Russland, die  mit der Geostrategie der USA etc. nicht einverstanden sein können!  Islamistische Schlächterbanden, die in Syrien und anderswo längst zehntausendmal mehr unschuldige Menschen umgebracht haben als durch die angeblichen bisherigen Giftgasangriffe in Syrien je betroffen waren (vielleicht haben diese sog. Rebellen sogar selbst Giftgas eingesetzt, um das Assad-Regime zu diskreditieren….), stehen nun unter dem direkten militärischen Schutz des „freien Westens“.

Und da ist man dann richtig empört und beleidigt, wenn manche Leute sagen, wir leben unter einem Lügensystem der Machthaber und ihrer Medien ….

 

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Chemnitz

Ich möchte den mainstream-Medien und den Regierenden in Sachsen und im Bund dringend eine grundsätzlich selbstkritische Haltung  empfehlen, wenn es jetzt um  die Beurteilung von Demonstrationen anläßlich der Erstechung eines anscheinend deutschstämmigen Bürgers durch – mutmaßlich – einen Mann aus dem Irak und einen aus Syrien geht.

Eine selbstkritische Haltung ist vor allem angebracht wegen der ganzen Art und Weise, wie die herrschenden Kreise der Bundesrepublik Deutschland vom Jahre 1989 an sich die frühere DDR angeeignet haben, wie sie den größten Teil von deren Bevölkerung in die Arbeitslosigkeit geschickt und im Grunde erst einmal abgehängt haben, wie sie fast die Gesamtheit der dortigen Betriebe kurzerhand für Schrott erklärt und die Restwerte an Kapitalisten, Glücksritter und üble Elemente aus beiden Teilen Deutschlands und anderen Teilen der Welt verscherbelt haben.

Ein erheblicher Teil der Bevölkerung der östlichen Bundesländer lebt bis heute mehr oder weniger abgehängt, und viele Junge haben dort schlechtere Chancen als im Westen. Sie wandern ab, wenn sie können, und viele Orte vergreisen und versumpfen. Nur massenweise schön restaurierte Fassaden gibt’s anzusehen, weil dafür jede Menge Geld geflossen ist und wahrscheinlich noch immer fließt.

Die herrschenden Parteien und Medien haben nie zugelassen, dass dieser gesamte Vorgang öffentlich kritisch beleuchtet würde und die Betroffenen zu Wort kämen. (Erst als sich zeigte, dass die Unzufriedenheit sich in massiven Stimmenverlusten bei Wahlen für die etablierten Parteien und bspw. einer Stärkung der AfD unangenehm bemerkbar machen würde, durfte eine sächsische Ministerin im vergangenen Jahr die eine oder andere Veranstaltung durchführen, wo die Dinge ein wenig zur Sprache kamen. Als der Wahlkampf vorbei war, folgte nichts weiter).

Unter diesen schon fast diktatorischen Verhältnissen braucht es kaum zu wundern, dass manche Leute meinen, sie könnten die Herrschenden richtig ärgern, wenn sie auf Nazi machen. Das ist zu verurteilen, weil es einfach unter aller Sau ist, weil es den Betreffenden nichts bringt, und weil es sogar ein altbewährtes politisches Mittelchen der Herrschenden selbst ist, solche Regungen zu begünstigen (der Verfassungsschutz stellt bei Bedarf die nötigen „Nazi“-Führungsfiguren selbst bereit, damit der Protest auch ganz sicher eine unakzeptable Färbung annimmt).

Aber man muss auch berücksichtigen, wie es dazu gekommen ist. Abgehängte neigen nun mal dazu, politisch noch weniger durchzublicken als andere Teile der Bevölkerung. Spießermuff, rechte, rassistische und  nazihafte Äußerungen, provokantes Verhalten gibt es eben gesetzmäßig unter solchen Umständen. Man schaue doch mal nach den USA.

Die massenhafte Hereinholung von Flüchtlingen aus Syrien, die die Bundeskanzlerin 2015 durch einen unerwarteten und ungewöhnlichen politischen Akt  eingeleitet und ermöglicht hat, hat Deutschlands herrschenden Kreisen weitaus mehr Nutzen als Schaden gebracht.

Sieht man sie als ein geopolitisches Manöver, so wurde dadurch ein – eher pazifizierender – Einfluss Deutschlands und damit der EU insgesamt im Vorderen Orient verstärkt. Bis dato war diese gesamte Region von den USA, und zeitweise durchaus auch von wichtigen EU-Ländern selbst wie Großbritannien und Frankreich mit, seit Jahrzehnten mit unerhörten Aggressionen verwüstet und ins Chaos gestürzt worden. Begonnen hatte es mit den Kriegen gegen den Irak 1991 und 2003, mit dem unverschämten Vorgehen in Libyen und kulminierend mit der Zerstörung Syriens durch islamistische Terrorbanden, die indirekt – über Saudi-Arabien und andere Golfstaaten –  von den USA und Israel politisch gesteuert wurden und noch werden.

Sieht man die Hereinholung als Maßnahme für die Bereicherung des deutschen Arbeitsmarktes, dem aufgrund eigenen jahrzehntelangen Verschuldens der hiesigen herrschenden Kreise die Jugend und die Motivierten ausgehen, dann kann Merkels Flüchtlingspolitik durchaus auch als Erfolg gesehen werden; zumindest gibt es bereits eine Reihe von entsprechenden Anzeichen. Gerade aus Syrien, einem relativ entwickelten und zivilisierten Land, kommen viele Flüchtlinge, die sich hier echt Mühe geben, arbeiten, sich bilden und in Zukunft sowohl Deutschland wie auch nach eventueller Rückkehr Syrien bereichern werden.

Auf der anderen Seite kann man nicht über massive gesellschaftliche  Probleme hinwegsehen.

Viele Flüchtlinge kommen aus Gesellschaften und Kulturen mit islamischer Prägung, oder aus Afrika mit noch rückständigeren religiösen und sittlichen Prägungen, auch aus Gesellschaften wie dem Irak und Afghanistan, deren Verrohung gerade auch ein Produkt der Verbrechen des „freien Westens“ gegen diese Gesellschaften während der letzten Jahrzehnte ist,  und manche Migranten tendieren dazu, solche Formen hier irgendwie weiterzuleben. Das stellt eine Last, ja eine Provokation  für die hiesige Gesellschaft dar. Es wird zwar zu keiner „Islamisierung des Abendlandes“ kommen, auch wenn es Islamisten gibt, die dergleichen wollen und teilweise auch durch Infiltration der Migrationsbewegungen gern befördern möchten. Aber es gibt zweifellos mehr Islamisten, mehr Kriminelle, mehr arrogante und kulturlose Ausländer in den letzten Jahren hier aufgrund der gesteigerten Einwanderung. Übrigens hatte der deutsche Staat längst zuvor, seit Jahrzehnten, islamistische Hetze im eigenen Land zumeist gern übersehen, wenn nicht sogar gefördert.

Wenn Bürger sich einerseits vom eigenen Staat abgehängt und entmündigt fühlen, wozu gerade in den östlichen Bundesländern mehr als einer Grund hätte, wenn andererseits die öffentliche Situation komplizierter wird durch Einwanderer, die zwar mehrheitlich, aber doch nicht immer sich gut verhalten; wenn der Eindruck entstehen kann, dass der „eigene“ Staat sich, wie auch immer, überhaupt mehr um Migranten als um die deutschstämmigen mehr oder weniger Abgehängten kümmert, dass Polizei und Justiz dem Schutz der Bevölkerung nicht ausreichend nachkommen, dann kommt es eben zu solchen Szenen wie in Chemnitz.

Das braucht niemanden zu wundern. Spart Euch das „Nazi“-Gejammer, lasst die Ablenkungsmanöver, fangt an eine Diskussion zuzulassen, was alles im Namen des Profits an Gemeinheiten gegenüber der eigenen Bevölkerung begangen wurde und weiter begangen wird, und kommt berechtigten Forderungen politisch nach.

 


 

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Globale Agrarfragen und die Bedeutung der Genossenschaft. Das frühere chinesische Beispiel

Auf dem Globus leben,  bei einer Gesamtbevölkerung von derzeit ca. 7,5 Milliarden Menschen, heute noch mehrere Milliarden unter agrarischen Verhältnissen. Sehr viele von ihnen können davon kaum leben. Viele sind nicht oder nur wenig eingebunden in lokale, regionale oder internationale Märkte, d.h. die sog. Subsistenzwirtschaft spielt noch eine große Rolle.

Die traditionellen Formen der Subsistenzwirtschaft oder der halben Subsistenzwirtschaft, die in der Vergangenheit vielen Menschen, bspw. in Afrika, noch die Existenz ermöglicht haben, wenn auch auf unterstem Niveau, genügen jedoch nicht mehr dem Bevölkerungswachstum; sie verlieren zudem ihre Räume an den zugreifenden internationalen Agrarkapitalismus, sie werden von klimatischen Veränderungen eingeschränkt; sie genügen vor allem auch den veränderten Ansprüchen der bisher so Lebenden nicht mehr.

Erhebliche Teile der Weltbevölkerung befinden sich aus solchen Gründen in der Flucht aus solchen Verhältnissen, indem sie in die städtischen Zentren ziehen, ohne dort jedoch Arbeit zu finden, die sie und ihre Familien so ernährt, dass sie Anschluss an zivilisatorische Standards finden, bspw. anständige Wohnungen sich leisten können, Anschluss an Bildung und Kultur bekommen, medizinisch versorgt werden und soziale Sicherungssysteme beanspruchen könnten.

Sie leben in Slums, wie beispielsweise in Indien oder Lateinamerika; im Falle Chinas leben sie als Wanderarbeiter in städtischen Ballungsgebieten, was wohl eine Existenzform etwas oberhalb des Slums bedeutet, jedoch mit dieser leider auch viele Gemeinsamkeiten hat.

Für die mehr oder weniger in allen Ländern herrschenden kapitalistischen Wirtschaftssysteme, die in unterschiedlichem Maße in die globalisierte kapitalistische  Ökonomie eingebunden sind, ohne derzeit eine Chance zu haben, sich daraus auszukoppeln, sind große Teile dieser Menschenmassen „überflüssig“. Nur Teile davon kommen als kapitalistische  „Reservearmeen“ in Frage, d.h. sie können sich wenigstens zeitweise und in schmalem Umfang in den kapitalistischen Zusammenhängen Löhne verdienen. Die Mehrheit dieser Milliarden Menschen dürfte für den  weltweiten  Kapitalismus incl. seiner Subkapitalismen nicht einmal darauf Chancen haben, sie dürften schlicht „überflüssig“ und unter den kapitalistischen ökonomischen Kriterien einfach eine Last sein.

Wie man diese „Last“ physisch reduzieren könnte, m.a.W. wie man die Weltbevölkerung um diese paar Milliarden vermindern könnte, ist mit Sicherheit Gegenstand zahlreicher Überlegungen in kapitalistischen politischen Kreisen; einige davon dürften so wenig human sein, dass sie der Öffentlichkeit nicht oder nur verklausuliert vermittelt werden. Die Vergangenheit hat allerdings immer wieder auch theoretische und praktische Beispiele für inhumane Ansätze gezeigt.

Bspw. hat Malthus vor 200 Jahren vertreten, die Nahrungsmittelproduktion könne mit dem Bevölkerungswachstum nicht Schritt halten, daher seien Kriege und Seuchen zu begrüßen, um ‚das Gleichgewicht wiederherzustellen‘. (Malthus wurde durch die tatsächliche Entwicklung widerlegt. Sie enthielt wohl gegensätzliche Faktoren wie einerseits die rasche Verbesserung und Verwissenschaftlichung der agrarischen Produktion, den kolonialen Raubbau andererseits). In den 70er Jahren flog ein geheimes Programm der USA auf, in Lateinamerika Frauen ohne deren Wissen zu sterilisieren. Die indische Diktatorin Indira Ghandi scheiterte mit einem Regierungsprogramm zur Zwangssterilisierung. Die chinesische Führung unter dem Wiedereinführer des Kapitalismus Deng Xiao-ping verordnete die „Ein-Kind-Politik“, die der Bevölkerung großes Leid und  der Demografie krasse Verzerrungen (Vergreisung, Männerüberschuss) eingetragen hat – um nur die bekanntesten Beispiele anzuführen. Will man Anschauungsmaterial zu weitergehenden kapitalistischen  Überlegungen, dann kann man bspw. die Welt der sog. Fantasy-Filme (vornehmlich derer aus Hollywood) heranziehen. Die Szenarien einer Erde, die nach apokalyptischen Kriegen oder Naturkatastrophen entvölkert ist und auf der Reste von Menschheit in brutalster Weise ums individuelle oder rassische Überleben kämpfen (so wie bestimmte radikalkapitalistische Ideologen den „Normalzustand“ der Gesellschaft imaginieren) finden sich dort seit Jahrzehnten zuhauf.

 

Es gibt zumindest ein historisches Beispiel, wie ein großes Land mit fast ausschließlicher agrarischer Wirtschaftsform und kaum entwickeltem industriellem kapitalistischen Sektor, mit einer sehr großen und rasch weiter wachsenden Bevölkerung, die nach kapitalistischen Kriterien großenteils aus ‚unproduktiven Essern‘  bestand, es geschafft hat, dieser Bevölkerung Arbeit zu verschaffen, sie zu ernähren, sozial zunehmend zu sichern und ohne Inanspruchnahme der globalen Kapitalmärkte eine eigene Industrie und einen inneren Markt hochzuziehen.

Dieses Beispiel hat China in der Zeit nach 1949  geliefert, nach Gründung der VR China,  nach der revolutionären Beendigung der imperialistischen Beherrschungsversuche und der Spaltungen des Landes.

Das wichtigste Mittel war die Bildung agrarischer Genossenschaften und Kommunen, die sich zunehmend auch zu Akteuren der Industrialisierung, der Bildung und der Sozialsysteme entwickelten. Politisch wurde diese Entwicklung von Millionen von Aktivisten, namentlich solchen der früheren KPCh, vorangetrieben und von den Vorstellungen des langjährigen Hauptexponenten der Partei, Mao Zedong, inspiriert.

Es ist eine der interessantesten und für die heutige Weiterentwicklung nicht nur Chinas, sondern auch großer anderer Teile der Welt mE ausschlaggebenden Fragen, wie und warum diese Entwicklung in China nach dem Ende der Ära Mao Zedongs, d.h. etwa seit 1980, abgebrochen und stufenweise, aber relativ rasch in kapitalistische Formen unter der Führung durch eine zunehmend staatsbürokratisch sich offenbarende KPCh,  in einen „Wild-West Turbokapitalismus“ überführt werden konnte (solche und ähnliche Prädikate stammen von Journalisten und Buchautoren, die man unter keinen Umständen sozialistischer Neigungen verdächtigen kann).

Damit hängt zusammen die noch politischere und aktuellere Frage, was an die Stelle treten wird, wenn dieses neueste Modell der Umwandlung einer Agrargesellschaft in eine vom globalisierten Kapitalismus beherrschte Gesellschaft (mit „Bevölkerungsüberschuss“  im kapitalistischen Sinne) in China selbst vor existentielle Herausforderungen kommt. Anderswo in der Welt hat es sich bereits als apokalyptisch, als teilweise schon gescheitert erwiesen.

Ich denke, dass erneut genossenschaftliches Denken an Bedeutung gewinnen wird, und wahrscheinlich sogar an zentraler Bedeutung.

Die chinesischen Genossenschaften zeigten sich zunächst einmal fähig, die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln in die Hand zu bekommen und zu sichern. Sie bündelten die Kräfte ihrer Mitglieder zu gegenseitiger Hilfe, zu gemeinsamer Verbesserung der ländlichen Infrastrukturen, zur Steigerung der Produktion und ihrer Technisierung und Verwissenschaftlichung. Landflucht wurde so in hohem Maße verhindert und sogar in gewisser Weise überflüssig.

Selbstverständlich konnten andererseits die gravierenden Unterschiede zwischen Stadt und Land hinsichtlich individueller Entfaltungsmöglichkeiten, Kultur und Wissen nicht in zwei Jahrzehnten grundsätzlich überwunden werden.

Slums brauchten im China der Jahre zwischen 1949 und 1980 nicht zu entstehen und entstanden nicht; die Versorgung der städtischen Bevölkerungen mit Lebensmitteln war gesichert. Der ländliche Teil Chinas, d.h. der weit überwiegende Teil, entwickelte sich und bot einer wachsenden Bevölkerung elementare Lebensgrundlagen und Arbeit, wenn auch unter einer ganzen Reihe von Einschränkungen.

 

Diese Erfahrungen sind m.E. für heutige Gesellschaften wie in großen Teilen Afrikas, in Lateinamerika, aber auch im Vorderen Orient, in Indien und anderswo sehr der Kenntnisnahme, des Studiums und der eigenen praktischen Anknüpfung wert.

 

Es handelt sich um Gesellschaften, die ähnlich dem China der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts  noch weitgehend in agrarischen, teilweise subsistenzartigen Formen gefangen sind, denen es an Kapital mangelt, die eine eigene Industrie und Infrastruktur nicht hinkriegen, die von korrupten Cliquen geführt werden und die ihre besten Ressourcen an Menschen, Böden und Rohstoffen billigst an das internationale Kapital verschleudern müssen. Gesellschaften, die – das muss zur Schande auch der dortigen inneren Verhältnisse in Politik und Kultur auch einmal gesagt werden – fast nur da punktuelle Stärkungen und Modernisierungen erfahren, wo dieses vom Grundsatz her räuberische internationale Kapital direkt investiert.

Welche Revolutionen durch diese großen Teile der Erde erst noch hindurchgehen müssen, welche internationalen Umwälzungen und Kriege die dortigen Verhältnisse erst noch zum Kippen bringen müssen (wie das in China seit Beginn des 20. Jahrhunderts  in exemplarischer und oft extrem brutaler Weise stattgefunden hat), das wird die Zukunft zeigen. M.E. wird das genossenschaftliche Denken jedenfalls seine konstruktiven zivilisierenden Potentiale entfalten können.

 

Die chinesischen Erfahrungen mit dem Genossenschaftswesen sind von schweren Störungen und sogar teilweise Zerstörungen des gesamten gesellschaftlichen und ökonomischen Gefüges keineswegs frei. In den drei Jahrzehnten seit 1949 gab es solche reichlich, infolge internationaler und interner politischer Zuspitzungen (Blockade durch den „freien Westen“ seit 1949; Abbruch der Unterstützung durch die Sowjetunion um 1960; Fehlentwicklungen im Zeichen des „Großen Sprungs“ ab 1958, Durcheinander in der Kulturrevolution ab 1966) – trotzdem konnte das ländliche Genossenschaftswesen überleben und sich sogar immer wieder konsolidieren.

Die Gründe, warum es unter der Führung durch Deng Xiao-ping ab 1978 zunehmend aufgelöst werden konnte und die neuen, zunehmend turbokapitalistischen Formen von der überwiegenden Mehrheit der chinesischen Bevölkerung als Alternative, von erheblichen Teilen wohl sogar als bessere Alternative gesehen wurden und –  noch – gesehen  werden, sind sicher vielfältig und bedürfen wohl erst noch einer Analyse und Aufarbeitung, die vorwiegend in China selbst zu leisten wäre.

Für Beobachter aus dem weit entfernten Europa zeichnen sich vielleicht bestimmte Ansätze dazu immerhin ab.

Einer der Gründe dürfte darin zu suchen sein, dass dem Genossenschaftswesen in China nur partiell, und wohl regional unterschiedlich, überzeugende Erfolge gelungen sind. Nach einer Einschätzung des US-amerikanischen China-Experten und Agrarexperten W. Hinton war etwa ein Drittel der ländlichen Genossenschaften Chinas erfolgreich, ein Drittel war soso-lala, und ein Drittel waren Fehlschläge. Manches deutet darauf hin, dass sie in Regionen relativ erfolgreich waren, in denen in den Jahrzehnten zuvor es bereits agrarrevolutionäre Aufstände der Landbevölkerung und Guerilla-Kriegsaktivitäten gegen die japanische Besatzung gegeben hatte, m.a.W. revolutionäre Erfahrungen der Bevölkerung.

Tiefergehende Gründe müssen wohl in bestimmten langfristigen Merkmalen der chinesischen Kultur und Gesellschaft gesucht werden. Manche Autoren betonen, dass es zwar bestimmte typisch chinesische Arten von  Vergesellschaftung gebe – die eine verkörpert  im System der Sippenclans und des entsprechenden Ahnenkults (ideologisch ausgeformt im Konfuzianismus), die andere im Zwang durch das seit mehr als 2 Jahrtausenden etablierte System kaiserlicher Zentralbürokratie-, dass aber am Grunde der Gesellschaft sich ein bis zum Asozialen gehender Individualismus und Gewinn-Egoismus etabliert habe, der heute für einen entsprechenden Kapitalismus neuester dominanter Ausformung einen günstigen Nährboden bilde.

Ich muss an dieser Stelle vermerken, dass  die extreme Asozialität heute vor allem vom US-Imperialismus, der bisherigen Zentralinstanz des globalisierten Kapitalismus, vorgelebt wurde und wird.

Insofern habe Deng Xiao-ping an tiefsitzende gesellschaftliche Grundcharaktere in der chinesischen Gesellschaft anknüpfen können, als er das Genossenschaftswesen auflöste und an elementare egoistische  Bereicherungstriebe appellierte.

Ich nehme an, dass im heutigen China bedeutende Ansätze existieren, die eigene Geschichte, die eigene kulturelle Prägung, die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung kritisch zu reflektieren, und selbstverständlich die westlichen Gegenbilder gleichfalls. Aufgrund der historischen Erfahrungen vor allem des 20. Jahrhunderts  und der neuen Zuspitzungen der letzten Jahre muss sich in China ein Boden für weiterführende Kritik und Bildung neuer Ideen bilden. Der aktuelle Turbokapitalismus, vielleicht der Kapitalismus überhaupt, werden von verschiedenen Grundpositionen her kritisch hinterfragt. Es gibt Liberale, Sozialdemokraten, „Marxisten“, „Maoisten“ usf.,  und wahrscheinlich neue Ideen und Synthesen, auf deren Bekundungen in der Zukunft man sehr gespannt sein darf. Der neue chinesische kapitalistische Imperialismus des Xi Jinping und anderer dürfte keineswegs das letzte Wort sein.

 

Ein bedeutendes internationales Feld der Erprobung genossenschaftlicher, zunächst vorwiegend agrarischer Modelle dürfte in den kommenden Jahrzehnten in Afrika entstehen. Der Kontinent hat eine riesige Bevölkerung, die weder von der bisherigen – weitgreifend noch dominierenden – Subsistenzwirtschaft noch von dem zupackenden Agrarkapitalismus westlicher oder chinesischer Abkunft, noch von einer durchgreifenden Industrialisierung (die so dort überhaupt nicht möglich ist) noch von der Massenemigration leben kann. Andererseits ist er an günstigen Naturbedingungen für die Landwirtschaft sowie auch an Bodenschätzen etc. immens reich. Die Kombination von sozialem Zusammenhalt und produktiver Kooperation einerseits mit kapitalistisch-marktwirtschaftlichen Grundelementen andererseits, wie sie in der Genossenschaft exemplarisch sich verwirklichen lässt, könnte für Afrika Chancen eröffnen. Dazu bedarf es allerdings auch politischer Umwälzungen.

Ähnliches lässt sich wohl auch von anderen Gebieten wie großen Teilen Lateinamerikas, Indiens etc. sagen.

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Meine Ansichten über die chinesische kapitalistische Entwicklung, über die Rolle Mao Zedongs und der Kulturrevolution habe ich v.a. hier und hier und hier dargelegt.


 

 

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